Schadhafter Asphalt lässt Rollstuhlfahrer stürzen

Schadhafter Asphalt lässt Rollstuhlfahrer stürzen
Kornelia Timmerbeil und Hund Dino zeigen, wo die Vorderräder des Rollstuhls sich im schadhaften Asphalt verhakt haben. So kam ihr schwerbehinderter Mann Rudi zu Fall und zog sich eine schwere Verletzung zu. (Foto: Claudia Eckhoff)

Hagen. Die Therapeuten geben sich in der kleinen Wohnung Auf dem Kämpchen auf Emst die Klinke in die Hand: Aber trotz Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie wird Rudi Timmerbeil ein Schwerst-Pflegefall bleiben.

„Mein Mann kann schon lange nicht mehr sprechen“, sagt seine zierliche, 59-jährige Ehefrau Kornelia, die ihren Rudi seit weit über zehn Jahren pflegt. „Wir sind 42 Jahre verheiratet. Da verstehe ich, was er mir mit Mimik und Handzeichen verständlich machen möchte.“

Den letzten unbeschwerten gemeinsamen Urlaub verbrachte das Paar vor 15 Jahren auf Sylt. „Aber da konnte Rudi schon beim Spazierengehen am Strand nicht mehr recht mithalten.“

Tückische Krankheit

Schubartige Multiple Sklerose: Es ging ganz schnell vom Stock in den Rollstuhl. Im vergangenen Jahr traf den ehemaligen Industriekaufmann obendrein ein heftiger Schlaganfall.
Seitdem hat er drei schwere Lungenentzündungen ausstehen müssen und Wochen im Krankenhaus zugebracht. Der heute erst 64-Jährige muss mit einem Deckenlifter aus dem Bett gehoben werden, in dem er fast den ganzen Tag verbringt. Er kann seinen Rollstuhl nicht selbst bewegen und erleidet immer wieder Krampf­anfälle. Ohne Magensonde und Katheter geht es nicht.

„Die Nachbarn helfen uns, wo sie können, und kochen auch schon mal für uns mit“, sagt Kornelia Timmerbeil dankbar. „Wir haben Pflegestufe 5. Trotzdem reicht das Geld kaum. Die Kosten sind unglaublich hoch.“

Kleine Auszeit vom Leid

Die Belastungen und die Eintönigkeit ebenso. Ein kleines Glanzlicht setzen dem Alltag der Eheleute die Besuche ihres Sohnes auf. „Zu zweit können wir es dann wagen, meinen Mann ein wenig auf Emst spazieren zu schieben und im Café zu frühstücken“, sagt Kornelia Timmerbeil.

Von wegen frische Brötchen: Rudi Timmerbeil frühstückt auch dann wie immer aus seiner Schnabeltasse und genießt dennoch offenbar die kleine Auszeit.

Durch Sturz schwer verletzt

Vor wenigen Tagen ist es dann passiert. Auf dem Rückweg waren sie auf der schadhaften Fahrbahn ihrer kleinen Wohnstraße, die überwiegend gar keine Bürgersteige hat.
Eins der kleinen Rollstuhlvorderräder blieb hängen in einem der vielen Löcher im Asphalt. Der Rollstuhl kippte nach vorn. Der Gurt öffnete sich. Rudi Timmerbeil stürzte kopfüber auf die Fahrbahn. Er zog sich eine klaffende Platzwunde unterm Auge, eine aufgesprungene Augenbraue und einen komplizierten Beinbruch zu. In wenigen Tagen wird er aus dem Krankenhaus entlassen. Die Schmerzen werden ihn begleiten.

Kein Trost in Sicht

„Ich habe mich im Rechtsamt der Stadt Hagen erkundigt, ob wir auf Grund des schlechten Zustands der Straße wenigstens Anrecht auf ein wenig Schmerzensgeld haben“, berichtet Kornelia Timmerbeil. „Man hat mir aber keinerlei Hoffnungen gemacht. Bei der Instandhaltung der Straßen orientiere man sich an den Fußgängern, hieß es da. Einen Rechtsanwalt kann ich mir leider nicht leisten.“

Enttäuscht ist sie, dass „wieder einmal“ kaum an Kranke und Menschen mit Beeinträchtigungen gedacht würde. Und dass, obwohl es im Umfeld des Emster Kulturhofes doch viele ältere und auch gehbehinderte Menschen gäbe.