Schatztruhe für Papierhistoriker

Hagen. (Red.) Das Westfälische Wirtschaftsarchiv in Dortmund (WWA) beherbergt eine weltweit einzigartige Dokumentation über die Papierherstellung – eine wahre Schatztruhe für Historiker. Es verwahrt mit den Archivbeständen des Hagener Unternehmens Stora-Enso Kabel – früher Feldmühle und Hoesch – wertvolle historische Unterlagen einer der wichtigen deutschen Papierfabriken. Für Experten und Heimatforscher eine wahre Fundgrube und Quelle der Erkenntnis. In den letzten beiden Jahren wurden weitere wertvolle historische Schätze eingearbeitet.

Dr. Karl-Peter Ellerbrock, Direktor der Stiftung Westfälisches Wirtschaftsarchiv, freut sich gemeinsam mit seinen Mitarbeitern und dem Team aus Werk Kabel über den nun erreichten und im Inventar dokumentierten Forschungsstand; das neue Werk setzt den bereits 1999 vorgelegten ersten Band fort. Die Historikerin Marita Völmicke und der Dortmunder Archivar Klaus Pradler analysierten akribisch die Unterlagen und ordneten die Quellen zeitlich und thematisch ein. Ein mitunter mühevolles Unterfangen, da das vorhandene Material äußerst detailliert war. Tatkräftige Unterstützung erhielten sie von dem Vorhaller Hans-Peter Jaraczewski, dem Papierforscher der Papierfabrik Kabel; er hatte über die Jahre mit feinem Näschen immer wieder neue „Perlen“ zu seinem Lieblingsthema aufgespürt und dem WWA zu treuen Händen überantwortet.

Viele „Papier-Schätze“ aus Kabel befinden sich mittlerweile im WWA, zum Beispiel das Faksimile von  J.S. Halle, Werkstätte der heutigen Künste, Zweiter Band; Die fünfzehnte Abhandlung, Der Papiermacher; Brandenburg und Leipzig, 1762“. (Foto: Thomas Dresbach/Stora)
Viele „Papier-Schätze“ aus Kabel befinden sich mittlerweile im WWA, zum Beispiel das Faksimile von J.S. Halle, Werkstätte der heutigen Künste, Zweiter Band; Die fünfzehnte Abhandlung, Der Papiermacher; Brandenburg und Leipzig, 1762“. (Foto: Thomas Dresbach/Stora)

Facettenreiche Firmengeschichte

Das historische Material spiegelt nunmehr die facettenreiche Firmengeschichte wider. Einige Aktenbände belegen Besitzerwechsel, andere geben Einblick in das vielfältige Schaffen und Leben der Beschäftigten. Zahlreiche Fotos dokumentieren Baumaßnahmen und Investitionen sowie Persönlichkeiten und Eigentümer, die die Fabrik besichtigten, aber auch Katastrophen, die den Betrieb stilllegten. Die Papierfabrik in Hagen-Kabel wurde 1896 unter anderem von Emil Hoesch gegründet, gehörte seit 1959 zum Feldmühle-Konzern und ist heute Teil der skandinavischen Stora-Enso-Gruppe. 1956 wurde die Jul. Vorster GmbH, das traditionsreiche Eilper Unternehmen und zugleich zweitälteste Hagener Papiermühle, übernommen. Ergänzend gibt es im Archivbestand auch Unterlagen der einst von Kabel aus gegründeten, später abgetrennten und dann unter dem Dach der Feldmühle wieder zusammengefundenen Papierfabrik in Düsseldorf-Reisholz.

Regionale Dokumentation

Das Westfälische Wirtschaftsarchiv in Dortmund ist die regionale Dokumentationsstelle für die Wirtschaft in Westfalen und Lippe. Das WWA betreut Archivgut von Unternehmen, Kammern, Verbänden und Persönlichkeiten und berät in allen Fragen des Archivaufbaus und der Archivpflege. In den Beständen des WWA spiegeln sich die regionalen Wirtschaftsstrukturen. Die Archivbestände werden durch eine Spezialbibliothek ergänzt. Das WWA kooperiert mit zahlreichen Forschungseinrichtungen und gibt wissenschaftliche Publikationen heraus.

Werk Kabel

Das Werk Kabel zählt mit einer Jahreskapazität von derzeit 495.000 Tonnen Papier zu einer der leistungsfähigsten Produktionseinheiten des Stora-Enso-Konzerns. Es fertigt gestrichene Druckpapiere, die vor allem bei der Herstellung von Publikums- und Fachzeitschriften, Versandhauskatalogen, Zeitungsbeilagen und anderen Werbedrucksachen, aber auch bei Schulbüchern, Prospekten, Bildbänden, Wandkalendern und Geschäftsberichten eingesetzt werden.