Schicht im Schacht – wenn der Aufzug streikt

Denis Quadt lebt seit 2010 am Rand von Emst und bewältigt seinen Alltag seit vier Jahren fast ohne fremde Hilfe. Seit zwei Wochen ist das nicht mehr möglich. (Foto: Christina Schröer) Vom Eingangsbereich

Denis Quadt lebt seit 2010 am Rand von Emst und bewältigt seinen Alltag seit vier Jahren fast ohne fremde Hilfe. Seit zwei Wochen ist das nicht mehr möglich. (Foto: Christina Schröer) Vom Eingangsbereich, in dem der Aufzug feststeht, sind es sieben Etagen

Hagen. (cs) Als Denis Quadt am 28. März am Abend zu seiner Wohnung Am Waldesrand zurückkehrte, erlebte er eine bitterböse Überraschung. Der Aufzug des Mehrfamilienhauses, in dem er wohnt, stand plötzlich still. Bis zu seiner Wohnung im „vierten“ Stock sind es allerdings ganze sieben Etagen, die es zu überwinden gilt, da darunter noch drei Souterrain-Wohnungen liegen.

Helfende Hände
„Ich musste mich von zwei lieben Nachbarn die Etagen hochtragen lassen“, erklärt der 32-Jährige, der trotz seiner Behinderung ein sehr selbstständiges Leben führt. Unter anderem ist er für die Piraten-Partei in der Bezirksvertretung Hohenlimburg tätig und sitzt im Sozialausschuss und Behindertenbeirat.
„Ich beanspruche lediglich alle zwei Wochen einen Hauswirtschaftsdienst, der mir beim Putzen hilft, ansonsten schaffe ich alles alleine“, sagt er. Dementsprechend unangenehm ist es Denis Quadt, nun so sehr auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein.
Bauarbeiten im Gange
Mit der Hausverwaltung hat der junge Mann sich natürlich schon auseinander gesetzt, die Arbeiten am Aufzug befinden sich auch im vollen Gange, dennoch konnte der bereits verschobene Montagetermin am Montag, 10. April, nicht eingehalten werden.
Möglich sei es nun, dass der TÜV die Liftanlage mit dem benötig­ten neuen Steuer­ele­ment am Donnerstag, 13. April, abnimmt. Eine Nachbarin von Denis Quadt weiß außerdem: „Der Aufzug ist öfter kaputt, aber fast zwei Wochen hat die Reparatur noch nie gedauert.“ Auch für die Seniorin Beate Ohm ist es äußerst beschwerlich, die vielen Stufen zu ihrer Wohnung zu überwinden, für ihren an den Rollstuhl gefesselten Nachbarn hat sie daher großes Verständnis: „Ich habe der Hausverwaltung schon mitgeteilt, dass dem Herrn Quadt die Decke auf den Kopf fallen muss – nach all der Zeit.“
Gefahr in Verzug
Doch war der Stillstand des Aufzuges am Dienstag nicht der einzige Aufreger für die Bewohner der siebten Etage: Dennis Quadt stellte gemeinsam mit seiner Nachbarin Beate Ohm fest, dass die Tür zum Aufzugsschacht nicht verschlossen war.
Immerhin sieben Etagen, also etwa 20 Meter freier Fall offenbarten sich hinter der einfach zu öffnenden Metalltür. Ein Anruf bei der zuständigen Firma sorgte ebenda für Aufregung und löste sogar einen Feuerwehreinsatz aus. Vor dem Eintreffen der Blauröcke sorgten jedoch schon zwei Monteure für die Sicherung der Gefahrenstelle und schlossen die Tür ab. Ob die Tür bereits seit Beginn der Bauarbeiten für jeden zugänglich war, ist nicht klar – nicht auszumalen jedoch, was passiert wäre, wenn jemand „mal eben“ die Tür zum Aufzug geöffnet hätte und in die Tiefe gefallen wäre. Nun warten Beate Ohm und vor allem Denis Quadt auf Donnerstag, in der Hoffnung endlich wieder den Aufzug benutzen zu können.
In der eigenen Wohnung gefangen
Bei einer erneuten Aufschiebung des Termins würde Denis Quadt aufgrund der Osterfeiertage mindestens weitere fünf Tage in seiner Wohnung gefangen sein. „Ich habe mir zunächst Lebensmittel im Internet bestellt, aber das ist natürlich recht teuer“, sorgt sich Quadt um die nächsten Tage. „Heute kauft aber ein Freund für mich ein. Das Geld muss er vorstrecken.“ Denn Bargeld hat er keines mehr und auch keine Möglichkeit, einen Geldautomaten aufzusuchen.Bis der Aufzug wieder läuft, beschränken sich Denis Quadts soziale Interaktionen auf Facebook und Telefon. „Ich bin aber froh darüber, dass mir die Leute aus meiner Partei und die Nachbarn ihre Hilfe anbieten.“ – Die geliebte Selbstständigkeit bleibt aber dennoch auf der Strecke.