Schimmel liebt die kalten Wände

Hagen. (Zw/ME) Energetisch bauen und sanieren war das Thema unserer jüngsten Leseraktion. Gebäudeenergieberater Eric-Stephan Zeisler und Finanzierungsexperte Alexander Nothaft vom Verband der Privaten Bausparkassen beantworteten die Leserfragen. Da ging es auch um Schimmel.

Hier eine Zusammenfassung:

Muss man nicht mit Schimmelbildung rechnen, wenn man das Haus rundum dämmt?

Im Gegenteil. Häufig sind eine hohe Luftfeuchtigkeit und eben eine fehlende oder zu schwache Dämmung Ursachen für Schimmelbildung. Der in der Raumluft enthaltene Wasserdampf schlägt sich an den kalten Stellen der Außenwand als Tauwasser nieder. Daraus kann sich Schimmel bilden – besonders in den Ecken und an den durch Möbel verstellten Außenwänden. Eine Wärmedämmung der Außenwände sorgt für warme Wandflächen und verhindert dadurch Feuchtigkeitsansammlungen. Dabei sollte grundsätzlich eine Wärmedämmung auf der Außenfläche der Wand vorgezogen werden. Innendämmungen können bei unsachgemäßer Dimensionierung und Ausführung zu Feuchte-Schäden führen.

Wir wollen unser Einfamilienhaus energetisch sanieren. Womit fangen wir an?

Mit einer energetischen Vor-Ort-Beratung. Ein unabhängiger Energieberater dokumentiert die energetische Bilanz Ihres Hauses und schlägt Ihnen die Reihenfolge der Maßnahmen vor. Er hat außerdem Erfahrung mit den von der KfW geforderten Mindeststandards und mit der Beantragung von Zuschüssen. Eine Liste von Energieberatern finden Sie unter www.energie-effizienz-experten.de – nach Postleitzahlen geordnet. Für die Energieberatung selbst können Sie vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle – www.bafa.de – einen Zuschuss von 400 Euro bekommen. Diesen Zuschuss beantragt der Energieberater für Sie.

Mein Ölkessel ist 37 Jahre alt. Der Installateur empfahl, ihn gegen einen Brennwertkessel auszutauschen. Ist das sinnvoll?

Auf jeden Fall. Stellen Sie auf einen Öl-Brennwertkessel um, sparen Sie bis zu 10 Prozent. Steigen Sie auf Gas um, würden Sie gegenüber dem Öl noch mal 30 Prozent an Heizkosten sparen. Lassen Sie diese Möglichkeit technisch prüfen.

Da unsere Heizung fünfzehn Jahre alt ist, wollen wir eine neue einbauen lassen. Wir hatten vor drei Jahren einen Bausparvertrag abgeschlossen, der noch nicht in der Zuteilung ist. Wir scheuen uns aber davor, einen weiteren Kredit aufzunehmen. Was raten Sie?

Es kann sinnvoll sein, die Heizung mit dem Bausparguthaben zu bezahlen. Das würde zumindest Ihren Kreditbedarf senken. Fragen Sie auch nach einer Zwischenfinanzierung.

Ich habe vor kurzem eine neue Heizung ins Haus einbauen lassen. Bekomme ich Fördermittel?

Im Nachhinein leider nicht mehr; alle Förderungen müssen vor Beginn der Um- und Einbauten beantragt werden.

Ich habe Nachtspeicheröfen und möchte auf Infrarotheizung umstellen. Ist das empfehlenswert?

Nein. Zwar wäre das billiger, aber es besteht immer die Gefahr einer vermehrten Schimmelbildung, weil Infrarotheizungen den Raum nicht gleichmäßig, sondern eher punktuell erwärmen. Schimmel kann sich daher leicht an den kalten Außenwänden ansiedeln.

Gibt es denn auch vom Land Nordrhein-Westfalen Fördermittel, wenn man sein Haus energetisch saniert?

Ja, die gibt es, wenn die Modernisierung nachweislich zur Verbesserung der Energieeffizienz des Hauses beiträgt. Das Darlehen kann bis zu 40.000 Euro pro Wohnung betragen – zu 0,5 Prozent Zinsen pro Jahr für 15 oder 20 Jahre. Die Darlehenvergabe ist einkommensabhängig; eine Familie mit zwei Kindern beispielsweise kann ein zinsverbilligte Darlehen bei einem Jahresbruttoeinkommen bis zu 51.000 Euro bekommen.

Unser Bausparvertrag wird zuteilungsreif, aber die Summe reicht für die Sanierungsarbeiten, die wir vorhaben, nicht aus. Kann man Fördermittel der KfW dazunehmen?

Ja. Kombinationen aus KfW-Programmen, Bausparverträgen und Hausbankkrediten sind möglich. Sprechen Sie mit Ihrem Bausparberater und sichern Sie sich die Fördermittel. Er kümmert sich dann in der Regel um das Gesamtpaket.

Ist man verpflichtet, einen Sachverständigen hinzuziehen, wenn man KfW-Geld erhalten möchte?

Ja, wenn Sie die KfW-Förderung in Anspruch nehmen möchten, ist ein solcher Sachverständiger unabdingbar. Auch sonst ist die Beratung durch einen Sachverständigen nützlich.

Muss man immer komplett sanieren, damit es sich lohnt?

Nicht immer ist eine Komplettsanierung wirtschaftlich vertretbar. Auch einzelne Maßnahmen wie Heizungsaustausch, Dachdämmung oder neue Fenster können sinnvoll sein.

Worauf muss ich achten, wenn ich mir eine so genannte Einzelmaßnahme fördern lassen möchte?

Ihre Maßnahmen – zum Beispiel Dämmung, Austausch der Fenster oder Außentüren, Austausch der Heizung oder Lüftungsanlage – müssen die technischen Mindestanforderungen erfüllen, und Ihr Haus muss vor dem 01.01.1995 gebaut worden sein. Dann können Sie das Programm „Energieeffizient Sanieren“ nutzen. Dabei können Sie zwischen einem zinsgünstigen Kredit bis zu 50.000 Euro oder einem Zuschuss in Höhe von 7,5 Prozent Ihrer förderfähigen Kosten wählen.

Lohnt sich eine Solaranlage auf dem Dach?

Eine Photovoltaik-Anlage zur Stromerzeugung kann sich dann lohnen, wenn Sie den Strom selber nutzen. Zusätzlich können Sie Strom ins öffentliche Netz einspeisen. Allerdings wird die Vergütung dafür immer geringer. In Zukunft wird es möglich sein, den auf diese Weise erzeugten Strom auch kostengünstig zu speichern. Mit einer solarthermischen Anlage wird das Brauchwasser erwärmt; man sollte die Anlage parallel zur Heizungsunterstützung nutzen. Wichtig – sowohl für Photovoltaik als auch für Solarthermie: Das Dach sollte nach Süden, Südosten oder Südwesten ausgerichtet sein, und Bäume sollten auch künftig keine Schatten werfen.

Wir brauchen zur Sanierung unseres Hauses 20.000 Euro. Kann uns auch eine Bausparkasse helfen?

Ja, Sie können ein Vorausdarlehen von der Bausparkasse bekommen. Das Geld erhalten Sie sofort, und parallel schließen Sie einen Bausparvertrag ab. Bis zu einer Kreditsumme von 30.000 Euro können Sie unter Umständen sogar ein Blankodarlehen erhalten – das heißt, die Bausparkasse kann auf einen Grundbucheintrag verzichten. Das spart Kosten.

Ich besitze eine Eigentumswohnung und will meine Heizkosten senken, indem ich energetisch saniere. Was kann man ohne Eigentümerbeschluss machen?

Sie dürfen im Prinzip nur die Fenster austauschen. Für alles Weitere benötigen Sie immer die Zustimmung der anderen Eigentümer.