Schlaganfall und seine Symptome

Hagen/EN-Kreis. (anna) Dem 44-jährigen Paul D. fällt es beim Frühstück plötzlich schwer, Worte auszusprechen und seine rechte Körperhälfte fühlt sich kribbelig komisch an. Innerhalb weniger Minuten tritt eine komplette Lähmung des rechten Armes und Beines auf, das Gesicht ist schief, das Sprechen nicht mehr möglich.

Wichtig bei der Prävention gegen den Schlaganfall: regelmäßige Blutdruckkontrolle. (Foto: Stiftung deutsche Schlaganfallhilfe)
Wichtig bei der Prävention gegen den Schlaganfall: regelmäßige Blutdruckkontrolle.
(Foto: Stiftung deutsche Schlaganfallhilfe)

Die Ehefrau alarmiert den Rettungsdienst über 112 und der Notarzt bringt den Mann in ein Krankenhaus. Unmittelbar nach Ankunft wird nach Blutentnahme und EKG in der Computertomographie des Kopfes eine Hirnblutung ausgeschlossen.

Die Darstellung der Blutadern im Gehirn zeigt ein Blutgerinnsel in der mittleren Hirnarterie auf der linken Seite, so dass ein großes Gebiet der linken Hirnhälfte nicht mehr durchblutet wird. Es wird sofort eine blutverdünnende Infusion angelegt, eine sogenannte Thrombolyse.

Bei dem Patienten ist es sogar gelungen, das Blutgerinnsel mit einem Katheter aus der linken Hirnarterie zu entfernen.

Glück gehabt

Paul D. hat Glück gehabt. Er ist vom Notarzt in das richtige Krankenhaus gebracht worden, wo er sofort auf die Schlaganfall-Station (Stroke-Unit) kam, um dort innerhalb der ersten drei bis vier Stunden nach Auftritt der Symptome die Blutversorgung des betroffenen Gehirnareals wiederherzustellen.

Anzeichen erkennen

Damit im Falle eines Falles geholfen werden kann, ist es wichtig, die typischen Anzeichen eines frischen Schlaganfalls sofort zu erkennen. Typische Zeichen sind plötzlich auftretende Sprachstörungen, zum Beispiel undeutliches, verwaschenes Sprechen, die Unfähigkeit Sprache zu verstehen oder Störung der Sprachfähigkeit.

Weitere Anzeichen sind eine Schwäche des Armes oder Beines, oft gleichzeitig auf der gleichen Seite, plötzliche Sehstörungen (Doppelbilder, verschwommenes oder eingeschränktes Sehen, kurzes Erblinden auf einem Auge) oder ein taubes, pelziges oder kribbeliges Gefühl einer Körperseite. Auch plötzlich auftretende Gesichtslähmungen oder ein herabhängender Mundwinkel sowie Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen und plötzliche Stürze können einen Schlaganfall anzeigen.

Warnzeichen

In manchen Fällen kommt ein Schlaganfall nicht aus heiterem Himmel, sondern kündigt sich bereits im Vorfeld durch das kurzzeitige Auftreten der oben beschriebenen Warnzeichen an. Diese Symptome treten bei bis zu 40 Prozent aller Schlaganfall-Patienten im Vorfeld eines Schlaganfalls auf. Sie beginnen immer plötzlich und können einige Minuten oder Stunden andauern, um anschließend wieder abzuklingen. Ausfallerscheinungen, die nicht länger als 24 Stunden anhalten, werden als „transitorisch ischämische Attacke“ (TIA) bezeichnet.

Patienten mit solchen Warnzeichen sollten, auch wenn diese schon wieder abgeklungen sind, sofort in ein Krankenhaus gebracht werden. Schnelligkeit ist hier das oberste Gebot. Eine Verharmlosung sollte man in keinem Fall vornehmen.

Eine sofortige ärztliche Behandlung kann unter Umständen einen vollständigen Schlaganfall verhindern oder zumindest seine Folgen begrenzen. Befindet sich eine „Stroke Unit“ in der Nähe, sollte der Patient vorzugsweise dort ärztlich behandelt werden.

Experten am Telefon

Für unsere Leser startet der Wk eine Telefonaktion zum Thema Schlaganfall: Prof. Dr. Hubertus Köller, Chefarzt Neurologie im St.-Johannes Hospital, und Priv.-Doz. Dr. Rainer Markgraf, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin im Allgemeine Krankenhaus Hagen, werden die Anrufer zu ihren Fragen rund um das Thema Schlaganfall, seine Folge- und Begleiterkrankungen sowie Präventionsmaßnahmen beraten. Prof. Dr. Köller ist Facharzt für Neurologie und Spezialist für die akute Schlaganfallbehandlung sowie die Vorbeugung von Schlaganfällen.

Am Donnerstag, 12. Mai 2016, werden die beiden Mediziner zwischen 16 und 18 Uhr beim Wochenkurier unter der Wk-Telefonnummer 02331/ 92255-86 für unsere Leser erreichbar sein.

Risikofaktoren

Risikofaktoren, die einen möglichen Schlaganfall begünstigen, sind: Höheres Alter, männliches Geschlecht und familiäre Belastung. Bestehende Risikofaktoren, die jeder von uns beeinflussen kann, sind erhöhter Blutdruck, schlecht eingestellter Diabetes mellitus sowie das Rauchen. Weitere Risikofaktoren sind erhöhtes Cholesterin, Übergewicht und Bewegungsmangel. Schlaganfallursachen sind aber auch häufig verengte Halsschlagadern sowie verschiedene Herzerkrankungen, insbesondere Herzrhythmusstörungen.

Durch intensive Aufklärung der Bevölkerung hat die Zahl der Patienten, die rasch in die  Stroke Unit“ kommen, in den letzten Jahren zugenommen. Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Erkrankungen in den Industrieländern und stellt die dritthäufigste Todesursache dar.

Etwa 200 von 100.000 Menschen in Europa, zunehmend auch in höherem Alter, erleiden einen Schlaganfall. Aber auch junge Menschen und sogar Kinder können einen Schlaganfall erleiden.

Risiko mindern

Daher der Rat der Experten: „Versuchen Sie, die Risikofaktoren zu minimieren, sorgen Sie für ausreichend Bewegung und lassen Sie sich regelmäßig durchchecken. Und wenn Sie dann tatsächlich Schlaganfallsymptome erkennen, zögern Sie nicht und rufen 112 an. Jede Minute kann Ihr Leben retten.“