Schlaganfall, was kommt danach?

Hagen. (nh) „Ein Knall, ein Blitz, dann gar nichts mehr. Was ist passiert, was schmerzt so sehr? Verzweifelte Versuche, sich zu regen, warum kann ich mich nicht bewegen?“ So beschreibt Dieter Holtgräwe seinen Schlaganfall, den er im November 2008 erlebt hat. Die Beschreibung erfolgt in Reimform, denn die Zeilen stammen aus einem Gedicht. Dieter Holtgräwe hat es geschrieben und mit dem Titel „Fragmente eines Lebens (erdacht und erlebt)“ sogar in Buchform drucken lassen.

Dieter Holtgräwe mit seinem noch nicht verlegten Buch „Fragmente eines Lebens (erdacht und erlebt)“. (Foto: Nina Heindl)
Dieter Holtgräwe mit seinem noch nicht verlegten Buch „Fragmente eines Lebens (erdacht und erlebt)“. (Foto: Nina Heindl)

Schlaganfall

Holtgräwes Schlaganfall wurde von Gehirnblutungen verursacht, die ihn auch kurzzeitig ins Koma fallen ließen. „Auf den Bildern von meinem Gehirn konnte man das ganz gut sehen: Das sah aus wie ein Minenfeld!“ erklärt er. Aus diesem Grund, vermutet der gebürtige Hagener, wurde er vom Personal im Krankenhaus und in den Einrichtungen, in denen er anfangs untergebracht wurde, nicht mehr richtig ernst genommen. Vor allem ihnen wollte er zeigen, dass er noch eine Menge auf dem Kasten hat und er sich nicht vom Schlaganfall unterkriegen lässt: „Deshalb musste ich unbedingt ein Buch schreiben. Wenn sie mir schon nicht richtig zuhören wollen, dann muss das über einen Text passieren. Denn lesen können sie ja hoffentlich!“

Lebensgedicht

Die Idee zum Lebensgedicht regte die Logopädin Barbara Hablo an, Ausgangspunkt hierfür war eine Geburtstagskarte: „Für meinen Enkel habe ich ein kleines Gedicht zum Geburtstag geschrieben und Frau Hablo war sofort begeistert davon!“ Über mehrere Aufgaben, in denen der 62-Jährige aus vorgegebenen Worten ein Gedicht reimen sollte, entwickelte er ein Gespür für die Dichtkunst und wagte sich dann auch an die imposante Länge von 22 Seiten seiner Lebensgeschichte heran. In der direkten Umsetzung, ein geschriebenes Gedicht in Buchform zu bekommen, half ihm dann sein Adoptivsohn Marcus.

Zukunftsorientiert

Mit seinen Gedichten hat Dieter Holtgräwe zu Genüge unter Beweis gestellt, dass er geistig noch fit ist. Aber auch körperlich möchte der sympathische 62-Jährige noch einiges erreichen: Er arbeitet hart dafür, dass seine linke, gelähmte Körperhälfte wieder einsatzfähig wird. Dabei unterstützt ihn Physiotherapeutin und Heilpraktikerin Astrid Bläsing in regelmäßigen Übungsstunden. Daran ist abzulesen, dass der Gedichtautor nicht nur auf sein Leben zurück blickt, sondern noch einiges vor hat. Auch in dem noch nicht verlegten Gedichtband spiegelt sich dies wieder, da er mit einem Blick in die Zukunft endet: Nachdem er davon schreibt, wie er durch den Spaß mit seinen beiden Enkelkindern wieder selbst zum Kind wird, gibt er auch einen Ausblick auf Künftiges: Er will weiterhin reimen.

Neue Projekte

Und das tut er auch: Momentan befindet er sich in Kurzzeitpflege im Wohn- und Pflegezentrum St. Hedwig und reimt fleißig weiter. Über die Schulter gelinst war auch der Titel schon erkennbar: „Waldi. Eine seltsame Liebesgeschichte“ – doch mehr wollte der Gedichteschreiber noch nicht verraten. Hier im Pflegezentrum scheint ihn des Öfteren die Muse zu küssen, da er hier auch sein Lebensgedicht begonnen und beendet hat.

Aufruf

Eine weitere Geschichte in Gedichtform hat Dieter Holtgräwe vor kurzem fertiggestellt, eine Reise verschiedenster Tiere, an der auch Phantasiewesen wie ein „Kikeriwau“ oder ein „Huhnd“ teilnehmen. Zu dieser Geschichte sollen auch Illustrationen entstehen. Hierfür sucht er noch nach interessierten Zeichnern, die ihn in diesem Projekt unterstützen wollen und sich die phantastischen Wesen nicht nur vorstellen, sondern die sie auch zeichnen können. Wer sich angesprochen fühlt, kann sich unter redaktion@wochenkurier.de melden oder Dieter Holtgräwe direkt über Facebook kontaktieren.