Schlechte Zeiten für Müllsünder in Hagen

Sind glücklich, dass nun ein Müll-Detektiv überall im Stadtgebiet unterwegs ist, um Müllsündern das Handwerk zu legen: (v.l.) Detlef Liedtke, HEB-Bereichsleiter Technische Dienste; Jacqueline Jagusch, HEB-Pressesprecherin; Jürgen Glaeser, Bezirksbürgermeister; Christa Stiller-Ludwig, Umweltamt, sowie ein Müllwerker vom HEB. (Foto: Anna Linne)

Altenhagen. (anna) Tagtäglich beschweren sich Anwohner beim Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB), weil sie den Dreck vor ihrer Nase nicht mehr ertragen können. Besonders häufig ereilen den Entsorger Meldungen über den Zustand des Altenhagener Marktes, auf dem sich ein großer Container-Standort befindet. Hier sei es mit der Vermüllung besonders grauselig, so Detlef Liedtke, Bereichsleiter Technische Dienste beim HEB: „Wir müssen dringend etwas tun.“ Jetzt kommt ein Detektiv.

Vermüllung bezeichnet das achtlose Wegwerfen von Abfall vorzugsweise auf öffentlichem Grund, also insbesondere auf Straßen, Plätzen und in Parks. Es handelt sich dabei um ein strafrechtlich verfolgbares Delikt und kann in Deutschland mit einer Geldbuße und sogar auch Haft geahndet werden.

Müllsünder finden

Zum dritten Male hat der HEB nun einen Müll-Detektiv eingestellt, dessen einzige Aufgabe darin besteht, Müllsünder aufzuspüren, Fotodokumentationen zu erstellen und seine Beweisstücke an den HEB beziehungsweise ans Umweltamt weiterzuleiten. „Wir werden dann ein entsprechendes Bußgeldverfahren einleiten“, erklärt Christa Stiller-Ludwig vom Umweltamt, „natürlich abhängig von der Schwere des Vergehens. Seinen Müll einfach unter sich zu lassen, ist keine Kavaliersdelikt. Die Kosten der Entsorgung schnellen inzwischen ins Unermessliche.“

„800 Kilogramm Müll, manchmal eine ganze Tonne umgibt in der Woche die Container auf dem Altenhagener Marktplatz und muss auf Kosten des Gebührenzahlers entsorgt werden“, erklärt Liedtke, „an etlichen anderen Standorten sieht es nicht anders aus. Manchmal kommen nachts große Transporter und laden auch noch ihren Gewerbemüll bei den Containern ab.“

Vorsicht, Detektiv!

Sein Auto kennt man nicht und über sein Aussehen und seinen Namen wird nichts verraten. Schließlich arbeitet der Detektiv „undercover“. HEB-Pressesprecherin Jacqueline Jagusch erklärt, dass er in den nächsten Monaten zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Containerstandorten nach „Beute“ Ausschau halten soll. Er soll Müllsünder fotografieren und ihr Kfz-Kennzeichen notieren, so dass die Behörden weitere Maßnahmen einleiten können.

Bei seinen letzten Einsätzen hat der Detektiv über 50 Prozent seines Lohns, den der HEB bezahlt, über Bußgelder wieder eingefahren. „Zugleich“, so Liedtke, „waren die Container-Standorte viel sauberer als zuvor, so dass wir auch weniger reinigen mussten, was ja auch wieder Kosten spart.“ Der Einsatz lohnt sich also in jedweder Weise.

Zunehmende Vermüllung

Weggeworfen werden in der Regel kleinere Gegenstände: Zigarettenstummel, Einwegverpackungen, Kunststoffe, organische Abfälle, Papier und Karton, Glas, Verpackungen und auch Metall. Deren Menge macht die öffentlichen Räume unansehnlich und unattraktiv. Man fühlt sich nicht wohl und schmeißt den eigenen Mist noch dazu.

Vermüllung kommt ebenso in der Stadt wie in der Landschaft vor. Während auf dem Land die Pflanzen den Müll mit der Zeit überwuchern und bedecken oder er als Müllstrudel im Meer treibt und unter die Oberfläche absinkt, bleibt er in den Städten sichtbar. Von der Abnahme der Sauberkeit betroffen sind Straßen, Plätze und Parks sowie öffentliche Anlässe. Als Hauptursache für die chronische Vermüllung werden veränderte Konsumgewohnheiten („fliegende Verpflegung“, Wegwerfgesellschaft) und ein generell nachlässigerer Umgang mit öffentlichem Eigentum gesehen. Die Folgen dieses Verhaltens äußern sich in kommunalen Reinigungskosten, in der Umweltbelastung und auch in Verslumung. Abfall zieht Abfall an und so entstehen aus kleinen Abfallhaufen oft in kurzer Zeit wilde Müllkippen.

Offenbar helfen nur Strafen, um das Bewusstsein der Menschen zu ändern. Dass ein Entsorgungsbetrieb einen Detektiv engagieren muss, lässt ja schon tief blicken…