Schmalspurig

Früher hatte jedes Kaff seine Bahnstrecke. Heute sind sogar größere Städte vom Schienenverkehr abgeklemmt, beispielsweise Herten (über 60.000 Einwohner). Anders Hohenlimburg. Hier gibt es immerhin noch einen Zug-Stopp. Die zugehörigen Bahnsteige werden derzeit neu angelegt und wurden – obwohl noch nicht fertig – von der örtlichen Politprominenz vorsichts- und vorfreudehalber bereits eingeweiht.

Kaum waren die örtlichen Hobbypolitiker weg, tauchten zwei SPD-Landtagsabgeordnete auf: Michael Scheffler und Wolfgang Jörg wollten auch mal gucken. Sie waren auf Einladung eines Bürgervereins gekommen, der einen barrierefreien Zugang für beide Fahrtrichtungen fordert. Die Idee: Mittels zweier Weichen soll der Personenverkehr mitten in Hohenlimburg nur noch über ein einziges Gleis und somit zu einem einzigen Bahnsteig geleitet werden.

Nun liegt der Bahnhof Hohenlimburg an der Ruhr-Sieg-Strecke. Das ist die Hauptstrecke von Hagen nach Siegen und weiter gen Köln und Gießen/Frankfurt. Auf ihr werden nicht nur Fahrgäste befördert, sondern hauptsächlich Frachtgut. Dafür ist das eine ganz wichtige Verbindung. Aber die Güterzüge kommen nicht gut voran. Unter anderem wegen einiger Bahnübergänge, zu kleiner Tunnel oder auch aufgrund starker Steigungsstrecken. Verspätungen sind an der Tagesordnung. Die Bahn ist folglich erpicht darauf, keine weiteren Engpässe zu schaffen. Ein Haltepunkt, an dem Züge regelmäßig gleich zweimal das Gleis wechseln müssten, wäre ein solcher Problempunkt. Von den zusätzlichen Unfallgefahren ganz zu schweigen.

Das hat die DB vor einigen Monaten schon jenen Hohenlimburger Bezirksvertretern mitgeteilt, die auch für eine Weichenlösung sind. Und was machen unsere beiden Landtagsabgeordneten? Statt sich schlau zu machen, springen sie auf den Zug des Bürgervereins auf, nennen den schmalspurigen Weichen-Vorschlag eine „geniale Idee“ und versprechen, für die Realisierung zu werben.

Das ist ungefähr genauso erfolgversprechend wie Freibier für alle Zuggäste. Tilo verwettet eine Großpackung Weich-Spüler, dass diese Weichen niemals kommen werden …