Schneller Schlauschmaus

„Schaut her, was es Leckeres gibt“ - die kleine Köchin weiß, wie ein Brot zu einem äußerst schmackhaften Mahl werden kann. (Foto: Sozialdienst katholischer Frauen)
„Schaut her, was es Leckeres gibt“ – die kleine Köchin weiß, wie ein Brot zu einem äußerst schmackhaften Mahl werden kann. (Foto: Sozialdienst katholischer Frauen)

Hagen. (san) Vom Frühstück und Mittagessen über Snacks für zwischendurch bis zum Abendessen – unlängst haben Emster Grundschüler und ihre Eltern das vierwöchige Projekt „Schlauschmaus“ beendet. Wohlgemerkt nur das Projekt – denn die erlernten Küchenkünste werden ab jetzt täglich zu Hause angewandt.

Das Angebot des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF), das bereits seit zwei Jahren besteht, richtete sich eigentlich an Kindertageseinrichtungen. Aber nun ist die Grundschule Emst nach der Astrid-Lindgren-Schule bereits die zweite Einrichtung, die ein reges Interesse an der Aktion zum gesunden Essen bekundet.

Viel falsche Ernährung

Ernährungsprogramme für Kinder und Jugendliche gibt es etliche, denn die Missstände bei dem so wichtigen Thema, wie Fettleibigkeit als auch Untergewicht sowie schlechte Zähne und Konzentrationsprobleme, sind auch nach Jahren der Aufklärung noch nicht wirklich weniger geworden. „Schlauschmaus“ bietet sich den Eltern an, um sie praktisch an den Herd zu stellen.

„Wer einmal selbst ausprobiert hat, wie schnell und einfach ein gesundes Gericht gekocht ist, der wagt sich immer wieder daran,“ weiß Ernährungsberaterin Heike Grünhagen, die das Angebot leitet. Und die Teilnehmer geben ihr Recht: „1000mal würde ich den Kurs wieder machen,“ ist Schülerin Mira aus dem Häuschen, „zu Hause haben wir das Essen gleich noch einmal gekocht.“ Die begeisterten Kinder sind der beste Ansporn für die Eltern, zu Hause bei der Stange zu bleiben.

Viele Gründe

Dabei geht es mitnichten nur darum, diejenigen Eltern anzusprechen, die immer noch dem Vorurteil aufgesessen sind, Fertigprodukte seien günstiger, oder diejenigen, die aus dem eigenen Elternhaus nur mangelnde Kochkünste mitbekommen haben. Da gibt es auch die Alleinerziehende oder die Vollzeitarbeitenden unter den Eltern, denen die Zeit für aufwändiges Essenbereiten fehlt. Da hapert es einfach an Ideen und Küchenorganisation, um Schmackhaftes und Gesundes in kürzester Zeit auf den Tisch zu bringen.

Die Einrichtungen kommen bei diesem Projekt auf den SkF zu, denn das Vorhandensein geeigneter Räumlichkeiten ist Grundvoraussetzung. An der Emster Grundschule holte die Betreuungsleiterin des dortigen Offenen Ganztages, Deli Müntefering, das Projekt an die Schule. Auch sie entschied, welche Eltern sie zur Teilnahme ansprach. Durch die betreuten Kinder kannte sie das Essverhalten und auch oft die häusliche Situation sehr gut. Mehrheitlich stand „ihren“ Eltern das unzureichende Zeitmanagement im Weg. Nun ist der Kurs ein Selbstläufer – die nächsten Eltern wollen mit ihren Kindern kommen.

Ihre Urkunde für erfolgreiches gesundes Essenzubereiten haben nun die Schüler, Mütter und Väter erhalten, die in der OGS der Grundschule Emst an dem SkF-Projekt „Schlauschmaus“ teilgenommen haben. Sie wissen nun, wie man sich ganz einfach in kurzer Zeit ein gesundes Essen zubereitet. (Foto: Sozialdienst katholischer Frauen)
Ihre Urkunde für erfolgreiches gesundes Essenzubereiten haben nun die Schüler, Mütter und Väter erhalten, die in der OGS der Grundschule Emst an dem SkF-Projekt „Schlauschmaus“ teilgenommen haben. Sie wissen nun, wie man sich ganz einfach in kurzer Zeit ein gesundes Essen zubereitet. (Foto: Sozialdienst katholischer Frauen)

Viele Nebeneffekte

„Tolle Nebeneffekte wirft die Aktion zudem ab,“ ist sich SkF-Sozialpädagogin Yvonne Knura mit ihren Mitstreitern einig. „Das ist zum einen das Thema ’Disziplin’. Denn alle Teilnehmer müssen mit den nächsten Handlungen oder dem Essen warten, bis alle Gruppen mit ihrer Arbeit fertig sind. Nicht jeder kann leicht stillhalten.“ Der Gruppendruck bewirkt, dass die eigenen Bedürfnisse auch mal zurückgestellt werden. „Und dann lernen vor allem die Kinder das Essen wert zu schätzen. Beim Kantinenessen wird oftmals leichtfertig etwas weggeworfen. Beim Selbstzubereitetem ist es den Teilnehmern ganz selbstverständlich, die Arbeit nicht ’für die Tonne’ gemacht zu haben,“ fällt Heike Grünhagen immer wieder auf.

Viele Rezepte

Sind die vier Wochen mit den jeweiligen Nachmittagseinheiten um, bei der übrigens Zahnärztin Sophie Mentz auch die Zahngesundheit vermittelt, versuchen die Einrichtungen das Thema weiter wach zu halten. In der OGS der Grundschule Emst wird nun in den Herbstferien nach wie vor gekocht. Damit die Familien die vielen durchgeführten Schmausfertigkeiten nicht vergessen, gibt es einen dicken Rezepte- und Tipps-Ordner mit nach Hause.

Und das alles ist kostenlos. „Schlauschmaus“ gibt’s sowohl für die kleinen und großen Köche als auch für die Kita oder Schule gratis. Bis zu vier solcher Aktionen im Jahr kann der SkF durch Spendengelder kostenlos anbieten. „Wenn die nötige Küchenausstattung vorhanden ist, können wir auf Wunsch kommen,“ fordert Yvonne Knura die interessierten Hagener Einrichtungen auf, sich zu melden. Denn das Zusammenspiel vom Willen der Eltern, ihren Sprösslingen eine gesunde Ernährung zu bieten, und dem Spaß der Kinder, selbst mit Hand anzulegen, wird zu einem nachhaltigen Erfolg führen – da sind sich alle einig.

Bei weiterem Interesse an der Aktion „Schlauschmaus“ bietet Yvonne Knura vom Sozialdienst katholischer Frauen Infos unter der Rufnummer 02331 / 367-430 an.