Schocke verlässt „Heiligen Berg“ wieder

Pfarrer Ansgar Schocke führte den Pastoralverbund aus St. Bonifatius, St. Konrad und St. Michael in Haspe seit September 2010 an. Ab dem 1. Juli wird er zurück nach Dortmund gehen - in eine viel weniger heile Welt als im beschaulichen Haspe. (Foto: Schievelbusch)

Haspe. (san) Verstehen können sie seinen Entschluss fast alle, doch froh sind die Hasper Katholiken darüber keineswegs. Nach nur etwas mehr als einem Jahr seiner seelsorgerischen Tätigkeit verlässt Pastor Ansgar Schocke im Juni St. Bonifatius Haspe und somit auch den Vorsitz des Pastoralverbundes dieser Gemeinde mit St. Konrad in Westerbauer und St. Michael in Wehringhausen. Dem Ruf der Diözese, die Leitung des pastoralen Raumes im Dortmunder Norden unbefristet zu übernehmen, hat Schocke nach reiflicher Überlegung nachgegeben. Sechs Gemeinden wird er dort ab dem 1. Juli vereint vorstehen, solchen, die er bereits ganz gut kennt aus seiner Zeit vor der in Haspe. Der Dortmunder Norden ist sozialer Brennpunkt – Wohnungslosigkeit, Prostitution, Armut und weniger Katholiken als an der Ennepe. Weil er so authentisch sei, und es gut mit den Menschen im Abseits könne, will man sich dort seine Qualitäten zu Nutze machen. „Die Leute glauben mir, wenn ich sie ernst nehme,“ erfährt der Gottesmann immer wieder.

Vielleicht endlich ankommen?

Persönlich hofft Ansgar Schocke, der sich mit seinen 19 Umzügen mitunter als ’Nomade Gottes’ sieht, dass er nun endlich einmal für immer ankommen wird. „Gott hat mich stets geführt. Auch bei der kommenden Station hat er sich wohl was gedacht,“ vertraut er auf die Richtigkeit dieser Entscheidung. „Mein Beruf ist meine Berufung.“

Nicht nur der Pfarrer selbst, auch seine Gemeindemitglieder sind sich einig, dass er in der nicht allzu langen Zeit in Haspe ein bisschen mehr Seele in das Miteinander gebracht hat. Nicht so distanziert und verkopft empfanden und empfinden die „Schäfchen“ den Pastor, besonders bei den Kindern hat er einen Stein im Brett. „Unsere Kirche ist menschlicher geworden,“ sagt beispielsweise eine alte Dame.

Das 150-jährige Kirchenjubiläum nahm zunächst einen großen Teil von Schockes Zeit in Anspruch. Jeden Monat ein besonderes Angebot – auch das konnte der Pfarrer stets mitpräsentieren. An der Umsetzung der auch in Haspe vorhandenen Einsicht, dass Kirche sich ändern müsse, um alle zu erreichen, haperte es allerdings. „Alle drei Hasper Gemeinden sprechen von einer Modernisierung der Kirche, aber ’nicht bei uns!’ hieß es oftmals im Konkreten,“ bedauert der scheidende Seelsorger die unterschiedliche Sichtweise davon, wie die Dinge weitergehen sollen.

Hasper Eigenarten

Großes Befremden löste bei Ansgar Schocke die Diskussion um das Hasper Torhaus aus, für welches der Bunker am Kreisel bereits gewichen ist. „Das war schon sehr speziell, so strategisch vorzugehen, dass es nur noch um Bloßstellung der anderen Seite ging. Die Auseinandersetzung fand in einer Härte statt, die ich so nicht kenne.“ Der Mann weiß, dass es anderswo auch effektiver gehen kann. „In meinem alten und zukünftigen Gemeindegebiet im Dortmunder Norden setzen sich alle Beteiligten für die Umsetzung einer Sache an einen Tisch und überlegen gemeinsam, was für den Stadtteil das Beste ist. Hier an der Ennepe ging es ja in erster Linie um eine Art Vergangenheitsbewältigung, wobei an der Sache Interessierte zum Spielball politischer Ränke gemacht wurden.“ Der Noch-Pfarrer auf dem Heiligen Berg wünscht den Haspern für die Zukunft, dass der Einsatz für die Bürger hundertprozentig wird und nicht im vordergründigen Reden stehen bleibt.

Was die Traditionen angehe, habe er in Haspe ein wenig Stillstand erlebt. „Auch Altbewährtes muss von Zeit zu Zeit mit neuem Leben gefüllt werden,“ so sein gesunder Blick eines Nicht-Haspers auf diejenigen, die zu wenig über den ’Tellerrand’ von Haspe hinausschauen.

Gute Zusammenarbeit

Die ökumenische Zusammenarbeit ist Ansgar Schocke ein dickes Lob wert. Mit den evangelischen Kollegen aus der Frankstraße gab es immer wieder gut angenommene Aktionen und ein freundschaftliches Miteinander, frei von ’Klüngelbeziehungen’, zum Wohle aller eben. „Und wunderbare Schulen haben wir hier,“ hat der Pastor erlebt. Besonders die Grundschulen Hestert und Spielbrink sowie die Realschule Haspe fielen in seine kirchliche Betreuung.

Unbequem mag Ansgar Schocke vielen Bürgern erscheinen, unbequem ist er in der Tat, denn er bleibt seinen Überzeugungen treu – alles andere als eine negative Eigenschaft! Der Pfarrer kam aus einer Gemeinde mit sozialen Extremen in eine eher gut bürgerliche Welt in Haspe, so seine Wahrnehmung. So Manchem mag er die Augen über Stillstand und Eintönigkeit geöffnet haben. Die meisten Menschen, die mit ihm zu tun hatten und haben, werden seine offenherzige Art und sein Gespür für Modernität vermissen. Seine Nachfolge ist bisher noch nicht geregelt. Die Gemeinde ist jedoch zuversichtlich, die Pfarrstelle zum 1. September neu besetzen zu können.