Schockierende Details über Folter und Gewalt

Hagen. (Red.) Sichtlich beeindruckt und nachdenklich lauschten Vertreterinnen des Bezirksverbandes der Evangelischen Frauenhilfe und ihre „Schwestern“ von der Katholischen Bezirks-Frauengemeinschaft (Kfd) der Leiterin der Zuwanderungsberatung in Hagen, Heike Spielmann. Und die freute sich über den Besuch von Gisela Koch, Silvia Finkenbusch (Kfd), Inge Schnittker und Bärbel Held (Frauenhilfe) nicht nur wegen des Schecks über 705 Euro, den die Frauen überbrachten. „Sie machen in Ihren Gemeinden wichtige Lobbyarbeit für die Flüchtlinge, ohne Sie wäre ’Willkommenskultur’ nur ein Wort“, meint Spielmann.

Finanziell stark unterversorgt

Es ist gute ökumenische Tradition, dass die Hagener Frauen auf ihren Adventsfeiern für diejenigen sammeln, denen es nicht so gut geht. „Als wir im vergangenen Jahr von der Situation der Flüchtlinge in Hagen hörten, wollten wir sofort helfen“, erinnert sich Inge Schnittker. Diakonie-Mitarbeiterin Heike Spielmann ist froh, dass sie diese Summe nun für einen Bereich einsetzen kann, der finanziell chronisch unterversorgt ist: „Wir werden mit dem Geld mehrere Dolmetscher und Sprachmittler finanzieren, die unsere beiden Therapeutinnen bei ihrer Arbeit unterstützen.“

In einem intensiven Gespräch erzählte Spielmann den Gästen von den traumatisierenden Erlebnissen, die viele Frauen auf ihrer Flucht aus der Heimat oft erleiden mussten. Gewalt, sexuelle Übergriffe und permanente Angst, manchmal über Monate und Jahre erlitten, setzen den Frauen zu und erschweren das Leben als Asylbewerber in Deutschland noch zusätzlich. „Therapieplätze gibt es in ganz Deutschland viel zu wenige“, weiß Heike Spielmann und ist froh, dass ihr Arbeitgeber, die Diakonie Mark-Ruhr, immerhin zwei Therapeutinnen aus Eigenmitteln und Spenden beschäftigt. Deren Arbeit wird aber dadurch erschwert, dass die Deutschkenntnisse der Migrantinnen gerade in den ersten Monaten minimal sind. Dolmetscher machen viele Therapiegespräche erst möglich. „Darum stecken wir jede momentan freie Spende, die wir bekommen, in diese wichtige Aufgabe.“

Gemeinsame Gottesdienste

Dass Flüchtlinge, deren Aufenthaltsstatus noch nicht geklärt ist, keinen Anspruch auf Sprachkurse haben, erfahren die vier Frauen von Heike Spielmann – ein Wissen, das sie gewiss in ihre Gemeinden mitnehmen werden. „In Halden macht die katholische Gemeinde ehrenamtlich Sprachkurse für Menschen, die in den Unterkünften am Loxbaum wohnen“, berichtet Silvia Finkenbusch den anderen Frauen von einem beispielhaften Projekt, das Menschen unterschiedlicher Kulturen auch ganz zwanglos bei Kaffee und Kuchen sowie im gemeinsamen Gottesdienst miteinander ins Gespräch bringt.

„Die Arbeit des Dolmetschers bei einem Therapiegespräch ist extrem anspruchsvoll“, erklärt Heike Spielmann, warum Sprachkenntnisse allein nicht ausreichen, um in diesem Bereich eingesetzt zu werden. „Man muss sich sehr zurücknehmen können, seine eigenen Gefühle zurückstellen und oft wirklich viel aushalten“, schildert sie die Therapie-Situation. Dass alles, was zwischen Therapeutin und Patientin besprochen wird, vertraulich behandelt werden muss, erklärt sich von selber. „Darum müssen auch die Dolmetscher begleitet werden, die oft schockierende Details über Folter und Gewalt anhören müssen“, erklärt Heike Spielmann.

Über Spenden für die Ausbildung und Begleitung der Therapie-Dolmetscher freut sich die Zuwanderungsberatung des Diakonischen Werkes immer. Weitere Informationen über die Arbeit gibt es im Internet unter: www.diakonie-mark-ruhr.de/soziale-dienste/migration-und-flucht/zuwanderungsberatung-hagen/ueber-uns/