Schüler tanzen „Zäune“ nieder

Die Schüler sind mitten in den Proben. Hochkonzentriert üben sie auch an den Wochenenden die Choreographie. Diana Ivancic (vorne Mitte) achtet darauf, dass jede Bewegung stimmt. (Foto: Ricarda Becker)

Hagen. (ric) Das Theaterprojekt „Zäune“, an dem nicht nur Schüler der Hauptschule Altenhagen, sondern auch Jugendliche aus Berlin und Mod’in in Israel beteiligt sind, schreitet weiter voran. Die Proben sind mittlerweile im vollen Gang und fordern die Jugendlichen ebenso wie die Mitarbeiter des Theaters. Selbst am Wochenende übt Choreographin Diana Ivancic hochkonzentriert mit den Altenhagenern, damit am Tag der Premiere auch wirklich alles stimmt.

Im Tanz kommt es zu Streit und Krieg

Am vergangenen Samstag waren die Hauptschüler im Ballettsaal des Lutz-Theaters, um vor riesigen Spiegeln mit der Choreographin zu proben. „Wir lernen grade die einzelnen Tanzschritte“, sagt Nesren Bingöl, die die Hagener Hauptschule besucht. Aktuell wird die Eingangschoreographie einstudiert. Die drei Schülergruppen werden ihre jeweiligen Kulturen im Tanz präsentieren. Zuerst passiert dies gemeinschaftlich – schließlich sind die grundlegenden Elemente in den heiligen Schriften gleich. Die Trennung erfolgt sowohl in den Religionen als auch in der Choreographie erst danach – aus der Gemeinsamkeit heraus kommt es zum Streit, aus dem Streit folgt der Krieg. Es gilt also, verschiedenste Elemente wie Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Kulturen, Unsicherheiten und Vorurteile tänzerisch darzustellen. Die Thematisierung findet jedoch nicht nur später auf der Bühne, sondern auch während der Proben statt. In der Altenhagener Gruppe sind mit Bosnien, der Türkei, Serbien, Algerien, Afrika, Marokko, Kurdistan und dem Kosovo acht verschiedene Nationen vertreten. „Es werden viele Vorurteile gegen andere Kulturen erkennbar, obwohl die Schüler diese oftmals gar nicht benennen können“, erläutert Werner Hahn, der das Stück entwarf und sich keine einzelne der Proben entgehen lässt. „Vorbehalte gegen andere Kulturen sind da und sind somit auch ein Teil des Lebens. Sie sind aber oftmals gar nicht präsent. Die Arbeit an diesem Stück macht sie uns bewusst.“ So kann jeder der Teilnehmer ganz gezielt daran arbeiten, seine eigenen Vorurteile zu überdenken und abzubauen. Bedenken gibt es aber nicht nur in Bezug auf ferne, fremde Länder, auch innerhalb Deutschlands und innerhalb einer Stadt spielen Befangenheiten eine Rolle: „Die jungen Hauptschüler werden von der Gesellschaft als die Schicht bezeichnet, die auf Grund ihres sozialen Milieus wenig Chancen im Leben haben wird“, stellt Werner Hahn dar. „Wir können während der gemeinsamen Arbeit hier aber viel Ehrgeiz und den Willen, etwas selbst zu schaffen, feststellen.“

Hagener Gruppe besteht aus 8 Nationen

Wie alle anderen Schüler hat sich Nesren freiwillig für das Projekt gemeldet. Selbst auf einer Bühne stand sie, wie ihre Mitschüler, noch nie. Die Aufregung ist deshalb groß. „Sie sind aber nicht nur wegen der Auftritte nervös“, sagt Werner Hahn. Eine große Rolle spielen auch die anderen, unbekannten Schüler. Mit den israelischen Jugendlichen können die Schüler nur auf englisch reden. Doch zumindest steht nun fest, dass die Schüler aus der Hagener Partnerstadt Mod’in einreisen dürfen. Noch vor wenigen Wochen war dies unklar, da sich die Behörden in Israel quer stellten. Es waren viele Gespräche mit den Botschaften nötig, um die Teilnahme am Theaterprojekt, das im Rahmen der Ruhr 2010 stattfindet, zu ermöglichen. In der kommenden Woche wird Werner Hahn mit seinem Team dann nach Mod’in fliegen, um mit den dortigen Schülern zu proben. „Die sind übrigens genauso aufgeregt wie die Jugendlichen hier“, sagt Hahn.

Am 17. Oktober werden sich die Schüler erstmals kennen lernen, einen Tag später findet dann die erste gemeinsame Probe statt. Zur Premiere am 24. Oktober werden schließlich alle gemeinsam in der Halle der Firma „Bandstahl Schulte“ auf der Bühne stehen. Bis zum 29. Oktober wird es täglich um 12 Uhr eine Aufführung für Schulen geben. Am 24., 27. und 28. Oktober stehen die Schüler zusätzlich um 19.30 Uhr auf der Bühne.