Schützen, testen: Sexuell übertragbare Infektionen

Schützen, testen: Sexuell übertragbare Infektionen
Vieles Leserinnen und Leser stellten ihre Fragen bei der Telefonaktion zum Thema sexuell übertragbaren Infektionen. (Foto: Elizabeth Tsung/unsplash.com)

Hagen. In welchen Situationen ist es möglich, sich mit HIV anzustecken? Wie schützt man sich? Welche Tests gibt es? Welche Heilungschancen bestehen? Diese Fragen standen jetzt im Mittelpunkt einer Wochenkurier-Telefonaktion. Hier sind die Antworten der Beraterinnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:

Mein Freund meint, wir könnten jetzt zum Schutz vor HIV Medikamente – also die PrEP – nehmen. Kondome seien von gestern, sagt er. Wie sehen Sie das?

Kondome bieten einen guten Schutz vor HIV und senken zusätzlich das Risiko, sich mit anderen Infektionen anzustecken. Sie sind sicher, preisgünstig und leicht in der Anwendung. Mittlerweile gibt es aber auch weitere Möglichkeiten, um HIV-Infektionen zu verhindern – etwa die sogenannte Prä-Expositions-Prophylaxe, kurz PrEP. Für eine PrEP nehmen HIV-negative Menschen mit einem besonders hohen Ansteckungsrisiko ein HIV-Medikament ein.
Die PrEP schützt bei korrekter Einnahme in hohem Maße vor einer HIV-Infektion. Allerdings kann sie mit zum Teil ernsten Nebenwirkungen einhergehen.

Kann man die Medikamente für die PrEP auch ohne vorherigen Arztbesuch kaufen?

Sie sind verschreibungspflichtig. Hinzu kommt: Sie können ernste Nebenwirkungen auslösen. Außerdem kann die PrEP nur bei korrekter Einnahme schützen. Falsch eingenommen steigt sogar das Risiko, dass sich Resistenzen bilden und es zu einer Ansteckung kommt. Deshalb sind eine umfassende Beratung durch einen Arzt und regelmäßige Tests auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) sehr wichtig.

Ich fahre täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Da wird man oft angeniest oder angehustet, vielleicht auch von Menschen, die HIV haben könnten. Kann es dabei zu einer Übertragung der Viren kommen?

Nein, das ist kein Ansteckungsweg. HIV ist im Vergleich zu anderen Krankheitserregern ein sehr schwer übertragbares Virus. Eine Infektion ist nur möglich, wenn eine ausreichende Menge von HI-Viren über Schleimhäute oder offene Wunden in den Körper von anderen Menschen gelangt. So besteht zum Beispiel beim Anhusten oder Niesen kein Risiko, auch nicht bei Zungenküssen oder beim Schmusen. Leider werden Menschen, die HIV-positiv sind, trotzdem oft ausgegrenzt.

Ich will jetzt einen Test auf verschiedene Geschlechtskrankheiten machen lassen. Wer übernimmt die Kosten?

Die Krankenversicherungen übernehmen die Kosten für einen Test, wenn es Anzeichen für eine sexuell übertragbare Infektionen (STI) bei dem Betroffenen selbst gibt oder wenn bei seinem Partner bereits eine STI festgestellt wurde. Die Kosten für ein jährliches Screening auf Chlamydien übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen für Frauen bis zum 25. Lebensjahr.

Ich hatte bis vor einer Woche ein Brennen beim Wasser lassen. Das ging von allein wieder weg. Ist alles wieder in Ordnung?

Um ganz sicher zu sein, sollten Sie sich untersuchen lassen, auch wenn die Beschwerden verschwunden sind. Denn die Krankheitserreger können sich immer noch im Körper befinden. Mit STI ist nicht zu spaßen. Sie erhöhen das Risiko für eine Ansteckung mit HIV bei ungeschütztem Sex. Außerdem können sie – wenn sie nicht behandelt werden – zu Krebserkrankungen, schweren Schäden an Herz, Gehirn, Nerven, Leber, Augen und Knochen führen.

Nach einem ungeschützten One-Night-Stand am Wochenende will ich einen Test machen lassen. Wie schnell bekommt man das Ergebnis?

Erst sechs Wochen nach einer HIV-Ansteckungsmöglichkeit können die im Labor durchgeführten kombinierten Tests der vierten Generation eine Infektion sicher ausschließen.
Wie lange muss man bei den Selbsttests warten, um eine Infektion auszuschließen?
Hier beträgt die Wartezeit 12 Wochen. Denn die im Internet, Apotheken und Drogerien angebotenen HIV-Selbsttests reagieren auf Antikörper, die das menschliche Immunsystem nach einer Ansteckung mit HIV bildet, um die Viren zu bekämpfen. Nach 12 Wochen können bei praktisch allen HIV-Infizierten Antikörper nachgewiesen werden.

Findet man irgendwo eine Auflistung der sicheren Selbsttests?

Auf der Seite des Paul-Ehrlich-Instituts (www.pei.de) steht eine aktuelle Liste der sicheren HIV-Selbsttests.

Info-Telefon

Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für HIV und STI: Mo-Do 10-22, von Fr-So 10-18 Uhr unter der Festnetz-Nummer 0221 / 892031.

Kostenloses Info-Material unter www.bzga.de, Rubrik Infomaterial, HIV/STI-Prävention.

Internet

www.liebesleben.de – BZgA-Seite zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen

www.welt-aids-tag.de – Plattform für den Welt-Aids-Tag am 1. Dezember