Schumacher und seine Zeitgenossen

Zu Gast in Hagen: Im Zentrum der großen Halle ist Robert Motherwells großformatiges Werk „Elegy to the Spanish Republic No. 133“ von 1975 zu sehen. Motherwell ist so etwas Ähnliches wie der „Emil Schumacher der USA“. (Foto: Nina Heindl)

Von Nina Heindl

Hagen. „Malerei ist gesteigertes Leben“: Unter diesem Motto ist seit 29. August 2012 und noch bis zum 20. Januar 2013 eine Ausstellung im Hagener Emil-Schumacher-Museum zu sehen. Die Halbzeit ist erreicht – Grund genug, einen Blick auf die Schau zu werfen und ein Zwischenfazit zu ziehen.

Zum 100. Geburtstag Emil Schumachers wird der große Maler in den internationalen Zusammenhang gestellt und zwar in Bezug auf Kunstgrößen, die für ihn selbst wichtig waren. Für die Umsetzung wurden Leihgaben aus Orten quer durch Deutschland sowie aus Liechtenstein, Frankreich, Großbritannien, Italien und der Schweiz nach Hagen transportiert. Dadurch können anhand ausgewählter Werke einzigartige Vergleiche zwischen Schumacher und seinen Zeitgenossen gezogen werden – und dies an den wertvollen Originalen!

Die über drei Meter hohe Klimakiste für den Transport des Werks von Motherwell muss noch bis Ende Januar 2013 in einem Durchgangsraum des Emil-Schumacher-Museums ausharren, bevor sie für den Rücktransport wieder zum Einsatz kommt. (Foto: Nina Heindl)

Auflösung und Material

Die Ausstellung ist in Kapitel unterteilt, die in chronologischer Abfolge verschiedene thematische Schwerpunkte in Schumachers Schaffen setzen. So werden dem frühen Schumacher im ersten Raum Werke von Christian Rohlfs und Emil Nolde gegenüber gestellt. Im Übergang zum nächsten Raum zeigen frühe abstrakte Werke der 1950er Jahre die Auflösung der Gegenständlichkeit. Unter der Überschrift „Malerei und Materie“ sind Arbeiten Schumachers aus Weichfaser- und Holzplatten sowie Pappmaché zu sehen, die durchlöchert oder aufgebrochen sind. Schumachers „Tastobjekt 17/1957“ ist neben Durchbrüchen durch das Material zusätzlich mit Nägeln übersät. Der berühmte deutsche Künstler Günther Uecker arbeitete ebenfalls mit Nägeln und baute 1962 sogar einen „Nagelbaum“ daraus, der Bezüge zu Schumachers Tastobjekt schafft.

Schumacher und Motherwell

Auch im interkontinentalen Zusammenhang ergeben sich Bezüge, die in der Ausstellung mit Hilfe der Werke von überaus renommierten Künstlern aufgezeigt werden. Im Zentrum der großen Halle befindet sich Robert Motherwells „Elegy to the Spanish Republic No. 133“ von 1975, das sich mit seinen Maßen von etwa 2,5 x 3 Metern nicht hinter Schumachers großformatigen Werken verstecken muss. Schumacher war ab 1958 als erster moderner deutscher Künstler auch in New York in einer Galerie, der Samuel M. Kootz Gallery, vertreten. Dort kreuzten sich seine Wege mit denen des amerikanischen Künstlers. Motherwell gilt als einer der wichtigsten Vertreter des amerikanischen Abstrakten Expressionismus – ist also so etwas Ähnliches wie der „Emil Schumacher der USA“.

Motherwells Großformat stammt aus der Pinakothek der Moderne in München und wurde für die Ausstellung extra nach Hagen ausgeliehen. „Sein Gemälde hat uns vor logistische Herausforderungen gestellt“, erklärt Rouven Lotz, Wissenschaftlicher Leiter des Emil-Schumacher-Museums. In einer speziell für das Werk angefertigten Klimakiste, die vor Erschütterungen sowie Temperaturwechseln schützt, wurde das Werk angeliefert. „Die Klimakiste war so groß, dass wir Mühe hatten, sie über die normalen Zulieferungswege ins Innere des Museums zu bekommen.“ Motherwells Gemälde bildet das I-Tüpfelchen für die in der Ausstellung gezeigten Werke, die in einer solchen Dichte wichtiger Künstler der abstrakten Malerei in der gesamten Region nicht zu sehen sind.

Vortrag

Wer mehr über den Hagener Künstler wissen möchte, sollte einen Termin am morgigen Donnerstag, 29. November 2012, 18 Uhr, nicht verpassen. Emil Schumacher wurde 1992 zum Ehrendoktor der Universität Dortmund ernannt. Die Veranstaltung im Emil-Schumacher-Museum ist ein Dialog zwischen dem damaligen Kanzler der Universität, Prof. Dr. Klaus Anderbrügge, und Prof. Dr. Barbara Welzel, der aktuellen Lehrstuhlinhaberin für Kunstgeschichte an der Technischen Universität. Information unter 02331/ 3060-066 oder per E-Mail unter info@esmh.de.

Dieser Dialog im Vortragssaal des Emil-Schumacher-Museums erinnert an diese Ehrung des Hagener Künstlers. Anderbrügge wurde 1939 in Recklinghausen, dem Gründungsort der Künstlergruppe „junger westen“ geboren und begegnete den Künstlern der Gruppe dort als junger Mann. Barbara Welzel, Jahrgang 1961, vertritt im Gespräch die nachfolgende Generation.