Schwules Paar lebt in Angst vor Hagener Hass-Frau

Heiko Arnoldt (48

Heiko Arnoldt (48, r.) und sein Lebenspartner Basak Danh-Arnoldt (34), hier mit ihrem Hochzeitsbild, kauften vor zwei Jahren ein Haus in einer Hagener Vorortsiedlung. Doch ein Ehepaar aus der Nachbarschaft möchte das Paar wohl nicht akzeptieren. Ende März

Hagen. (anna) In einer ansonsten meist idyllischen, friedlichen Hagener Vorortsiedlung passiert schier Unglaubliches. Ein homosexuelles Paar erlebt dort – laut eigener Darstellung – seit Wochen schier unglaubliche Übergriffe durch eine Frau, die vor Hass und Diskriminierung nur so strotzen. Jetzt sind Hagens Justizbehörden mit dem Fall befasst.
Heiko Arnoldt (48) und Basak Danh-Arnoldt (34) kauften nach ihrer Hochzeit ein Haus in eben jener Vorortsiedlung. Da sie beide gute Jobs haben – Heiko Arnoldt in der Logistik und Basak Danh-Arnoldt als Ingenieur – konnten sie sich das schöne Haus leisten.
Sie wollten dort in Frieden leben und luden nach dem Einzug – so berichten sie – alle Nachbarn ein, um sich vorzustellen. Von allen Anwohnern vor einer bestimmten Nachbarin gewarnt, „weil sie mit allen Streit hat“, setzte sich das homosexuelle Ehepaar über diese Warnung hinweg und lud auch sie ein. Das war ein Fehler. „Ich werde euch nie in Ruhe lassen“, soll die Frau nach ihrem Besuch gezischt haben.
Durch die Hölle
Vor allem Basak Danh-Arnold geht seitdem durch die Hölle. Als asiatisch aussehender Schwuler wurde er zur Zielscheibe des streitsüchtigen Ehepaars und musste Dinge über sich ergehen lassen, die jeder Beschreibung spotten. Der Wortlaut der Beleidigungen kann kaum geschrieben werden. „Vietnamesisches Dreckschwein“ und „Dir gehört die Fresse poliert“ hätten noch zu den harmlosesten Beschimpfungen gehört.
Immer wieder habe insbesondere die Frau lauthals ihren Hass bekundet: Die beiden Männer zögen Kinder in ihr Bett, nähmen Drogen und verbreiteten Krankheiten. Ihr Mann sei juristisch gebildet und wisse, dass Vietnamesen nicht hier leben und schon gar kein Haus kaufen dürften, soll sie laut gerufen haben.
Hassvolle Diskriminierungen begleiteten das homosexuelle Paar, das immer versuchte, Ruhe zu bewahren und auf bessere Zeiten zu hoffen. Stets bedacht, dem streitbaren Ehepaar aus dem Weg zu gehen, suchte genau das die Konfrontation.
Eskalation
Am 22. März dieses Jahres eskalierte der Konflikt: Ingenieur Basak Danh-Arnoldt kam um 21.15 Uhr von einer Dienstreise aus den USA zurück, als er bemerkte, dass die „Hass-Frau“ in ihrem Pkw saß und telefonierte. „Ich hatte den Eindruck, dass man auf mich wartete“, erinnert sich Basak Danh-Arnoldt.
Kurze Zeit darauf soll der Ehemann der Dame erschienen sein. „Während ich die Koffer aus dem Auto räumte, schrie die Frau wild herum und das Ehepaar kam immer näher auf mich zu. Ich schrie laut um Hilfe und rief Eisbrecher, meinte aber Einbrecher. Ich spreche noch kein perfektes Deutsch“, berichtet Basak Danh-Arnoldt. „Danach beschimpften mich die beiden als Affen und machten entsprechende Geräusche. Ich hatte Angst um mein Leben, vor allem weil ich wusste, dass mein Lebensgefährte erst eine Stunde später nach Hause kommen würde.“
„Du kannst ruhig schreien, einem vietnamesischem Schwein hilft hier keiner“, habe die Frau gesagt. Er habe dann vor Angst gezittert, was ihm ebenfalls wieder Spott eingebracht hätte, erläutert Basak Danh-Arnoldt die schreckliche Situation. „Ich sei ein kleiner süßer vietnamesischer Schwuler, der alle Privilegien in diesem Land genösse“, habe es geheißen, „aber das müsse sich ändern, denn ich wäre nicht mehr als eine schwule Drecksau.“
Weitere übliche Drangsalierungen folgten. Kurze Zeit später sei die Frau gar mit einer Flasche aufgetaucht, die sie Basak Danh-Arnoldt über den Kopf ziehen wollte, davon habe der Ehemann sie zum Glück abgehalten.
Im Anschluss habe die brutale Frau dann zunächst Pflanzen des homosexuellen Paares ausgerissen und danach begonnen, Basak Danh-Arnoldt zu schlagen. Als er bereits stark blutete, hörte eine Nachbarin seine Hilferufe und alarmierte die Polizei, erzählt er.
Als endlich Lebenspartner Heiko Arnoldt erschien, begaben sich die beiden sofort in ein Krankenhaus. Eine Woche Arbeitsunfähigkeit ist noch das geringste Übel. Schlimmer sind die Ängste, die Basak Danh-Arnoldt nun plagen.
Verfügung
Vor Gericht könnte ihm seine Geistesgegenwärtigkeit helfen – der Angst zum Trotz hat er es geschafft, den ganzen Vorfall mit dem Handy aufzuzeichnen, so dass nicht allein Aussage gegen Aussage steht. Immerhin erreichte Arnoldts Anwalt bereits eine Verfügung, aufgrund dessen sich die Hass-Frau ihm nicht mehr nähern darf.
Die Zeugen-Aussagen und anderen Dokumente konnte der Wochenkurier einsehen.