Sehenswerte Schau im Osthaus-Museum nur noch bis Sonntag

Im Mittelpunkt der nur noch bis zum kommenden Sonntag ausgestellten, überaus sehenswerten Schau „Aus der Sammlung des Osthaus-Museums“ stehen Werke von Christian Rohlfs (im Hintergrund). Konzipiert wurde die Ausstellung von (v.l.) Dr. Birgit Schulte, Dr. Elisabeth May und Dr. Tayfun Belgin. (Foto: Volker Schwiddessen)

Hagen. (ME) Das Hagener Osthaus-Museum hat in den vergangenen Jahren viele schöne Ausstellungen gezeigt. Eine der interessantesten „hängt“ zurzeit: „Von Beckmann und Rohlfs bis Kirchner und Wols – Aus der Sammlung des Osthaus Museums“. Wer sie noch sehen möchte, muss sich ein wenig sputen: Am kommenden Sonntag, 27. Juni, ist der letzte „Schau-Tag“.

In den umfassenden Sammlungen des Osthaus-Museums befinden sich zahlreiche Werke des 20. Jahrhunderts. In der aktuellen Ausstellung werden rund 130 Gemälde, plastische und grafische Arbeiten präsentiert, die einen hervorragenden Querschnitt durch die gesamte Kunstsammlung zeigen. Darunter sind auch einige Werke, die bislang nur selten öffentlich zu sehen waren.

Vom Expressionismus der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg über die Neue Sachlichkeit der 1920er Jahre bis hin zu verschiedenen Positionen nach 1945 wie dem abstrakten Expressionismus und der geometrischen Abstraktion reicht die Schau. Somit kann an der Hochstraße die kunstgeschichtliche Entwicklung von gut 75 Jahren nachvollzogen werden.

Privates Museum

Eröffnet wurde das erste Hagener Kunstmuseum im Jahr 1902. Unter dem Namen „Folkwang“ erlangte es bald weithin große Anerkennung. Allerdings gehörte es nicht der Stadt Hagen, sondern dem Mäzen Karl Ernst Osthaus.

Er holte seinerzeit viele Künstler nach Hagen, beispielsweise den in Weimar ausgebildeten Landschaftsmaler Christian Rohlfs. Mit anderen progressiven Malern jener Zeit pflegte der Hagener Kunstförderer einen intensiven Austausch, so mit dem expressionistischen Brücke-­Künstler Ernst Ludwig Kir­chner.

Die Erben verkauften das private Folkwang-­Museum 1921/22 nach dem Tod von Osthaus nach Essen. In Hagen kam es bald zu einer Neugründung – zunächst unter dem Namen Chris­tian-Rohlfs-Museum. Da Rohlfs bei den Nazis jedoch als entarteter Künstler galt, erfolgte die Umbenennung in Karl-Ernst-Osthaus-Museum. Untergebracht war es zunächst in der Villa Post in Wehringhausen. Erst um 1955 erfolgte der Umzug zur Hochstraße ins ehemalige Folkwang-Haus.

1938 verstorben

Eine große Rückschau im Osthaus-Museum zu zeigen, macht(e) jetzt aus diversen Gründen Sinn: So jährt sich zum 80. Mal das Todesjahr der Maler Christian Rohlfs und Ernst Ludwig Kirchner.

Kirchner fand durch Karl Ernst Osthaus lebenslange Unterstützung ebenso wie Christian Rohlfs, der von 1901 sogar bis zu seinem Tod 1938 im Folkwang-Museumsgebäude lebte und wirkte. Begraben liegt er in Delstern.

Etliche Bilder erinnern in der Ausstellung an beide Künstler. Die Präsentation der Werke von Christian Rohlfs ist überdies Prof. Dr. Paul Vogt gewidmet, der am 1. Oktober 2017 verstorben ist. Vogt, Verfasser zahlreicher Schriften über den Künstler, hat dem Osthaus-Museum Hagen nicht nur die Verantwortung für das Rohlfs-Archiv übertragen, sondern insgesamt 400 Werke geschenkt, wodurch die Rohlfs-Sammlung auf 700 Arbeiten erweitert werden konnte. Damit verfügt die Volmestadt über die weltgrößte Rohlfs-Sammlung.