Seltsame Beweisstücke im Altpapier

Hagen. (ich) Die Stadt Hagen ist klamm, klar. Aber haben es städtische Mitarbeiter nötig, rechtschaffene Bürger auf seltsame Weise abzukassieren? Das mag man nicht glauben! Schlussendlich drängt sich dieser Eindruck jedoch auf, wenn man einige Fälle auswertet, die der Redaktion zu Beginn der Woche unabhängig voneinander bekannt wurden. Es geht um Altpapier, einen möglicherweise übereifrigen „Müll-Detektiv“ und fragwürdige Beweismittel …

Woher stammt die Keramikschale?

Der Hagener Bürger B. beispielsweise hatte einen Stapel Altpapier gesammelt und fuhr deshalb nach Emst, wo ein größerer Container steht. Nach ein paar Minuten war der Stapel entsorgt und der Mann fuhr frohgemut wieder heim. Doch dann kam ein paar Wochen später die Ernüchterung – im Briefkasten lag ein Bußgeldbescheid der Stadt Hagen. 35 Euro sollte B. bezahlen – wegen illegaler Müllentsorgung. Als Beweismittel legte die Stadt Hagen ein Foto vor, auf dem eine Keramikschale zu sehen ist. Diese Schale, behauptet die Stadt, wurde von B. im Altpapiercontainer deponiert – und das sei ein Vergehen, das 35 Euro koste. Das Beweisstück wurde von einem Müll-Detektiv fotografiert, der sich auf dem Marktplatz versteckt hatte. Der Beschuldigte hingegen weiß überhaupt nicht, woher die Schale stammt …

Woher kam der Plastikpott?

Ein zweites Beispiel stammt aus dem Westen unserer Stadt. Hier traf es ausgerechnet ein jüngeres Pärchen, das eigentlich im Freundeskreis als ausgesprochen „öko“ bekannt ist. Das Paar achtet in den heimischen vier Wänden auf strikte Mülltrennung und steht in dem Ruf, sogar die Sichtfenster aus Briefumschlägen zu lösen, um tatsächlich nur reines Papier in den entsprechenden Container werfen zu können. Die jungen Leute erlebten ebenfalls ihr „blaues Wunder“. Bei ihnen war es ein Plastikpott, dessen Foto ihnen präsentiert wurde und den sie angeblich vorschriftswidrig entsorgt hätten. Auch für den Pott, den sie nach eigenem Bekunden zuvor noch nie gesehen hatten, sollten sie 35 Euro auf ein städtisches Konto einzahlen. Klar, dass sich das Paar weigert …

Wer fügte die Plastikfolie hinzu?

Bei unserem 3. Beispiel geht es um einen Hagener, der sein Altpapier unweit der Innenstadt einwarf – vor einigen Monaten! Im November wird ihm nun zur Last gelegt, damals gleich einen Haufen Plastikfolie mitentsorgt zu haben. Zehn Euro soll diese Ordnungswidrigkeit kosten – den Betrag fordert jedenfalls das Umweltamt. Der Mann schwört hingegen jeden Eid, die Folie zuvor noch nie gesehen zu haben. Und er gibt zu bedenken: „Ich habe zuhause eine gelbe Tonne – warum soll ich also die Folie extra zum Container schleppen?“

Drei Beispiele, drei Bilder, die sich gleichen – da wird man hellhörig. Wer ist hier am Werke?

Vorsicht, Detektiv!

Im April 2013 wurde die Hagener Öffentlichkeit über die Existenz eines Müll-Detektivs informiert. „Seine einzige Aufgabe besteht darin, Müllsünder aufzuspüren, Fotodokumentationen zu erstellen und seine Beweisstücke dem Umweltamt zu geben. Wir leiten dann ein entsprechendes Bußgeldverfahren ein“, erklärte seinerzeit Christa Stiller-Ludwig vom Umweltamt, „natürlich abhängig von der Schwere des Vergehens. Seinen Müll einfach unter sich zu lassen, ist kein Kavaliersdelikt. Die Kosten der illegalen Entsorgung schnellen inzwischen ins Unermessliche.“ Da hat die Umwelt-Frau zweifelsfrei recht. Deshalb sahen sich Stadt und HEB in der Pflicht, diesen Detektiv zu engagieren.

Sein Auto kennt man nicht und über sein Aussehen und seinen Namen wird nichts verraten. Schließlich arbeitet der Detektiv „undercover“. Bekannt ist nur, dass er in den letzten Monaten zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Containerstandorten nach „Beute“ Ausschau hielt. Er sollte Müllsünder fotografieren und ihr Kfz-Kennzeichen notieren, so dass die Behörden weitere Maßnahmen einleiten können. Doch dabei scheint ihm so mancher Lapsus unterlaufen zu sein – wie der wochenkurier schon einmal berichten konnte. Ist das nur Übereifrigkeit? Schnöde Schlampigkeit? Oder wurden hier Plastikpötte und Keramikschalen mit System platziert? Manipuliert? Wenn’s so wäre, wie manche Bürger vermuten, wäre es ein handfester Skandal.