Seniorin wünscht längere Grünphase

Hagen. (tau, 21.04.10) „Ich hab nur wenige Wahlversprechen gegeben, aber die muss ich auch halten“, erklärt Oberbürgermeister Jörg Dehm. Am Montag löste er eines ein, um das ihn eine Bürgerin gebeten hatte. Er traf sich mit Toni Breitenbach an der Ampel am Bergischen Ring/ Ecke Hochstraße.

Fast täglich überquert die 87-jährige Hagenerin hier die Straße und steht jedes Mal große Ängste aus. „Das ist für mich und viele andere alte Leute lebensgefährlich,“ hatte sie Jörg Dehm am CDU-Wahlstand im vergangenen Jahr ihre Situation erklärt. Denn kaum die Hälfte des Überwegs schafft Toni Breitenbach mit ihrem Rollator bei Grün, dann springt das Lichtzeichen auf Rot, und besonders die Abbieger drängeln schon. Nicht wenige düsen mit Karacho sogar knapp vor ihren Füßen aus der Hochstraße um die Ecke. „Wenn ich Oberbürgermeister werde, kümmere ich mich darum“, hatte Jörg Dehm ihr zugesichert. Gesagt, getan. Zusammen mit Christian Breßler, Fachleiter Verkehrstechnik vom städtischen Fachbereich Planen und Bauen, sowie Polizeioberrat Michael Hoffmann, Leiter der Direktion Verkehr, machte er sich jetzt ein Bild vor Ort. Um es vorwegzunehmen: Eine Lösung konnte man der besorgten Dame nicht anbieten, aber alle bemühten sich um ausführliche Aufklärung.

80 Prozent bei Grün

Die Überquerungszeiten für Fußgänger an den Hagener Ampeln sind quasi normiert. Ein Meter pro Sekunde wird dabei zugrunde gelegt, 80 Prozent sind damit bei Grün zu schaffen. Für eine bewegungseingeschränkte Person allerdings unmöglich. Und bekanntlich nimmt die Zahl der älteren Bürger auch in unserer Stadt rasant zu…

Verkehrsfluss sichern

Aber dessen ungeachtet: sie müssen sich der „Grünen Welle“, also aufeinander abgestimmten Grünphasen, beugen, die den schnellen Verkehrsfluss im Citybereich garantieren soll. „Würde man die Fußgängerampel an dieser Stelle auch nur zwei Sekunden länger schalten, hätte das gravierende Auswirkungen“, rechnet Christian Breßler vor. „Die Grünzeit für die Autos müsste um zwei Sekunden gekürzt werden. Pro Ampel-Phase käme ein Auto weniger über die Kreuzung, daraus würde ein Stau von 240 Metern in der Stunde resultieren. Das ist die Strecke von der Hochstraße bis zur reformierten Kirche. An dieser Stelle ist heute zu Spitzenzeiten bereits ein Rückstau, der dann entsprechend noch verlängert würde!“

Weitergehen

Dennoch wurden kleine Verbesserungsvorschläge durchdacht. Eine Auffrischung der verblichenen Fahrbahnmarkierungen vielleicht oder eine verstärkte Präsenz der Polizei. Kaum steht ein Ordnungshüter an der Straße, herrscht spürbar mehr Besonnenheit an den Lenkrädern. Und dann entschuldigt sich eine Mutter mit Kinderwagen und zwei Söhnen an der Hand bei Michael Hoffmann, dass sie es nicht ganz bei Grün über die Straße geschafft hat. Doch der Polizeioberrat klärt auf: „In vielen Köpfen herrscht immer noch der Irrglaube, damit einen Fehler zu begehen. Fakt ist jedoch, dass bis zur letzten Grünsekunde die Fahrbahn betreten und bis zur anderen Seite passiert werden darf, auch wenn die Ampel schon wieder auf Rot springt.“

Unsicheres Gefühl

Toni Breitenbach schafft in den neun Sekunden der Grünphase kaum die Hälfte. Auch wenn sie die Regeln kennt, beschleicht sie verständlicherweise jedes Mal ein mulmiges Gefühl. Michael Hoffmann ist sich der Problematik bewusst: „Gerade beim Abbiegen passieren hier die meisten Unfälle“, weiß er aus Erfahrung. Der Grund: Ungeduld, Unaufmerksamkeit und mangelnder Respekt vieler Autofahrer. Da nützt es Toni Breitenbach nur wenig, dass sie am Montag bestärkt wurde: „Sie sind im Recht! Wenn jemand drängelt oder hupt, schimpfen Sie ruhig mit ihm!“

Problem bleibt bestehen

Die rührige Seniorin wird also auch weiterhin die riskante Situation hinnehmen müssen, wenn sie langsamen Schritts mit dem Gehwagen „ihre“ Ampel passiert. Auch wenn sie sich sehr gefreut hat und dankbar ist, dass sich der Oberbürgermeister ihres Problems persönlich angenommen hat, bleibt sie hartnäckig und erklärt Polizeioberrat Michael Hoffmann abschließend: „Eins sage ich Ihnen, Herr Wachtmeister: Wenn ich mal bei Rot überfahren werde, dann haben Sie schuld!“