Gaspreise gesenkt

Hagen. (ME) Was stand bei den Hagenern vor 100 Jahren – also am Vorabend des Ersten Weltkriegs – im Mittelpunkt des Interesses? Wir setzen unsere Serie „Hagen – 1914“ abermals mit einem Blick in den März fort.

Autor dieses Beitrags ist auch diesmal wieder Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach. Er schreibt:

Gaspreise sinken

Es gab im März erfreuliche Nachrichten für die Hagener, insbesondere für die Bezieher von Leucht-, Koch- und Heizgas. Haushaltsgas war ein schon seit einigen Jahrzehnten auch in Hagen verfügbarer moderner Energieträger. Allerdings nutzte ein Großteil der Hagener Familien damals noch zum Kochen den Kohleherd und zum Heizen den Kohleofen. Doch werden sich eine Anzahl von Hagenern gefreut haben, als sie Ende März in der Zeitung die Mitteilung des Städtisches Gaswerks lasen, dass ab 1. April (kein Aprilscherz!) die Tarife für Leucht-, Koch- und Heizgas gesenkt würden.

Bei einen monatlichen Verbrauch von über 100 cbm ermäßigte er sich auf 11 Pfennige pro cbm, was bei den damaligen Einkommensverhältnissen aber immer noch eine erheblicher Betrag war. Außerdem kündigte das Gaswerk noch eine sicherlich auch im eigenen Geschäftsinteresse erfolgende Neuerung an. Um auch den Minderbemittelten, die offenbar als Risikokunden galten, „die Annehmlichkeit der Verwendung des Gases“ zu bieten, so lässt das Gaswerk in der Lokalpresse mitteilen, sollten versuchsweise nur für diese Münz-Gasautomaten eingeführt werden. Die Installation der Gasleitungen in den Wohnungen der betreffenden Verbraucher erfolgte kostenlos durch das Gaswerk, das außerdem diesen Haushalten einen Gaskocher sowie mehrere Gaslampen frei zur Verfügung stellte. Zur Deckung der dadurch den Gaswerk entstehenden Kosten wurde aber ein von 12 auf 15 Pfennige pro cbm erhöhter Gasgrundpreis für die Gas-Münzautomaten erhoben.

Wasserpreis ebenfalls gesenkt

Es gab aber noch eine weitere gute Nachricht für die Hagener Haushalte: Gleichzeitig kündigte nämlich das Städtische Wasserwerk ebenfalls eine Senkung seiner Tarife für die Verbraucher an.

Freude bereitete vor allem den Hausfrauen auch eine Anzeige, die am Freitag, 6. März, in der Hagener Zeitung erschien. Darin wurde von dem Besitzer der Hagener Fleischhalle in der Mittelstraße, Hermann Spier, darauf aufmerksam gemacht, dass an diesem Freitag und am Samstag in seinem Geschäft wieder „Ausnahme-Tage“ seien, an denen sämtliche Wurstsorten im Preis „bedeutend herabgesetzt“ und auch die übrigen Fleischwaren verbilligt angeboten würden. So kostete an diesen Tagen „schneeweißes Kalbfleisch“ hier 90 Pfennige bis eine Mark das Pfund, „prima Rindfleisch“ 75 bis 85 Pfennige und „prima Schweinefleisch“ 85 bis 95 Pfennige. Am Schluss der Anzeige wurden die Hausfrauen „höflichst“ ersucht, ihre Einkäufe am Freitag und Samstag schon früh zu tätigen, da dann jeder „schnell und wunschgemäß“ bedient werden könne.

Große Ausstellung

Im Übrigen möchte der wochenkurier allen Lesern einen Termin ans Herz legen: Am 28. Mai wird im Osthaus-Museum an der Hochstraße die Ausstellung „Weltenbrand – Hagen 1914“ eröffnet. Bis zum August zeigt der städtische „Fachbereich Kultur“ zum überwiegenden Teil Eigenbesitz aus den Sammlungen der hiesigen Museen und Archive. Kunstwerke und historische Objekte stehen gleichrangig nebeneinander und ermöglichen einen spannenden Rundgang durch die Kulturgeschichte unserer Stadt. Ein umfangreiches Rahmenprogramm – unter anderem mit Stadtrundfahrten zu den „Kriegerdenkmälern“ – ergänzt die Schau.

→ Alle bisher erschienenen Teile der Serie.