Service-Theken am Rande der Sahara

Hagen. (LV, 24.04.10) Algier, Oran und Edinburgh, dies sind nur ein paar Städte, in denen die Tischlerei Vormann tätig ist. Zusammen mit einer anderen NRW-Firma beliefert das Hasper Unternehmen mittlerweile Busdepots in (fast) aller Welt – mit Service-Theken!

1959 wurde die Tischlerei von Klaus Vormann gegründet und 1994 von seinem Sohn Kai übernommen. Anfangs in Boelerheide ansässig, wurde 1998 der Firmenstandort in die alte Harkortsche Fabrik in Haspe verlegt und dadurch die Produktionsfläche auf 500 Quadratmeter erweitert. Heute ist die Tischlerei Vormann ein weit über die Landesgrenzen hinaus bekanntes Unternehmen: denn seit dem Jahr 2000 wird an der Grundschöttler Straße nicht nur für die lokale Umgebung produziert. Damals bekam die Firma den Auftrag vom amerikanischen Künstler Sanford Wurmfeld, die Unterkonstruktion seines berühmtesten Werkes, des Panoramabildes Cyclorama, zu bauen. In der Folge erledigte Kai Vormann mit seinen Mitarbeitern auch den Aufbau des Kunstwerkes in den weiteren Ausstellungsstädten Altöttingen, Edinburgh und Budapest.

Bereits 2002 baute die Tischlerei Vormann die Thekenanlagen für die Kundencenter der Hagener Straßenbahn AG an der Körnerstraße und am Hauptbahnhof. Das hatte Signalwirkung! Für einen weltweit tätigen Auftraggeber wurde wenig später die komplette Büroeinrichtung gefertigt. Daraufhin kam es zu einer engeren Zusammenarbeit mit dieser Firma – und der Hagener Handwerksbetrieb erhielt nun Aufträge für Algerien.

Ziel: Algier

Im September 2007 verließen erstmals Container mit Büromöbeln, gebaut in der Hasper Tischlerei, den Hafen in Antwerpen Richtung Nordafrika. Wenig später folgten Geschäftsinhaber Kai Vormann und der Betriebsmeister Andre Kurenbach sowie weitere Ingenieure den Containern und der Einladung des algerischen Auftraggebers. Zur Verständigung wurde natürlich eine Dolmetscherin benötigt.

,,Vor Ort stellte sich dann der Ablauf als ein wenig schwierig heraus,‘‘ erinnert sich Inhaber Kai Vormann. „In Algier angekommen, wurden wir von einem Bus abgeholt, der von acht Polizeimotorrädern und einem VW Polo Baujahr 1978 gesichert wurde. Dieser Konvoi sollte uns eigentlich ins Hotel und später zu den Busdepots bringen. Einen Kilometer vor dem Zielort jedoch hatte der Polo einen Auffahrunfall – also ging’s ohne Begleitschutz weiter.“

Hilfsbereit

„Die algerischen Kundencenter entsprechen selbstverständlich keineswegs den deutschen Vorstellungen,“ schmunzelt Kai Vormann. „Es handelt sich eher um einfache Bauten ohne jeglichen Komfort. Die einheimischen Arbeiter dort waren jedoch sehr hilfsbereit. Wir haben häufig erlebt, dass unsere Kisten schon geöffnet, ausgepackt, Müll und Verpackung beiseite gelegt und die Bauteile der Theken im ganzen Raum verteilt und sorgfältig ausgelegt waren,“ berichtet der Geschäftsführer. Manchmal stellte sich diese an Übermotiviertheit grenzende Aktivität als schwer vereinbar mit dem deutschen Perfektionismus heraus.

Auch waren die Arbeiter dort sehr interessiert an dem Verpackungsmaterial, das bei uns nach Gebrauch im Container landet, wie beispielsweise Styropor, Sperrholz oder Schrauben. Es wurde nach der Freigabe an viele interessierte Mitarbeiter verteilt und verschenkt.

Im Mai erneut nach Afrika

Im Mai 2010 werden sich Mitarbeiter der Tischlerei Vormann ein weiteres Mal auf den Weg in Richtung Nordafrika machen: „Nach den Städten Algier, Oran, Annaba, Constantine, Tizi-Ouzoz, Setif, Tlemcen, Tiaret, Djelfa und Blida geht es nun nach Tebessa am Rande der Sahara. Dorthin liefern wir sieben Theken – ebenfalls für Kundencenter“, freut sich der Hagener Tischlermeister.

Aufträge für weitere 58 Städte sind in Planung. Außerdem steht der Traditionsbetrieb in den Startlöchern für Auslandsaufträge, die Venezuela, Gabun und Dubai betreffen. Fotos der verschiedenen Arbeiten können sich Interessenten im Netz auf www.vormann.de ansehen.