SIHK-Umfrage: Lage gut

Hagen. (th) „Die Konjunktur folgt dem Wetter“ – Diese alte Weisheit wurde durch die Ergebnisse der aktuellen Herbstumfrage der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) erneut bestätigt. So sehen die Erwartungen der heimischen Wirtschaft nun deutlich trüber aus als im Frühjahr, insgesamt ist die Lage aber immer noch gut. SIHK-Präsident Harald Rutenbeck, Hauptgeschäftsführer Dr. Hans-Peter Rapp-Frick und Fachbereichsleiter Rudolf Wittig stellten die Zahlen am Donnerstag vor.

Erwartungen etwas gedämpft

Die wirtschaftliche Situation in der Region stellt sich dabei als sehr stabil dar. Nur scheint die sehr gute Entwicklung des letzten Jahres nicht im selben Maße fortgeführt werden zu können. Die Erwartungen der Betriebe sind dementsprechend etwas gedämpft. 28 Prozent erwarten in den kommenden zwölf Monaten eine schlechtere Geschäftsentwicklung, das sind mehr als doppelt so viel wie noch im Januar.

Der Grund für den Rückgang liegt im Ausland. Das Exportgeschäft ist besonders für die hiesige Konjunktur eine wesentliche Stütze, mit 4,7 Prozent sind die Auslandsumsätze der Unternehmen aus der Region seit Jahresbeginn stärker gestiegen als im Bund mit 3,5 Prozent. In ganz Nordrhein-Westfalen ist das Exportgeschäft sogar zurückgegangen.

Die Vielzahl Internationaler Krisen schadet der weltweiten Konjunktur und hat auch spürbar negative Auswirkungen auf die Region. Indes deutet vieles darauf hin, dass sich die Situation eher weiter verschärft anstatt sich zu entspannen. Der Ukraine-Konflikt bleibt ungelöst, damit verbunden sind Sanktionen gegen Russland. In Syrien und weiteren Regionen des Nahen Ostens droht gar eine Eskalation.

In China herrscht eine Konjunkturflaute und auch innerhalb der EU befinden sich neben Griechenland auch Länder wie Italien und Frankreich in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Europa und China sind aber neben Nordamerika die Schlüsselmärkte für die südwestfälische Wirtschaft.

Eine weitere Bedrohung stellen die derzeit noch unübersehbaren Risiken aus den Dieselmotormanipulationen bei VW dar. Nicht nur für die in der Region stark vertretene Zulieferindustrie könnte die VW-Krise, die während der Befragung noch nicht einmal bekannt war, schwerwiegende negative Konsequenzen nach sich ziehen.

Flüchtlinge wirken positiv

Positiv auf die heimische Wirtschaft wirkt sich indes die Ankunft vieler Flüchtlinge aus. Die nötigen Bau- und Ausbaumaßnahmen zur Unterbringung stellen geradezu ein Konjunkturprogramm für die Bauwirtschaft dar. Der Ausstattungsbedarf erhöht die Umsätze des Einzelhandels. Langfristig ist die Zuwanderung außerdem für den Arbeitsmarkt dringend notwendig.

Die Arbeitslosigkeit im märkischen Südwestfalen ist im Jahresverlauf um 2,2 Prozent gesunken, gleichzeitig hat sich der Aufbau der Beschäftigung in der Region weiter fortgesetzt. Fast 70 Prozent aller befragten Unternehmen befürchten aber einen Engpass an Fachkräften durch die demografische Entwicklung. Um diese Lücke zu schließen sieht Rutenbeck mittelfristig gute Chancen für die Integration von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt.

Flüchtlinge qualifizieren

„Die stabile wirtschaftliche Lage, in der sich Deutschland befindet, ist eine notwendige Voraussetzung dafür, dass die Integration der Flüchtlinge gelingen kann. Dafür bedarf es weiterer Anstrengungen und eindeutiger, schneller Regelungen. Über Praktika und Einstiegsqualifizierungen können vor allem junge, motivierte Flüchtlinge an eine berufliche Ausbildung herangeführt werden und sich auf diesem Weg in unsere Gesellschaft integrieren“, so der SIHK-Präsident.

Dass die Zuwanderung im Moment etwas anders passiert als erwartet, ändert nichts daran, dass sie unbedingt gebraucht wird. Man müsse nun einen „langen Atem“ haben und die Hilfsbereitschaft über einen langen Zeitraum aufrecht erhalten, da zum Beispiel durch ein Erlernen der Sprache erst einmal die Grundlagen für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt geschaffen werden müssten. Das sei eine Aufgabe der Gesamtgesellschaft.

Abseits der wirtschaftlichen Aspekte ließen die Verantwortlichen der SIHK auch keinen Zweifel daran, dass sie sich persönlich eine auf Werte wie Toleranz gegründete statt einer egoistischen Gesellschaft wünschen. Für die SIHK-Herbstumfrage wurden 205 Unternehmen der heimischen Wirtschaft mit insgesamt 33.000 Beschäftigten befragt.