Silbersäulen statt Müffelkörbe

Hagen. (tau) Der Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB) geht neue Wege in der Stadtsauberkeit. Dazu werden derzeit in der City neuartige öffentliche Müll-„Stationen“ installiert. Alles, was es rund um das System zu wissen gibt, hat HEB-Sprecherin Jacqueline Jagusch dem Wochenkurier in einem Interview erklärt.

Rund 170 neue Unterflur-Mülleimer werden derzeit in der Hagener City eingebaut: Oberirdisch besteht das System aus einer silbernen Einwurfsäule, verbunden mit einem riesigen Auffangbehälter unter der Erde.(Foto: Bärbel Taubitz)
Rund 170 neue Unterflur-Mülleimer werden derzeit in der Hagener City eingebaut: Oberirdisch besteht das System aus einer silbernen Einwurfsäule, verbunden mit einem riesigen Auffangbehälter unter der Erde. (Foto: Bärbel Taubitz)

Wie sehen die neuen Müll-„Eimer“ aus und wie funktionieren sie?

Die neuen Unterflurpapierkörbe haben einen Rumpf mit einem Fassungsvermögen von 1.300 Litern, der vollständig im Boden eingebaut wird. Der Behälter ist feuerverzinkt und absolut wasserdicht. Über der Erde ist lediglich die Einwurfsäule aus Edelstahl, die im oberen Bereich eine Vorrichtung für Zigaretten hat, sichtbar. Die Einwurfhöhe für die Abfälle ist optimal auf die Bedienung abgestimmt, so dass beispielsweise Rollstuhlfahrer oder auch Kinder bequem ihren Müll entsorgen können. Der Steg in der Mitte der Öffnung verhindert, dass größere Gegenstände eingeworfen werden.

Wie viele Behälter werden insgesamt  im Stadtgebiet verteilt bzw. „versenkt“?

Wir sind derzeit dabei, alle 167 oberirdischen Papierkörbe durch die Unterflurpapierkörbe zu ersetzen. Begonnen haben wir auf der Springe und haben uns durch die Fußgängerzone bis hin zum Volkspark vorgearbeitet. Nun geht es weiter Richtung Bahnhof. Anschließend werden wir die Papierkörbe an den Bushaltestellen austauschen.

Wie läuft der Einbau ab?

Bisher sind wir mit dem Baufortschritt recht zufrieden und liegen auch im Zeitplan. Man kann sich aber sicher vorstellen, dass gerade in der Innenstadt viele unliebsame Überraschungen im Boden warten. Selbstverständlich haben wir uns vor Beginn der Baumaßnahme alle Pläne der Leitungsverläufe und Kanäle besorgt. Aber nicht immer liegen Leitungen oder Kabel dort, wo sie eingezeichnet sind. Zudem müssen wir auch die Rettungswege und die Aufstellflächen der Außengastronomie und des Weihnachtsmarkts berücksichtigen. Während der Bauphase versuchen wir auch Veranstaltungen in der Innenstadt so wenig wie möglich zu stören. Da die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und Institutionen der Stadt Hagen, der beauftragten Baufirma und allen weiteren beteiligten Unternehmen bislang sehr gut funktioniert, sind wir zuversichtlich, dass wir weiterhin einen reibungslosen Bauverlauf hinbekommen.

Wie werden die Mülleimer geleert?

Die Behälter werden mithilfe eines Saugegeräts geleert. Der Mitarbeiter öffnet die Einwurfsäule und klappt sie um. Dann steuert er den Saugschlauch in den Behälter. Im Sauggerät befindet sich eine Turbine, die einen Unterdruck herstellt. Man muss sich das vorstellen wie einen Elefantenrüssel, der mit großer Kraft den Müll aus dem Gefäß saugt. Dies geht sehr schnell, nach zwei Minuten ist der Behälter komplett geleert.

In welchem Rhythmus erfolgt die Leerung?

Die Behälter müssen nur noch einmal in der Woche geleert werden. Manche vielleicht auch seltener. Aber da sammeln wir zurzeit noch unsere Erfahrungen. Dass ein Behälter öfter als einmal in der Woche geleert werden muss, ist noch nicht vorgekommen. Die oberirdischen Papierkörbe hatten lediglich ein Fassungsvermögen von 45 Litern. Sie wurden an sechs Tagen in der Woche bis zu fünf Mal am Tag geleert. Durch die neuen Behälter müssen wir nur noch einmal in der Woche leeren. Das ist natürlich eine große Kostenersparnis.

Warum ist diese Maßnahme beschlossen worden?

Viele haben es beim Bummel durch die Fußgängerzone oder am Rande von beliebten Veranstaltungen in der Innenstadt sicherlich schon einmal beobachtet. Die kleinen Papierkörbe konnte trotz der häufigen Leerung den entstehenden Müll nicht mehr aufnehmen. Sie waren nicht nur ein unschöner Anblick, sondern rochen nicht gut und zogen Ungeziefer an. Daher haben wir uns nach einem geeigneteren Abfallsammelsystem umgesehen. Da wir Unterflursysteme seit Jahren bereits für die Müllentsorgung an Großwohnanlagen einsetzen und positive Erfahrungen damit gemacht haben, lag es nahe, sich die unterirdische Papierkorbvariante anzusehen. Da auch unser Aufsichtsrat und die Hagener Kommunalpolitik die Vorteile des Unterflursystems erkannt hatten, wurden die Behälter Ende 2015 europaweit ausgeschrieben und Anfang dieses Jahres konnten dann die Bauarbeiten beginnen.

Welche Vorteile bieten die versenkten Mülleimer?

Die beiden wichtigsten Vorteile sind natürlich das große Fassungsvermögen und die größere Wirtschaftlichkeit des Systems. Zudem „müffeln“ sie weniger, weil sie im kühlen Untergrund verbaut sind. Der Wind kann keinen Müll mehr umhertreiben und auch Flüssigkeiten werden aufgefangen. Und natürlich bestechen die neuen Behälter durch ihre moderne Optik. Sie sind ein echtes Plus für die Fußgängerzone.

Ist Hagen Vorreiter bei dieser Form der öffentlichen Mülleimer?

Da wir im Jahr 2014 bereits einen Pilotstandort in Vorhalle realisiert haben, konnten wir bereits erste Erfahrungen mit der Nutzung des Behälters und mit der Leerung sammeln.
Aber wir haben natürlich im Vorfeld des Gesamtprojektes auch mit anderen Kommunen und Entsorgern Kontakt aufgenommen, die das System bereits einsetzen, um deren Erfahrungen abzufragen. Besonders Berlin ist hier Vorreiter in Sachen Unterflurpapierkörbe. Aber auch Städte wie Krefeld oder Koblenz setzen Unterflursysteme ein. Dass so systematisch Unterflurpapierkörbe eingesetzt werden, ist zurzeit wohl einmalig in Deutschland. Da hat Hagen sicherlich eine Vorreiterrolle inne.

Wie sind die Erfahrungen mit den bereits stehenden Müllsäulen?

Wir sind sehr überrascht, wie schnell und problemlos die Hagener Bürger, aber auch auswärtige Besucher die neuen Papierkörbe angenommen haben. Unser Eindruck ist, dass sie gut genutzt werden. Natürlich hängt das auch vom Standort des Behälters ab. Auf der Springe sind sie natürlich weniger frequentiert als vor der Volme-Galerie. Ein bisschen schmunzeln musste ich, als ich gesehen habe, wie zwei ältere Damen ein Selfie mit einem unserer Unterflurpapierkörbe gemacht haben.

Wann ist die Maßnahme vor­aussichtlich abgeschlossen?

Bislang verlaufen die Bauarbeiten im Zeitplan. Allerdings steht uns noch die Umrüstung der Papierkörbe an den Bushaltestellen bevor. Dort verlaufen viele Leitungen und wir müssen auch berücksichtigen, dass unser Leerungsfahrzeug die Behälter gut erreichen kann. Die Zeit, die diese Umbaumaßnahmen erfordert, ist nicht leicht abzuschätzen. Wir rechnen aber damit, dass die Arbeiten in diesem Jahr beendet werden können. Dann stehen in Hagens guter Stube, der Innenstadt, insgesamt 167 unterirdische Papierkörbe mit einem Fassungsvermögen von über 217.000 Litern. Ich denke, dass wir damit einen ansehnlichen Beitrag zur Sauberkeit in unserer schönen Stadt leisten.