Singspiel vor prächtiger Kulisse

Sänger Klaus Beermann (l.) und Hobbybastler Heinz Plesken (r.) sind stolz auf die Kulisse zum Singspiel Der Rattenfänger von Hameln“. In mühsamer Kleinarbeit hat Hobbybastler Plesken den Pferdemarkt von Hameln nachgebaut. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (anna) Wiederholt berichtete der wochenkurier über die Baukunst des 66-jährigen Rentners Heinz Plesken aus der Düppelstraße in Altenhagen, der anhand von alten Fotos entzückende kleine Häuser nachgestaltet. Seine ganze Wohnung ist übersät mit kleinen Fachwerk- und Holzhäusern. Aus Sperrholz, vielen Eisstielen, einigen Streichhölzern und zerschnittenen Trinkhalmen lässt der 66-Jährige in seinem Hobbykeller erstaunliche Bauwerke im entzückenden Puppenstubenformat entstehen. Gebäude aus ganz Deutschland, die meisten unter Denkmalschutz, entstehen unter den findigen Händen des Altenhageners.

So berichten wir in unserer aktuellen Beilage 50 plus“, dass der Rentner bis zu 300 Stunden an größeren Gebäuden sitzt, die er mit viel Liebe zum Detail originalgetreu nachbaut: So hat er beispielsweise das 1638 erbaute Kraßhaus aus Haspe, das leider vor 30 Jahren abgerissen wurde, nach Fotovorlagen neu erstehen lassen. „Teile des Originals sollen angeblich im Freilichtmuseum stehen“, glaubt Plesken, „aber nachgeprüft habe ich es noch nicht.“

Plesken engagiert

Einen früheren Bericht hat auch der Opernsänger und ehemalige Geschäftsführer des Hasper Hammers, Klaus Beermann, gelesen. Er war schon länger auf der Suche nach einem Kulissenbauer für seine Projekte. Beermann will nämlich mit insgesamt 40 Kindern des St.-Agnes-Kinderheims und der Liebfrauen-Grundschule, beide in Vorhalle ansässig, das Singspiel Der Rattenfänger von Hameln“ einstudieren und zur Aufführung bringen. Der Förderverein der Grundschule hatte den Sänger auf die Idee gebracht. Und Beermann ließ sich nicht lange bitten.

Und weil das geplante Singspiel nun mal vor mittelalterlicher Kulisse stattfinden soll, benötigte Klaus Beermann dringend einen wirklich geschickten Handwerker, der sich auf Fachwerkbauten versteht und auch noch viel Spaß an der Sache hat, denn viel kosten durfte die Kulisse nicht. Nach dem Lesen des damaligen Artikels habe ich Heinz Plesken sofort angerufen und ihm von meinem Projekt erzählt. Er war sofort mit Feuer und Flamme dabei“, erinnert sich Beermann an das erste Gespräch.

Premiere im März

Schon seit zwei Monaten wird mit den Kindern in der Liebfrauen-Grundschule fleißig geübt. Am 19. März 2011 wird das klassische Musikstück im Bürgerhaus Vorhalle, Vorhaller Straße, Premiere feiern. Am 7. April 2011 wird es nicht nur eine Wiederholung des Rattenfängers“ geben, die 40 kleinen Akteure werden bei dieser Aufführung auch noch von einem Smolensker Kinderchor unterstützt, verrät Beermann. Und noch ein Bonbon hat der Opernsänger auf Lager. Oberbürgermeister Jörg Dehm wird nicht nur die Schirmherrschaft, sondern an beiden Terminen auch die Rolle des Erzählers übernehmen. Mit seiner sonoren festen Stimme wird er die Geschichte rund machen, wann immer es nötig erscheint.

Pferdemarkt entsteht

Der Hasper Holzstoffbauhändler Demmler stellte Beermann in der Delsterner Straße eine große Halle für den Bau der Bühnendekoration zur Verfügung und Heinz Plesken erstellte einen Plan für die einzelnen Gebäude. Da Plesken schon häufig in Hameln weilte, kannte er sich in der Stadt gut aus und wählte als Kulisse den berühmten Hamelner Pferdemarkt. Diesen Platz mit seinen romantischen Fachwerkhäusern wollte er für das Singspiel nachbauen.

Mittlerweile sind fast drei Monate vergangen und die zehn Meter lange Kulisse steht. Dank reichlicher Materialspenden der Firma Demmler haben wir nur 270 Euro in die Bühnendeko investieren müssen“, freut sich Beermann. Allein 200 Meter Dachlatten hat Heinz Plesken an ihr verbaut. Mit Kindern zusammen wurden die Fachwerkhäuser liebevoll bunt bemalt und sogar das Stadtwappen von Hameln angebracht. Jetzt fehlen nur noch die Gardinen und einige Accessoires, dann kann es losgehen.

Bei der Premiere dienen die Häuser zuerst als Kulisse für einen richtigen Markt“, erklärt Beermann die Konzeption seines Stückes, auf dem reges Treiben herrscht. Wir werden dafür richtige Stände aufbauen und Sachen verkaufen. Bis schließlich ein Rufer das Marktgeschäft unterbricht und die Menschen bittet, die Stände zu verlassen. Erst dann“, so Beermann, tauchen die Kinder auf und beginnen mit dem Singspiel.“

Beermann hofft, dass sowohl die vielen Kinder als auch die erwachsenen Zuschauer großen Spaß an dem Singspiel mit klassischer Musik haben werden. Doch eins ist Klaus Beermann sonnenklar: Ohne diese grandiose Kulisse wäre die Aufführung nur halb so schön.“