Snoopy wieder bei Frauchen

Heidrun Härtel und Jack-Russell-Rüde Snoopy sind wieder vereint. Mehrere Stunden lang hatte das „Frauchen“ aus Boele um das Leben ihres Hundes gebangt. Dann gab es ein ganz unerwartetes Wiedersehen... (Foto: Anna Linne)

Boele. (anna) Zuerst hatte die 58-jährige Heidrun Härtel den kleinen Jack-Russell „Snoopy“ nur tagsüber als Pflegehund bei sich, wenn Sohn und Schwiegertochter zur Arbeit mussten. Nach deren Trennung blieb der kleine Hund ganz bei den Härtels in der Posener Straße und bildet seitdem den Familienmittelpunkt. Ein Leben ohne „Snoopy“ wäre für Heidrun Härtel undenkbar.

Dann passierte der schreckliche Zwischenfall, den die Hundebesitzerin so schnell nicht vergessen wird: Am Dienstagmittag gegen 13 Uhr geht die 58-jährige mit dem Hund am Hengsteysee in Höhe des Freibades spazieren, als sie auf ein Ehepaar trifft, das ebenfalls einen Jack-Russell mit sich führt. „Wir haben uns unterhalten und die Hunde kurz abgeleint, damit sie spielen konnten“, berichtet die Boelerin.

Spurlos verschwunden

Snoopy war noch nicht ganz abgeleint, als ein Fahrradfahrer über ihn hinwegbrauste und regelrecht auf ihn stürzte. „Als der Hund unter dem Fahrrad lag und schrecklich quiekte, dachte ich verrückt zu werden,“ berichtet Heidrun Härtel, die völlig geschockt war. Der Hund, ebenfalls unter Schock, berappelte sich kurz, kroch unter dem Fahrrad weg und suchte das Weite. „Er rannte wie von der Tarantel gestochen in Richtung Kraftwerk und war wenig später spurlos verschwunden.“

Zusammen mit ihrem 25-jährigen Sohn sucht die Hundebesitzerin nun das gesamte Seegelände nach dem zweieinhalbjährigen Hund ab. „Ich habe Ecken gesehen, wo – glaube ich – nur selten jemals Menschen waren“, berichtet Härtel immer noch sichtlich erschüttert, „wir waren auf den Bahngleisen, in Höhlen und auf den Hängen, wir haben gerufen, wir haben geschrieen, aber der Hund war wie vom Erdboden verschluckt.“

Versprechen

Nach fast vierstündiger Suche wendet sich Heidrun Härtel an die Männer der Müllabfuhr, die gerade in der Hengsteystraße ihrer Arbeit nachgehen. Auf ihre Frage, ob sie einen schwarz-weißen kleinen Hund gesehen hätten, schütteln die HEB-Männer zwar den Kopf. Aber sie wollen darauf achten, versprechen sie der Seniorin. „Wenn sie ihn sehen, packen sie ihn bitte ins Auto, er beißt nicht“, versichert Heidrun Härtel den Männern noch.

Die Suche nach dem Tier wurde jetzt auf die Seeseite verlegt, wo sich der Bikerparkplatz befindet. An der Pommesbude auf dem Platz durfte sie sogar einen Aushang befestigen.

Großes Erstaunen

Erneut sucht sie das umliegende Gelände ab und stößt erneut auf die Müllmänner, die schon von Weitem den Kopf schütteln. Ihnen war kein Hund untergekommen. „Mir war jetzt klar, dass ich Snoopy nie mehr wiedersehen würde“, erzählt die Boelerin, die auch Tage nach dem Vorfall noch recht erschrocken wirkt.

Mit letzter Kraft schleppt sich die 58-Jährige noch einmal zum Bikerparkplatz, um zu schauen, ob sich jemand auf ihren Aushang im Imbisswagen hin gemeldet hat, als sie einen Polizeiwagen erblickt. „Ich kann mich nur erinnern, dass ich in meiner Verzweiflung auf die Beamten zugestürmt bin und sie um Hilfe angefleht habe“, erinnert sich die Hundemutter, die bass erstaunt ist, als sie erfährt, dass die Polizeibeamten eigentlich sie suchen.

„Ihr Hund ist bei der Nachbarin“, teilt ihr ein Polizist freudig mit und erklärt weiter, dass ein HEB-Mann namens Vogel den Hund bei der Polizei abgegeben habe. „Wir konnten dann anhand der Steuernummer, die der Hund am Halsband trägt, ihre Adresse ermitteln, und da sie nicht zu Hause waren, haben wir den Hund bei der Nachbarin abgegeben.“

Völlig überwältigt

Heidrun Härtel ist von so viel Initiative und Hilfsbereitschaft völlig überwältigt. Schnell eilt sie nach Hause zu ihrem Snoopy und sucht mit dem Hund erst einmal einen Tierarzt auf. Zu ihrer großen Freude ist der Hund unverletzt, bekommt aber vorsorglich zwei Spritzen und ein paar Tabletten. „Mit diesem tollen Ende hätte ich nie gerechnet“, weint die Seniorin, die überhaupt nicht dazu gekommen ist, sich bei den Hunderettern richtig zu bedanken. Das will sie aber jetzt nachholen, die Namen hat sie schon ’rausbekommen…