„Socke“ schläft im Strumpf

Hohenlimburg. (anna) Sie heißen Socke und Hörnchen, sind eigentlich von Natur aus sehr scheu und meiden die Menschen. Doch die beiden etwa zehn Wochen alten Eichhörnchen mussten sich wohl oder übel mit den Zweibeinern arrangieren, sonst wären sie wahrscheinlich nicht mehr am Leben.

Dieses kleine Eichhörnchen wurde vor etwa vier Wochen verletzt in der Tierarztpraxis von Natascha de Vries in Hohenlimburg abgegeben. Ein paar Tage später kam ein zweites dazu. Inzwischen sind die Beiden durch die gute Pflege, die Ehemann Markus de Vries ihnen angedeihen lässt, handzahm. (Foto: Anna Linne)

Es ist etwa vier Wochen her, dass Patienten der Tierärztin Natascha de Vries ein aus dem Nest gefallenes Eichhörnchen in die Praxis an der Obernahmer Straße 70 in Hohenlimburg brachten. Weil der kleine Nager zu jung war, um alleine zu überleben und mit ausgeschlagenen Zähnen kaum in der Lage Nahrung zu sich zu nehmen, versuchten die Veterinärin und ihr Mann Markus de Vries das kleine Tier mittels Spritze zu ernähren. „Eine Mischung aus Katzenmilch, Honig und Fischfutter war bald der kulinarische Renner“, berichtet Markus de Vries, der sich liebevoll um die Fütterung mühte und dem Eichhorn ein ganzes Zimmer mit geräumigen Käfig zur Verfügung stellte. Weil der kleine Nager ausschließlich in einem alten Strumpf schlief, hatte er bald auch den Namen ’Socke’ weg.

Ein paar Tage später wurde das zweite, schwer verletzte Eichhörnchen bei der Tierärztin Natascha de Vries abgegeben. Mit einem dicken Hämatom am Kopf, das Blut rann aus Nase und Mund, bangte man auch nach ausgiebiger Behandlung lange um sein Leben. Jetzt lebt das genesene ’Hörnchen“ zusammen mit ’Socke’ in einer großen Voliere, in der eine wohl riechende Waldatmosphäre geschaffen wurde. Hier sollen die beiden Nager den kalten Winter verbringen, um dann im Frühjahr in die Freiheit entlassen zu werden.

Futterspenden willkommen

„Jetzt sind die beiden höchsten zehn Wochen alten Tiere noch nicht in der Lage, ohne Mutter in der Natur zu überleben“, weiß Markus de Vries, der ein großes Herz für alle tierischen Kreaturen hat. „Socke und Hörnchen bekommen bald einen noch größeren Käfig mit Bäumen und Ästen und Verstecken, damit sie sich auch richtig wohl fühlen und das Klettern üben können.“ Gern nimmt die Familie de Vries auch gesammelte Bucheckern, Eicheln und andere Früchte des Waldes entgegen, schließlich müssen die Hörnchen gesund und artgerecht über den Winter kommen.

Die Gattung der Eichhörnchen ist mit 190 Arten eine der größten Gattungen in der Hörnchen-Familie. Die Europäischen Eichhörnchen können viermal im Jahr Junge bekommen: zweimal im Frühjahr und zweimal im Spätsommer. Jeweils zwei bis höchstens fünf Junge können es werden. Doch nur 20 Prozent überleben das erste Jahr, dabei können die Nager bis zu 12 Jahre alt werden.

Das kleine Hörnchen weigerte sich erst einmal, sein kuscheliges Bett unter einem Eimer für den Fototermin zu verlassen. Doch schon bald tobt es mit Socke los. (Foto: Anna Linne)

„Ihre kräftigen Nagezähne wachsen zeitlebens nach und wetzen sich an harter Nahrung ab. Probleme treten daher im Zusammenhang mit zu weicher Nahrung auf“, weiß Markus de Vries, der sich vorbildhaft um die artgerechte Ernährung kümmert. „Tiere, die ich dem Tod abgerungen habe, wachsen mir nun mal sehr ans Herz.“

Viele Findelkinder

Und das geht offensichtlich allen Familienmitgliedern so: Denn zum Leben mit den 18-, 13- und vierjährigen Kindern der de Vries gehören auch jede Menge Tiere, von denen viele eigentlich nicht mehr leben sollten. Wunderschöne, charaktervolle Katzen, von ihren Züchtern meist aus Krankheitsgründen verstoßen, fanden in der Tierarzt-Familie ein neues Heim. Zu den Hühnern im Hof gesellte sich eine flugunfähige Taube, die nach anfänglichem Streit mit dem Federvieh ihre Position im Hühnerstall behaupten konnte.

„Die meisten Tiere werden uns verletzt gebracht“, berichtet Veterinärin Natascha de Vries, „die Taube hat ihren Weg ganz allein zu uns gefunden und lebt jetzt in Eintracht mit unseren uralten Hühnern, die kaum noch Eier legen. Aber Schlachten kommt bei uns nicht in Frage.“

So werden immer wieder verletzte Wildtiere bei der Familie abgegeben. Im letzten Jahr war es ein winzig kleiner Marder, der nach gelungener Aufzucht wieder in die Freiheit entlassen werden konnte. Ein junger Waschbär, der leider viel zu spät zu den de Vries kam, überlebte seine Verletzungen nicht. Einem an der Leitplanke gefundenen Rehkitz konnte allerdings geholfen werden.

Jetzt sind es erst einmal Socke und Hörnchen, denen die Familie eine Überleben im Winterquartier gewährleistet. „Mal sehen, wer sich als nächstes zu uns verirrt und gesund gepflegt werden muss“, schmunzelt Markus de Vries.