SonnTalk: Abgestürzt

Von Michael Eckhoff

Alle Jahre wieder gibt es diverse Untersuchungen über die Entwicklungs- und Zukunfts­chancen deutscher Städte und Kreise. Ob all diese Analysen stets mit Sinn und Verstand durchgeführt werden, sei dahingestellt.
Fakt ist jedoch, dass bei derartigen Untersuchungen fast immer wesentliche Teile des Ostens alt aussehen. Positiv an der Spitze liegen hingegen hauptsächlich Gebiete aus dem Süden der Republik, meist gelegen in den „Speckgürteln“ der großen Metropolen.
Aktuell liegt mal wieder eine solche Analyse vor – in Auftrag gegeben vom Magazin „Focus money“. Abermals werden die üblichen Erkenntnisse bestätigt. Kommunen in den Großräumen München und Stuttgart können sich über Plätze an der Sonne freuen, Kreise und Städte in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen oder Sachsen-Anhalt rangieren weiterhin am Ende der Skala. Cottbus gehört dazu, ebenso das Skatspiel-Mekka Altenburg.
Doch die ostdeutschen Hinterbänkler sind nicht mehr allein – wie schon in anderen Untersuchungen der vergangenen Monate gesellen sich auch bei „Focus money“ immer mehr westfälische Städte und Kreise hinzu, deren Zukunft „ins Rutschen“ gerät, zum Beispiel Gelsenkirchen und Herne. Besonders knüppeldicke kam’s für Bottrop – die alte Bergbaumetropole ist gar auf den bundesweit letzten Platz abgestürzt. Daran ändern auch Movie-Park, Tetraeder und Indoor-Skipiste nichts.
Der eng aneinander gekettete Raum Hagen/Schwerte/Iserlohn steht zwar etwas besser da als Gelsenkirchen/Bottrop, aber ausruhen darf man sich auch bei uns nicht. Visionen und neue Gewerbegebiete sind vonnöten. Doch statt miteinander die Zukunft zu gestalten, wird überall eher ein eigenes Süppchen gekocht.
Beispiel Regionale. Sowohl Hagen und Schwerte einerseits als auch andererseits Iserlohn und Hemer bewerben sich für die Regionale 2022 oder 2025.
Während aber Hagen und Schwerte mit Fröndenberg, Wetter und Herdecke am Start sind („mittleres Ruhrtal“), hat sich Iserlohn abermals ins „südwestfälische Boot“ gesetzt – als hätte man mit Siegen und Schmallenberg mehr Gemeinsames als mit den unmittelbaren Nachbarn. In wenigen Monaten wissen wir, wer gewonnen hat. Es geht um viel Geld – und ein paar „warme Ideen“ für die Zukunft.
Und die nahe Zukunft? Die bringt uns knackig-kalte Wintertage. Deshalb: Allen Lesern einen Sonntag ohne Stürze!