SonnTalk: Die ganz kleinen Dinge

Von Claudia Eckhoff

Oft sind es die ganz kleinen Dinge im Leben, die wirklich wichtig sind. Winziges, Unscheinbares hat die Kraft uns mehr zu beschäftigen, als die Frage, ob überhaupt die Welt sich noch dreht. Diese gewaltige Kraft liegt etwa in mit bloßem Augen kaum erkennbaren mikroskopisch kleinen Floh-Sprungbeinen.

Der Floh an sich – ich hab‘ mich schlau gemacht – ist in Europa mit rund 70 verschiedenen Arten vertreten. Nur sechs Prozent der Parasiten leben von Vögeln, die überwältigende Mehrheit hingegen von warmblütigen Säugetieren, wozu auch der Mensch zählt. Sie haben als ausgesprochen familienorientierte Kleinstwesen – leider, leider – eine viel größere Bindung zu ihren Nestern, als zu ihren Wirten, was ja im Prinzip löblich ist. Manche Menschen könnten sich da ein Vorbild nehmen.

Das heißt, der Floh, sofern er ein „Nestfloh“ und kein „Pelz­floh“ ist, ist kein Rumtreiber. Er lebt im Hundekörbchen, im Teppich, im Polster, im Bett, da, wo es eben ruhig, dunkel und trocken ist. Er kommt nur zur Mahlzeit heraus, angelockt durch das Kohlenstoffdioxid in der Atemluft, die Wärme oder die Bewegung seines Wirtes.

Er ist überaus bescheiden: Essen und Trinken wird oft völlig überbewertet. Eine ordentliche Blutsaugung macht so einen Floh für zwei Monate satt. Die Männchen rülpsen vielleicht, die Weibchen aber legen nach Tisch erst mal Eier ab, in Zehner-Paketen, rund 400 Stück im Laufe ihres 18-monatigen Lebens.

Die niedlichen Larven leben von zerfallenden organischen Stoffen in der Nähe ihrer späteren Wirte und von dem aus gestoffwechseltem Blut bestehenden Kot erwachsener Flöhe. Bah! Und so vermehrt man sich in aller Ruhe bei Flohs und vermehrt sich und vermehrt sich, bis der ganze Teppichboden lebt.

Seit ich das alles weiß, herrschen daheim andere Sitten: „Es wird kein Hund mehr gestreichelt, auch wenn er noch so niedlich guckt“, habe ich unseren Kindern eingebläut. Und unserem Katerchen hab ich den Mietvertrag erweitert – um eine unmissverständliche, knallharte Floh-Klausel.

Schönen Sonntag.