SonnTalk: Ein wenig Glanz

Von Claudia Eckhoff
Die Mutter und ihre erwachsene Tochter irrten etwas orientierungslos durch den Supermarkt und mussten unterwegs nach diesem und jenem fragen. Schließlich näherten sie sich der Kasse. Als die Mutter sich mit dem vollen Einkaufswagen in die Schlange einreihte, fiel ihr noch der Thunfisch ein. Die Tochter eilte, um ihn zu holen, während die Mutter ihre Sachen schon auf das Band legte. Als sie an die Reihe kam, sagte sie zur Kassiererin: „Ich habe aber nur 50 Euro dabei. Dann müssen wir Schluss machen.“

Diese finanzielle Schallgrenze war leider viel schneller erreicht, als sie gedacht hatte. Die Kassiererin musste abbrechen, als noch reichlich auf dem Band lag, auch ein in eine Plastiktüte gehülltes, geschnittenes Brot. Als die Tochter mit dem Thunfisch herankeuchte, war der Einkauf gerade brutal an sein Ende gekommen. Ratlos schauten die beiden auf ihren halbvollen Wagen und die vielen Sachen auf dem Band. Die Kassiererin nahm entnervt einen Schluck Kaffee. Die Leute in der Schlange blickten betreten zur Seite.
Da meldete sich die Kundin, die direkt hinter Mutter und Tochter wartete: „Bongen Sie das Brot da bitte gleich bei mir mit ein“, sagte sie. „Das brauchen Sie doch sicher dringend“, wand sie sich dem Duo zu. Die bedankten sich errötend, kramten rasch ihre Sachen zusammen und verließen eilig den Laden.
„Das machen wirklich viele“, sagte die Kassiererin.
„Was denn?“, fragte der nächste Mann in der Reihe. „Dass sie mehr einkaufen, als sie überhaupt bezahlen können?“
„Nein, nein“, antwortete sie ihm. „Es passiert häufiger – dass viele Kunden einen Teil der Kosten für die übernehmen, bei denen das Geld eben nicht reicht.“
Donnerwetter! Die Welt glänzt und leuchtet, denn es gibt doch noch mehr Gut-Menschen als gedacht. Schönen Sonntag.