SonnTalk: Fettige Aussicht

Von Claudia Eckhoff
Oh, oh, was für fettige Aussichten! Die alle Sünden verhüllenden dicken Jacken und langen Pullis verschwinden gerade hinten im Kleiderschrank und im Straßenbild schwabbelt und wabert es unter den zu eng gewordenen T-Shirts.
Spekulatius, Marzipan oder Glühwein haben sich längst gerächt und zeigen es gerade schamlos. Den zugenommenen Menschen verhagelt das ganz schön die frische Petersilie. Wie wird man den Speck nun möglichst zackig wieder los, ohne sich richtig quälen zu müssen?
Vielleicht arbeitet schon irgendwo auf der Welt ein Tüftler an einem Instand-Abnehm-System, das in Vorleistung tritt, eins, bei dem man sich freikaufen könnte von überflüssigen Kilos und die Kosten erst danach abstottert. Wir bekommen doch heute fast alles sofort und bei Null-Prozent-Finanzierung. Warum also nicht endlich auch die Schlankheit?
Was bietet sich denn zurzeit sonst so als Schlankmacher an? Als Alternative zur dünnen Gemüsebrühe gäbe es da den brandneuen „T-Bone-Tea“. Das erste Steak, das man trinken kann, kommt ohne Bratfett als Fleischbrühe im Teebeutel auf den Tisch. Hä? Wie? Fleisch als neue Kamille?
Manche schwören dagegen auf Sauerkraut. Das kalorienarme und nahezu fettlose Powerkraut rege die Verdauung an und sättige angenehm. Das gibt es auch gleich als Saft, da braucht man dann gar nicht mehr zu kauen.
Von wegen Quälerei: Abnehmen geht auch in der Luxus-Variante für den, der‘s mag und es sich leisten kann. Die Auster, schwört man unter den Besserbetuchten, sei nicht nur exklusiv, sondern auch gesund und vor allem eben kalorienarm. Der legendäre Frauenheld Casanova hat wohl noch aus ganz anderen Gründen jeden Morgen rund fünfzig kalte, schwabbelige, glitschige Austern gefrühstückt.
Nun gut, die richtige Diät-Methode will wohl gut überlegt sein. Deshalb heißt es heute erst mal: Schönen Sonntag – am besten mit Brötchen, Croissant, Rührei, Speck und ganz dick Marmelade zum Frühstück. Es ist ja schließlich noch länger Frühling, nicht wahr?