SonnTalk: Fieser Vater

Von Claudia Eckhoff
Wer etwas zu vererben hat, kann zu Lebzeiten mit seinen Verwandten oder seinem Ehepartner eine Vereinbarung treffen, nach der diese auf ihr Erbe verzichten. Der Verzichtende ist dann von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen. Er erhält im Erbfall dann auch keinen Pflichtteil. Allerdings vereinbaren die Beteiligten häufig eine Abfindung. Einen solchen Erbverzichtsvertrag muss ein Notar beglaubigen. Nicht jede derartige Absprache ist jedoch auch rechtswirksam.
Beispiel: Ein wohlhabender Zahnarzt hatte seinem Sohn aus einer früheren, kurzen Ehe zu dessen 18. Geburtstag eine Vereinbarung vorgelegt, nach der der Sohn mit sofortiger Wirkung auf jegliches Erbe und seinen Pflichtteil verzichten sollte. Im Gegenzug sollte der Sohn einen Sportwagen bekommen, den der Vater für etwa einhunderttausend Euro (noch mal in Ziffern: 100.000!) gekauft hatte und selbst fuhr. An den ungewöhnlichen Vater-Sohn-Deal war aber noch eine weitere Bedingung geknüpft: Der Sprössling sollte die Karre erst zum 25. Geburtstag erhalten – und auch das wieder nur unter weiteren Bedingungen. Innerhalb vertraglich festgelegter Fristen sollte der Sohnemann sowohl seine Gesellen- als auch seine Meisterprüfung zum Zahntechniker bestehen. Und zwar mit nichts Geringerem als mit einer Note eins.
Der gerade volljährige Junge unterschrieb zunächst, bereute es aber sofort und zog vor Gericht. Nun weiß man ja: Auf hoher See und vor Gericht liegt unser Schicksal in Gottes Hand. Für den jungen Mann ging es gut aus. Der Richter kam – o Wunder – zu dem Schluss, dem geschäftserfahrenen Vater sei es in erster Linie darum gegangen, den Sohn gegen eine verhältnismäßig geringe oder gar keine Abfindung vom Erbe auszuschließen. Sittenwidrig sei das und damit unwirksam.
Und endgültig hinfällig ist damit wohl auch das Anrecht des verderbten Zahnklemperns auf einen entspannten „Vatta-Tach“ am nächsten Donnerstag. Sein geprellter Sohn wird ihm ganz sicher nie wieder ein Bierchen kühl stellen.
Schönen Sonntag.