SonnTalk: Hasardeure

Von Michael Eckhoff
Mit Politik beschäftige ich mich, seit ich ungefähr 15 Jahre alt bin. Dieser Geburtstag ist ein Weilchen her. In der langen Zeit habe ich viele Politiker kommen und gehen sehen – in Nordrhein-Westfalen, in Bonn/Berlin, auf der Weltbühne. Viele ehrenwerte und engagierte Politiker waren darunter, aber auch reichlich Dummschwätzer, aufgeblasene Blender, Scheinheilige und leider auch etliche Hasardeure. Laut Definition ist ein Hasardeur jemand, der verantwortungslos handelt.

Seit einigen Monaten dominieren Hasardeure offenbar die Weltpolitik. Trump scheint zweifelsohne dieser Gruppe anzugehören, sicherlich auch der englische Außenminister und Brexit-Befürworter Johnson. Das Dumme ist, wir können sie nicht ignorieren, denn ihr Tun und Handeln hat meist Auswirkungen bis ins Lenne-, Ennepe- und Ruhrtal.
Hasardeure geben aktuell auch den Ton in Katalonien an. Unter den Parteien, die die Regionalregierung stützen und den Austritt Kataloniens aus dem spanischen Staat vorantreiben, befindet sich zum Beispiel die CUP. Sie stellt ein seltsames Sammelbecken dar – Anarchisten, Linksextremisten und Nationalisten vereinen sich in ihr. In diversen Wahlkämpfen hatte die CUP ein eindeutiges Ziel: ein eigenständiges Katalonien und zudem die Zerstörung der Europäischen Union.
Und ausgerechnet die EU soll dort vermitteln? Dabei ist doch die Sache klar. Käme es tatsächlich zur Unabhängigkeit der Provinz, wäre sie auch in der EU „draußen“ – mit allen Konsequenzen: EU-Außengrenze rund um Katalonien (samt Grenze zwischen Barcelona und Mallorca), Zollschranken, Niederlassungsbeschränkungen usw. usw. Die vielen Firmen, darunter zahlreiche deutsche (inklusive der VW-Tochter Seat), die im Raum Barcelona ihren Sitz haben, könnten sich warm anziehen – und mit ihnen ihre Arbeitnehmer. Von der Tourismusbranche ganz zu schweigen. Ob Katalonien eine Chance hätte, recht fix wieder beizutreten? Wahrscheinlich eher nicht.
Aber nach dem Wohl und Wehe der Menschen schauen Extremisten und Nationalisten nicht – sie sind eben Hasardeure.
Allen Leserinnen und Lesern einen schönen Sonntag (mit hoffentlich keinen schlimmen Nachrichten aus Spanien oder anderen Teilen der Welt).