SonnTalk: Privatsachen

Man darf die Post des Nachbarn nicht lesen. Klar. Das ist geheimste Privatsache. Das wird von Rechts wegen geschützt.

Für Rentner Willy ist es aber spannend, wenn der Briefträger versehentlich bei seiner Hausnummer 12 einwirft, was eigentlich erst bei Nummer 14 reingehört hätte. Willy wundert sich, wenn der Nachbar, der nebenberuflich im großen Stil mit Elektronik-Artikeln handelt, Post vom – steht ja deutlich drauf – Finanzamt oder gar vom Zoll kriegt. Unterhaltungscharakter haben für den alten Herrn auch die Pakete, die abgeliefert werden, wenn die Besteller rechts und links von ihm gerade nicht zu Hause sind und er, der immer da ist, als Ersatz-Adressat fungiert. Besonders edle, schneeweiße, federleichte Kartons ohne Absender-Anschrift, aber mit der goldenen Firmen-Aufschrift „Süßes Verlangen“ lassen den Rentner stutzen. Pralinchen werden da wohl eher nicht drin sein, oder?
Häufiger als an der Haustür kommen im Posteingang eines E-Mail-Programms Irrläufer an. Das passiert schnell, wenn der Schreiber sich beim Adressieren einfach nur in der Zeile verhaut. Kürzlich staunten auch wir in der Wochenkurier-Redaktion nicht schlecht, als wir folgende Meldung mit dem schlichten Betreff „liebe Grüße“ in unserem elektronischen „Kastl“ vorfanden. Da hieß es:
„Hallo Jochen, wir hoffen, ihr hattet eine gute Heimfahrt. Es war ober-geil mit euch. Sophie hat ihren Regenmantel hier hängen lassen. Sollen wir ihn schicken?
Siggi fährt heute nach Hamm. Er hat sich doch zur Samenspende entschlossen. Ich geh nachher noch mal zum Arzt, um meine Krankschreibung zu verlängern. Hab so was von keinen Bock auf den Job…“
Liebe unbekannte Frau Laura (der Nachname ist der Redaktion sehr wohl bekannt), wollten Sie wirklich, dass wir das erfahren?
Und dass wir es sogar VERÖFFENTLICHEN, damit es jetzt die halbe Welt weiß? Aber keine Sorge, liebe Laura, den Irrläufer haben wir natürlich inzwischen gelöscht…
Schönen Sonntag.