Sonntalk: Schöner Schein

Der Architekt Will Dommel eröffnete vor genau 50 Jahren das „Minidomm“ bei Ratingen. Er schuf 120 Modelle berühmter „Topp-Stätten“ wie Brandenburger Tor, Schloss Neuschwan­stein, Dresdner Zwinger, Ulmer Münster, Brüsseler Atomium, Weißes Haus in Washington oder dem Schiefen Turm von Pisa. Alles im Maßstab 1:25. Als der Freizeitpark 1992 schloss, wurden alle „Häuskes“ versteigert.

Doch der schöne Schein lebt an anderen Orten des Vergnügens weiter. Im Phantasialand bei Brühl etwa schlendert man durch „Berlin“, wird in „Afrika“ betrommelt und stürzt sich durch die Fluten des „Colorado River“. Alles so gut wie beinahe echt und – ja – einfach begeisternd gut nachgemacht.
In Griechenland taugt die Vulkan-Insel Santorin so wie sie ist als Filmkulisse. Weiße Häuser bekränzen den schwarzen Kraterrand, der steil ins Meer stürzt. Hochzeitspaare sind richtig verrückt nach dem Inselchen. Massenhaft flanieren Touristen selbst aus dem fernen China und Korea durch die Gässchen. Weil aber der Weg nach Europa und bis in die griechische Inselwelt aus Asien so weit und so teuer ist, hat man sich in Korea längst geholfen und sich die Insel Santorin kurzerhand zuhause nachgebaut.
Pappkulissen und Nachbauten ziehen auch in Russland die Touristen an. Kürzlich kamen 10.000 Besucher, um im Militär-Freizeitpark bei Moskau einem Riesenspektakel beizuwohnen.
Zur Musik von Richard Wagners „Ritt auf der Walküre“ spielten zur Gaudi des Publikums 1000 Statisten schwerst bewaffnet Krieg. Nachgestellt wurden die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs. Die Möchtegern-Soldaten stürmten dabei 72 Jahre nach Kriegsende ballernd und krachend und unter viel App­laus eine extra erbaute Mini-Ausgabe des… – Berliner Reichstags. Ach, werter Wladimir Putin, hoffentlich gibt es zu Pfingsten für alle eine Extra-­Portion Geist und Erleuchtung aus himmlischen Sphären.
Schönen Sonntag.