SonnTalk: Schon wunderlich

Von Claudia Eckhoff

Als er Ende des dritten Jahrhunderts in Myra geboren wurde, war sein
Heimatland ein Teil des Römischen Reiches. Später gehörte Myra zum
Byzantinischen Reich und heute zur Türkei. Sein Name war Nikolaos Myriotes, was
griechisch klingt und so viel bedeutet wie „Sieg(reicher) des Volkes“. Er
stammte aus ziemlich gutem Hause. Man hatte Geld, Rang und Namen und der Onkel
war sogar Bischof. Mit 19 Jahren wurde der junge Niko selbst zum Priester
geweiht, machte Kloster-Karriere und stieg zum Abt auf. Dann kam’s knüppeldicke:
Bei der Christenverfolgung im Jahr 310 wurde auch er gefangen genommen und
gefoltert. Danach hat er wohl vieles anders gesehen und anders gemacht. Sein
Erbe jedenfalls hat er unter den Armen verschenkt, die es mehr als reichlich
gab.
Aber auch anderer Leute Habe hat er unter die Notleidenden verteilt: Als
während einer Hungersnot ein Schiff voll Getreide, das eigentlich für den
kaiserlichen Hof in Byzanz bestimmt war, im Hafen ankerte, musste Nikolaos,
mittlerweile Bischof, einfach handeln. Er überredete die Seeleute, Getreide
abzuladen. Die wollten erst nicht, weil nämlich alles ganz genau abgewogen war
und sie Ärger fürchteten. „Es soll euer Schaden nicht sein“, hat ihnen der
Bischof da versprochen. Und wirklich: Obwohl das abgezweigte Getreide in Myra
zwei Jahre lang reichte und sogar noch zur Aussaat etwas übrigblieb, zeigte die
strenge Waage des Kaisers in Byzanz nicht an, dass etwas an der Ladung
fehlte.
Ein Wunder! – O ja, Wunder ranken sich um den Heiligen Nikolaus diverse:
Auferweckungen, Bekehrungen und sogar die Bezwingung eines Seesturms werden ihm
zugeschrieben.
Als man ihn am Ende begraben musste, verabschiedete sich der große Wohltäter
mit einem „Grabwunder“, so sagt man. An seinem Sarkophag sollen zwei Quellen
entsprungen sein, eine mit Wasser an seinen Füßen und eine mit Salböl an seinem
Kopf.
Am Dienstag, 6. Dezember, warten überall die Kinder auf ihn, um seinen
Namenstag zu feiern. Hoffen wir mal, dass der großzügige Gottesmann und Freund
der Armen auch durchkommt. Nicht dass er am Ende steckenbleibt im allgemeinen
Gedrängel der Heerscharen von schaurigen Hobby-Weihnachtsmännern. Wohlmöglich
verirrt er sich auch noch auf den allerersten „Hunde-Adventsmarkt“ der hiesigen
Region. Da würde er sich sicher arg wundern.

Schönen Sonntag.