SonnTalk: Vergriffen

Von Claudia Eckhoff
Ostern wird es süß, sehr süß. Das Osterfest übertrumpft sogar Weihnachten, was den Pro-Kopf-Verzehr von Zuckrigem und Schokoladigem angeht. Häschen, Lämmchen, Küken, Eier und Möhrchen aus Schoko oder Marzipan lassen den Weihnachtsmann weit abgeschlagen hinter sich.

Allein dieses Jahr hat die hiesige Zuckerbäckerei 202 Millionen Schoko-Häskes gegossen. Nur 107 Millionen verspeisen wir hierzulande selbst, die restlichen 95 Millionen reisen bis Russland und Australien.
Süßzeugs bis die Schwarte kracht: Seit Wochen schon tummeln sich die Mümmelmänner meist in Buntpapier verpackt, mit und ohne Schleifchen, mit hängenden oder gespitzten Öhrchen in den Regalen.
Immer wenn Achim das sieht, meldet sich auch Jahrzehnte nach seiner Missetat noch sein schlechtes Gewissen. Damals in alten DDR-Zeiten, als er ein Lausbub im Grundschulalter war, ging’s mit der Familie zu Verwandten in die „Zone“. Dass dort drüben alles grau und irgendwie trostlos war, sah ein Blinder mit Krückstock. Was das aber bedeutete für die Pro-Kopf-Zahlen von Schokoladenhasen konnte so ein vernaschter, westdeutscher Lümmel ja wirklich nicht ahnen. Sonst wäre ihm das bestimmt nicht passiert…
Am Ostermorgen war er nämlich lange vor allen anderen wach und ging schon mal alleine los, um die umliegende Botanik nach verstecktem Süßzeugs abzusuchen. Er fand es nur in bescheidenen Maßen statt in Massen. Und – ja – er vergriff sich. Der Garten der Verwandten war ganz schnell abgefrühstückt. Deshalb nahm Achim auch die Nachbarsgärten rechts und links unter die Lupe und machte sie ratzfatz leer.
Als die einheimischen Kinder ein Weilchen später erwartungsfroh ausschwärmten, kamen sie mit langen Gesichtern und leeren Händen aus dem Garten zurück. Komisch, dachten die Erwachsenen.
Später allein im Auto mit Mama und Papa auf dem Weg zurück nach Westen ging es Klein-Achim ziemlich schlecht. Und das, obwohl es doch beim Osterfrühstück so gar nichts Süßes gegeben hatte…
Möge es allen Wochenkurier-Lesern am morgigen Sonntag bei der Eiersuche besser gehen als Achims Verwandten weiland in der DDR.
In diesem Sinne: Schöne Ostern!