Sorgen auf dem Gnadenhof

Hagen/Iserlohn. (clau) Kathrin Spohr macht sich große Sorgen um ihr Pflegepferd Hexe. Sie weiß nicht recht, wie sie die 28-jährige Stute, die bei ihr das Gnadebrot frisst, auf die Dauer satt bekommen soll. Hoch über dem Lennetal bei Letmathe-Genna hat Hexe ihr letztes Zuhause gefunden.

Tierheilpraktikerin Kathrin Spohr hat sie in Pflege genommen, um ihr einen ruhigen Lebensabend in liebevoller Umgebung zu gewähren. Hexe, die ursprünglich „Korallenfee“ hieß, hat es sich verdient: Die hochbetagte Stute stammt noch aus der alten DDR! Sie ist eine Brandenburgstute aus sozialistischer Zucht.

Um die Pflegepferde wie etwa die 28-jährige Stute Hexe macht sich Tierheilpraktikerin Kathrin Spohr mittlerweile ernste Sorgen: Die Futterkosten sind explodiert. Das bringt den kleinen Gnadenhof in Schwierigkeiten. (Foto: Claudia Eckhoff)

Ein arbeitsreiches Pferde-Leben

Sie hat ein arbeitsreiches Leben hinter sich: Jahrelang bestritt sie als Turnierpferd Wettkämpfe. Später diente sie als Schulpferd in einem Verein. „Sie wurde über lange Zeit stark strapaziert“, sagt Kennerin Kathrin Spohr. „Als sie zu uns kam, war sie bereits sehr krank. Sie leidet unter einer Atemwegserkrankung und sollte deshalb geschlachtet werden.“

Die „Tiernothilfe Hagen und Umgebung“ wurde zufällig auf Hexe aufmerksam und griff ein. Die Stute gelangte so auf den Gnadenhof über Genna, der schon für viele Tiere die letzte fürsorgliche Lebensstation gewesen ist.

Kathrin Spohr übernimmt auf ihrem ländlichen Anwesen mit Stall und reichlich Weidefläche immer wieder Sorgen-Tiere. Sie ist tätig für den Pferdeschutz Iserlohn, für die Tiernothilfe und den Tierschutzverein Iserlohn. „Ich helfe, wo ich kann“, sagt die engagierte Tierfreundin.

Heukosten explodiert

Um Hexe macht sie sich nun aber Sorgen. „Die Heukosten sind einfach explodiert durch den verregneten Sommer“, sagt sie bedrückt. „Ein Quaderballen mit circa 300 Kilo kostete sonst etwa 35 Euro. Nun liegt der Preis zwischen 90 und 120 Euro.“

Es sind aber nicht nur die Futterkosten, die ins Geld gehen: Die alte Dame Hexe benötigt regelmäßig eine teure Zahnbehandlung. „Wir brauchen allein für diese Stute rund 180 Euro im Monat“, seufzt Kathrin Spohr. „Es hat sich ein Pate gefunden, der Hexe mit monatlich 30 Euro unterstützt. Aber das reicht hinten und vorne nicht.“

Gut gepflegt

Hexe wird gut gepflegt: Ihrer Atemnot wird Rechnung getragen. In ihrer Box herrscht weitgehend Staubfreiheit. Das gutmütige Tier dankt es und zeigt sich erstaunlich fit und munter. Wer einmal mit ihr zu tun hatte, hängt an ihr und vergisst sie nicht.

So ging es auch der Iserlohnerin Natalie, die Hexe als Teenagerin betreute. Als sie 13 Jahre alt war, trennten sich ihre Wege. Das Tier verschwand plötzlich aus ihrem Umfeld, aber niemals aus ihrer Erinnerung. Das tat weh. Jahrelang versuchte die junge Frau, die Spur des Pferdes zu finden. Vergeblich.

So sehr hing die Reiterin an der Stute, dass sie grundsätzlich altes Brot nicht wegwarf, sondern immer weiter sammelte für „ihre“ Hexe, die sie hoffte, eines Tages wiederzufinden.

Brandzeichen erkannt

Jahre später war der ganze Dachboden voll mit trockenem Brot und Natalie, die inzwischen geheiratet hatte, gab endlich ihrem Mann recht. Der meinte, da Hexe mit Sicherheit inzwischen längst tot sei, solle sie den Dachboden leer räumen und das Brot irgendwo hin geben, wo es gebraucht würde. Natalie konnte nicht ahnen, dass ihre Hexe die für ihre Art übliche Lebenserwartung von 15 bis 20 Jahren längst überschritten hatte und ganz in ihrer Nähe ihr Gnadenbrot fraß.

Im Internet suchte die Frau nach einer geeigneten Adresse für ihren großen Brotvorrat – und stieß auf den Gnadenhof von Kathrin Spohr und auf ein Foto von Hexe. Sie glaubte ihren Augen nicht zu trauen und nahm sofort Kontakt auf. Das Brandzeichen verschaffte Gewissheit. „Mit Brot, Möhren und Äpfeln kam sie hier an“, erzählt Kathrin Spohr. „Und im nächsten Augenblick standen wir alle heulend im Stall.“

Und dennoch: Auch die Gefährtin von einst kann der Stute heute materiell nur wenig helfen.

Jede Hilfe willkommen

„Futter, Sachspenden wie Decken und Halfter, Geld oder tatkräftige Mitarbeit – wir können jede Art von Hilfe wirklich gut gebrauchen“, gesteht Kathrin Spohr ein. „Zu viel kann es nie sein, denn selbst wenn wir hier vor Ort einmal zu viel von irgendetwas haben, dann packe ich den Überschuss in Kartons und schicke ihn direkt an befreundete Gnadenhöfe weiter.“ Man kennt sich und hilft sich, wo es nur geht.

Patenschaften haben sich bewährt: So ist es möglich, regelmäßig durch eine feste Summe auch ein einzelnes Tier wie Hexe – oder viele andere – ganz direkt zu unterstützen.

Weitere Informationen gibt es bei Kathrin Spohr unter Telefon 0177/ 8523-804 oder im Internet unter www.vierbeinerundco.de, der Homepage der Tiernothilfe Hagen und Umgebung.

Die Bankverbindung der Tiernothilfe lautet:
Deutsche Bank Hagen
Bankleitzahl 45070024
Kontonummer 7250715
Stichwort: Spende