Spenden für den Sammeleimer

Hagen. (AnS) Blaue Wäschekörbe, weiße Plastikeimer: In aller Regelmäßigkeit finden Hagener Bürger diese Behälter vor ihren Haustüren. Kürzlich erst wieder beglückten diese unliebsamen Gegenstände die Eilper Anwohner im Raum Hohle Straße/In der Welle.

Mit der Bitte um Schuh- und Kleiderspenden fanden letzte Woche Bürger im Eilperfeld diese Plastikeimer vor. (Foto: Anja Schade)

Über das Ziel der Behältnisse klärt ein einfach aufgeklebter Zettel auf: Hier wird um Spenden von gebrauchten Schuhen oder alten Kleidungsstücken gebeten, scheinbar für einen guten Zweck. Im Hagener Süden war zu lesen: „Die Sachen werden von bedürftigen und armen Menschen in der 3. Welt weitergetragen, sie landen nicht im Reißwolf.“

Vielen Hausbewohnern sind diese Sammlungen jedoch ein Dorn im Auge. Eimer und Körbe werden meist mitten in den Weg gestellt, oft landen sie kurz nach ihrer Austeilung bereits im Gebüsch oder werden als Mülleimer missbraucht. Und auch optisch machen die meist dreckigen und kaputten Plastikpötte nicht viel her. Ferner sind viele Bürger von der Gemeinnützigkeit der Aufrufe nicht überzeugt. Aber kann man sich gegen die Austeilung wehren oder die Sammlungseimer gar auf eigene Faust entsorgen?

Sammlung erlaubt

„Eine knifflige Sache“, bringt es Karsten-Thilo Raab, Pressesprecher der Stadt Hagen, auf den Punkt und weist darauf hin, dass ein Sammlungsgesetz nicht mehr existiert. Seit Ende der 90er Jahre besteht unter anderem für Altkleidersammlungen keine Genehmigungspflicht mehr, sofern – und hier gibt es die einzige Einschränkung – keine öffentlichen, das heißt, städtischen Grundstücke und Plätze betroffen sind. Ein rechtsfreier Raum, der es also jedem erlaubt, zu sammeln und auf privatem Gelände seine Behälter zu deponieren – ohne Zustimmungspflicht des Eigentümers, obwohl ja in einen privaten Raum eingedrungen wird! Durch den Wegfall des Gesetzes ist auch die Rechtsgrundlage, den gemeinnützigen Zweck der Sammlungen zu überprüfen, abgeschafft. Altkleidersammlungen werden unter Umständen so zum lukrativen Geschäft.

Körbe entsorgen?

Die Wäschekörbe einfach entsorgen? Das wiederum dürfen die betroffenen Hausbesitzer eigentlich nicht. Denn die Gefäße sind rechtlich gesehen Eigentum der sammelnden Firmen. Der Duisburger Austeiler, der letzte Woche im Hagener Süden unterwegs war, wies sogar eigens darauf hin: „Den Eimer benötigen wir für unsere Arbeit, achten Sie bitte darauf, dass sie nicht abhanden kommen!“, war auf einem beigefügten Papier zu lesen. Inwiefern die Spendensammler jemanden für „entsorgte“ Behältnisse haftbar machen können, sei dahingestellt…

Ignorieren

Sich bei den Unternehmen zu beschweren oder die Gemeinnützigkeit zu hinterfragen, lohnt meist nicht. Eine Verfolgung der Sammler gestaltet sich schwierig, da Adressen oft nicht stimmen oder nur eine unerreichbare Handynummer angegeben ist – diese Erfahrung haben bereits etliche Volmestädter gemacht.

Was also tun, wenn man in nächster Zeit einen ungewollten Spendenaufruf vor der Haustür wiederfindet? Hier hilft nur eins: Nicht ärgern, sondern die seltsame Sammlung am besten ignorieren und den Korb oder Eimer leer zurück an die Straße stellen. In der Regel werden sie zügig wieder abgeholt.

Und bei Bedarf: Bekannte, lokale Institutionen freuen sich viel mehr über gebrauchte, aber noch tragbare Kleidung…