Spielten die Modellbauer mit „gezinkten Karten“?

Es gibt Modellschiffe, die tuckern langsam und friedlich übers Wasser. Es gibt aber auch Rennboote, die erreichen Spitzengeschwindigkeiten von mindestns 175 km/h und erzeugen dabei sehr unangenehme Geräusche. Diese Schnellboote verursachen offenbar den Ärger am Ischeland. (Foto: wochenkurier)
Es gibt Modellschiffe, die tuckern langsam und friedlich übers Wasser. Es gibt aber auch Rennboote, die erreichen Spitzengeschwindigkeiten von mindestns 175 km/h und erzeugen dabei sehr unangenehme Geräusche. Diese Schnellboote verursachen offenbar den Ärger am Ischeland. (Foto: wochenkurier)

Hagen. (ich) Wie harmlos sind die Modellbauer auf dem Ischelandteich tatsächlich? In der letzten Woche berichtete der wochenkurier: Die Männer, die auf dem Ischeland-Wasser ihre Boote kreisen lassen, hätten ständig das Ordnungsamt am Hals. Sie würden also vertrieben, obwohl sie hier seit Jahrzehnten heimisch seien. Schuld daran sei eine einzige Familie.

Nun ja, zahlreiche Telefonate sind seit diesem wk-Bericht ins Land gegangen. Dabei schälte sich immer stärker heraus, dass es hier in den letzten Monaten zwei Gruppen von Modellbaufans gegeben hat. Zum einen tatsächlich jene, die hier friedlich kleine, fast geräuschlos tuckernde Bötchen zu Wasser lassen. Sie gehören zumeist dem Modellbauclub RC Hagen an.

Und zum anderen gibt es allem Anschein nach eine Gruppe von Männern, die weniger „friedliche Boote“ übers Wasser flitzen lassen. Sie schicken regelmäßig Rennboote auf die Reise, die dem Vernehmen nach nicht nur extrem beschleunigen, sondern die auch jenen Lärmpegel erzeugen, der die Anwohner auf die Barrikaden und das Ordnungsamt an den See treibt.

Distanziert

Die Vorständler des RC Hagen distanzieren sich deshalb auch von der zweiten Gruppe – reden gar von „Chaoten“. Im Übrigen legt der Verein großen Wert auf die Feststellung, nicht er habe – wie von einigen Modellbauern beim wochenkurier-Interview ausgesagt – den Steg am Teich gebaut, sondern die Stadt Hagen. Ferner sei es auch nicht richtig, dass der Teich „uneingeschränkt“ zur Verfügung stünde, vielmehr werde er nur zu bestimmten Ereignissen überlassen.

Letzte Woche am Montag war die wochenkurier-Reporterin vor Ort. Da wurde offenbar mit „gezinkten Karten“ gespielt. Wie, verrät uns eine Mail. Sie machte im Vorfeld unter der Überschrift „Pressetermin am Ischelandteich“ in den entsprechenden Kreisen die Runde (wobei die darin vorkommende Bezeichnung „Edit“ wohl als Beschimpfung verstanden werden darf):

Möglichst leise

Vor einiger Zeit ist ein Edit neben den Ischelandteich gezogen. Dieses besagte Edit hat sehr viel Langeweile und hetzt den dort fahrenden Modellbauern Ordnungsamt und Polizei auf den Hals. Mittlerweile hängt dort ein Schild, dass das Fahren von Rennbooten untersagt. Ihr habt die Möglichkeit am Montag um 12:00 Uhr am Ischelandteich der Presse (wochenkurier) kund zu tun, dass ihr die Schnauze voll habt.

Und jetzt kommt’s:

Bringt was möglichst leises, langsames mit zum Tümpel, um einen dementsprechend friedlichen Eindruck zu machen. (…) Denkt daran, wenn ihr Euch nicht wehrt, könnt ihr Euch hinterher nicht beklagen, wenn bald an jedem Tümpel Verbotsschilder aufgehangen werden.

Auch Anwohner meldeten sich in Leserbriefen zu Wort, zum Beispiel Familie K.:

Meine Familie und ich begrüßen es sehr – als direkte Nachbarn des Ischelandteiches -, dass Renn- und Schnellboote nicht mehr fahren dürfen! Der Lärmpegel war ohrenbetäubend, nicht selten bis abends nach 23 Uhr, sodass man im Sommer kein Fenster zum Schlafen öffnen konnte. Dass allerdings die Segelboote auch verboten werden, können wir in keinster Weise nachvollziehen. Sie sind nicht nur leise, sondern zudem schön anzusehen. Da wird jetzt ganz offensichtlich alles, das ferngesteuert ist, verurteilt. Finden wir ziemlich übertrieben und nicht korrekt.

Am Pranger

Und Familie B. schrieb uns:

Vielen Dank für den Bericht, der allerdings sehr einseitig dargestellt ist. Berichtet wurde nur über einen Beschwerdeführer und stellt diesen und das Ordnungsamt an den Pranger, während Bootsbetreiber als eigentliche Opfer erscheinen. Als Anwohner des Ententeiches habe ich mich auch mehrfach an das Ordnungsamt gewandt, da der Lärm der neuerlich eingesetzten Schnellboote unerträglich wurde. Die Boote, die früher zu Wasser gelassen wurden, haben in diesem Naturidyll überhaupt nicht gestört. Doch seit einigen Jahren gesellten sich Bootsführer mit Schnellbooten dazu, die mit ihren Jaultönen von gefühlten 100 Dezibel das ganze Wohnviertel und durch Lärmbelästigung störten. So kann ich dem Ordnungsamt nur danken, dass endlich diesem Spuk ein Ende gesetzt werden konnte.

Bis 175 km/h schnell

Helmut H. schickte uns eine Antwort der Stadt Hagen auf eine von ihm gestellte Anfrage:

Zu den Kontrollen des Ordnungsamtes am Ischelandteich kann ich Ihnen mitteilen, dass das Verbot, auf dem Ischelandteich Schnellboote fahren zu lassen, natürlich nicht auf die Beschwerden eines einzelnen Anwohners zurückzuführen ist. Es liegen durchaus mehrere Gründe vor, aus denen sich die Stadt Hagen zu diesem Verbot entschlossen hat. Die Boote, um die es hier geht, erreichen Spitzengeschwindigkeiten bis zu 175 km/h und erzeugen dabei sehr unangenehme Geräusche. Dies ist sowohl für Anwohner als auch für Passanten, die den Park zur Erholung aufsuchen, störend. Zudem sind am Ischelandteich mehrere Entenfamilien beheimatet, die jedes Jahr wiederkommen und hier ihre Jungen aufziehen. Auch diese werden durch den Lärm der Schnellboote gestört, zudem wurde bereits mehrfach beobachtet, dass die Enten mit den Booten gejagt wurden, bis sie fluchtartig das Wasser verließen. Hiergegen ist die Stadt als Eigentümerin der Wasserfläche eingeschritten. Gegen das Fahren von Modellbooten an sich bestehen keine Bedenken, es besteht seit den 1970er Jahren eine Kooperation mit dem örtlichen Modellbauclub.