Sport besser als Tabletten

Mit einfachen Mitteln viel erreichen: Spezielle Übungen helfen, die Krankheit positiv zu beeinflussen. (Foto: privat)

Hagen. (ric) Dass Lothar Kreß heute aktiv leben kann, ist nicht selbstverständlich. Denn der Hagener ist seit gut 40 Jahren an Morbus Bechterew erkrankt.

„1966 begann alles“, erinnert sich Kreß. Der Rücken schmerzte nahezu unerträglich, alles tat weh. „Selbst die Ärzte waren ratlos. Denn Morbus Bechterew war damals noch nahezu unbekannt!“ Und so dauerte es ganze acht Jahre, bis 1974 doch die Diagnose stand: Morbus Bechterew, eine rheumatische, entzündliche Erkrankung, die vor allem die Wirbelsäule betrifft. Im Gegensatz zu „normalen“ Rückenschmerzen, die wohl jeder kennt, ist Morbus Bechterew eine chronische, also bleibende Krankheit. Sie gilt bis heute als unheilbar, kann in ihrem Verlauf jedoch massiv beeinflusst werden.

Doch mit der Diagnose besserte sich die Situation für Kreß keineswegs. Im Gegenteil: Die Ärzte verordneten Tabletten, die täglich genommen werden mussten. Nach kurzer Zeit traten verschiedene Nebenwirkungen auf – Lothar Kreß fühlte sich zunehmend unwohl, konnte nicht mehr richtig arbeiten.

18 Jahre Schmerzen

„1982 traf ich aber auf die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew, die DVMB. Ab da ging es dann aufwärts.“ Kreß reiste nach Österreich, machte eine Heilstollen-Kur – und lernte einen Arzt kennen, der ihm wirklich helfen konnte. Sein Rat: Die Tabletten sollten ab sofort nur noch genommen werden, wenn sich ein Schub bemerkbar machte.

Lothar Kreß ging jedoch noch einen Schritt weiter: Er setzte seine Medikamente einfach komplett ab. Denn während seines Aufenthalts bemerkte er, wie gut ihm die Bewegung tat. Bis heute ist er sich sicher: Bewegung ist besser als jede Medizin. Klein angefangen, steigerten sich die Spaziergänge des Hageners zu Wanderungen. Und mit gezielten Muskelübungen bekam er die Schmerzen völlig in den Griff.

Eine eigene Gruppe

Lothar Kreß und seine Astrid können trotz der Diagnose „Morbus Bechterew“ ein aktives Leben führen. Ermöglicht hat dies der Sport. (Foto: ric)

Zurück in der Volmestadt informierte sich Kreß über eine geeignete Morbus-Bechterew-Gruppe – doch fündig wurde er nicht. „Es gab mal eine solche Gruppe, doch die hat sich vor vielen Jahren gesplittet.“ Also setzte er sich dafür ein, selbst eine DVMB-Gruppe auf die Beine zu stellen. Heute engagiert sich Lothar Kreß als Übungsleiter, kümmert sich um Abwechslung und Training im Programm seiner Gruppe, die sich jeden Dienstag von 19.15 bis 20.15 Uhr in der Bahnhofstraße 41 trifft. Dabei reicht das Angebot von Wanderungen und Gymnastik bis hin zu Rad-Touren und Volleyballspielen.

„Wir möchten damit auch speziell junge Menschen ansprechen“, erklärt der Hagener. An Morbus Bechterew kann schließlich jeder erkranken. „Natürlich kann man auch in die Muckibude gehen“, ergänzt Kreß. „Aber wenn einmal Probleme auftreten, wissen die Trainer dort oft nicht weiter. In unserer Gruppe gibt es hingegen aktive Hilfe.“ Da jeder weiß, was die Krankheit für Probleme mit sich bringen kann, stehen die Mitglieder mit Rat und Tat zur Seite. Im Vordergrund steht indes weniger die Beratung als vielmehr die Bewegung. „Ich bin ja das beste Beispiel für den Erfolg“, meint Kreß. „Manche Erkrankte gehen extrem gebeugt, sie kommen durch die Krankheit einfach nicht mehr hoch. Dabei kann man durch den richtigen Sport und völlig ohne Medikamente so viel erreichen und ganz gerade bleiben – wie ich.“