Sprachverein prangert den Zeitgeist an

Heiner C. Schäferhoff (M.), Bruno Klauk (r.) und Udo Marx kümmern sich um die deutsche Sprache.(Foto: Anja Schade)

Hagen. (AnS) „Save the date, damit wir beim Meeting alle briefen können und eine gute Performance haben.“ Alles verstanden? Falls Sie jetzt das Wörterbuch zu Hilfe nehmen müssen, geht es Ihnen wie vielen Menschen.

„Shoppen“, „Sale“ oder „Challenge“: Diese Wörter und Begrifflichkeiten, die heute in der Sprache für viele nahezu alltäglich sind, sorgen bei den Mitgliedern des „Vereins Deutsche Sprache“ für Kopfschütteln. So wie der Anfangssatz für viele Missverständnisse sorgt, weil ihn keiner wirklich versteht. „Gerade für ältere Menschen ist es schwierig, das ‚Denglisch‘ zu verstehen“, erklären Heiner C. Schäferhoff, Bruno Klauk und Udo Marx, die sich in Hagen und Umgebung für die deutsche Sprache einsetzen. „Sprache ist Kulturgut“, sind die Mitglieder überzeugt.

Über 36.000 Menschen weltweit haben sich bereits dem Verein angeschlossen, der Anglizismen nicht verbannen, aber auf Unsinnigkeiten aufmerksam machen will. „Wir sind kein Antiverein, der alles verdammt. Aber warum können ‚Fake News‘ nicht einfach Falschmeldungen bleiben?“ Diese englischen Begriffe seien wie Nebelkerzen, keiner verstehe sie, keiner könne sie wirklich übersetzen, sie seien schlichtweg überflüssig.

Auf Sprache achten

„Die Muttersprache ist so nah und lebendig und wird trotzdem missachtet“, wissen die drei Sprachverfechter. Mahnen wollen sie, die deutsche Sprache zu achten. „Wir gehen zu nachlässig damit um.“ In anderen Ländern, die Franzosen seien da Vorreiter, übersetze man neue Begriffe in die Landessprache. „Dann würde auch hierzulande der Laptop Klapprechner und der Airbag Prallkissen heißen“, schmunzeln sie. Sie begegnen vielen „Sprachpanschereien“ mit Humor: „Nur so kann man etwas ändern“, aber auch mit dem nötigen Ernst: „Beim ‚Ticket‘ beispielsweise trifft man auf viele Doppeldeutungen – das kann eine Eintrittskarte genau so sein wie ein Parkschein oder sogar ein Strafmandat.“

Beim „Bodybag“ wird es dank einer falschen Übersetzung ganz tragisch. Gemeint war bei einer Werbeaktion einer großen Firma die Handtasche, wörtlich übersetzt hätte man es aber mit einem Leichensack zu tun.

Kaum deutsche Lieder

Auch die geschlechtergerechte, also die sogenannte Gendersprache, kritisieren die Vereinsmitglieder. „Bindestrich und Sternchen gehören nicht in einen Fließtext“, sind sie sich einig und auch der in Mode gekommene Hashtag sorgt bei ihnen für sprachliches Entsetzen.

Ein weiterer Dorn im Auge ist ihnen das musikalische Programm in den Radios. „Nur selten hört man noch deutschsprachige Lieder“, ärgert sich Heiner C. Schäferhoff, der auf den vereinseigenen Radiosender DMR hinweist.

Den kreativen Umgang mit der deutschen Sprache fördert der Verein immer wieder mit Wettbewerben und Wahlen.

Vortrag zum Zeitgeist

Wer sich für das Engagement des Vereins interessiert: Der VDS bietet am Donnerstag, 15. März, um 19 Uhr einen Vortrag mit dem Thema „Die Kirche und die deutsche Sprache: bewusste Verdrängung im Einklang mit dem Zeitgeist?“ im Gemeindesaal der Evangelischen Emmaus-Kirche, Bergruthe 3, Emst, an. Referent ist der Landessprecher NRW und Leiter der Region 59, Heiner C. Schäferhoff.