Stadt Hagen nimmt sich viel vor in Sachen Gesundheit

Hagen. Hygienemängel, sexualisierte Gewalt und die Anzahl psychotherapeutischer und psychiatrischer Praxen ging es unter anderem bei der 16. Hagener Gesundheitskonferenz. Unter der Leitung von Thomas Huyeng, für das Thema Gesundheit zuständiger Beigeordneter, befassten sich die Teilnehmer der Gesundheitskonferenz jetzt auch mit der Umsetzung des Präventionsgesetzes in Hagen. Dazu hatte ein Mitarbeiter vom Landeszentrum für Gesundheit, einer nachgeordneten Behörde des Ministeriums, die Entwicklung, die Zielsetzung wie auch die Voraussetzungen zur Umsetzung in seinem Vortrag dargelegt.

Prävention auch im Quartier
Einzelne Initiativen zur Prävention und Gesundheitsförderung werden gesetzlich intensiviert. Da für Städte und Kreise über das Präventionskonzept in NRW keine Vorgaben bestehen, bedarf es hier allerdings einer sogenannten Selbstentschließung, um sich inhaltlich wie auch tatsächlich einzubringen.
Zur bedarfsgerechten Planung von Maßnahmen ist es von Vorteil, zunächst ein breites, verschiedene Politikfelder übergreifendes Aktionsspektrum für Hagen zu entwickeln. Als Beispiele werden hier sog. Präventionsketten zum gesunden Aufwachsen wie auch Konzepte zu gesundheitsorientierten Quartiersentwicklungen genannt.
Berichtet wurde weiter über die Fortsetzung des ärztlichen Interventionsprogramms bei häuslicher Gewalt. Im ärztlichen Bereich sind es derzeit 18 Vernetzungspartner, die auch in 2016 im Rahmen von zwei Ärztekonferenzen fortgebildet wurden. Inhaltlich erfolgten dort anonymisierte Fallbesprechungen, die Vorstellung von Vernetzungspartnern (Frauenhaus, Opferschutz u.a.) sowie der Austausch über Themenschwerpunkte, wie z.B. Formen, Folgen und Hilfsangebote nach sexualisierter Gewalt.
Auch wurde in einer sogenannten Inhouse-Veranstaltung einer gynäkologischen Praxis das ganze Team geschult. Ein weiterer und neuer Schwerpunkt war die Schulung und der Austausch mit den gynäkologisch tätigen Kliniken in Hagen (Allgemeines Krankenhaus Hagen und Evangelisches Krankenhaus Hagen-Haspe). Erfahrungen von Frauenhilfeeinrichtungen belegen, dass von sexualisierter Gewalt betroffene Frauen und Mädchen im Anschluss an die Gewalthandlung häufig nicht in der Lage oder bereit sind, die Tat anzuzeigen.
Ohne Strafanzeige werden Tatspuren im Regelfall nicht gesichert und stehen damit bei einem zukünftigen Strafverfahren nicht als Beweismittel zur Verfügung. Hierzu wurden Lösungsansätze vermittelt.
Dies gelang aber nicht für die vertragsärztliche Versorgung der psychotherapeutischen und psychiatrischen Praxen in Hagen. Hier besteht ein Paradoxon zwischen planerischem und tatsächlichem Leistungsangebot, wodurch sich lange Wartezeiten ergeben.
Bei den vertragsärztlichen Leistungen, die über die kassenärztliche Vereinigung abgerechnet werden, bestehen deutliche Schwankungsbreiten, von deutlicher Überversorgung bis zu geringen Auslastungen. Um hier zu reagieren, unterstützen die Termin-Servicestellen gesetzlich Krankenversicherte bei der Vermittlung. Seitens der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe sollte dieses Vermittlungsinstrument sehr viel stärker nachgefragt werden, damit auch hiermit Bedarfe abgebildet werden.
Kampf gegen multiresistente Erreger
Aktuell erfolgt eine bundesweite Überprüfung, deren Ergebnisse im kommenden Jahr erwartet werden. Davon wird dann das weitere Vorgehen mit abhängig sein.
Auch wurde seitens Dr. Claudia Sommer, Leiterin des städtischen Fachbereichs Gesundheit- und Verbraucherschutz, über weitere Initiativen des MRE-Netzwerks Hagen berichtet. Bei den multiresistenten Erregern ging es u.a. um Ansteckungsrisiken durch nicht qualifizierte Krankentransportunternehmen für nachfolgende Fahrgäste. Bei konkreten Hinweisen auf Hygienedefizite bittet Thomas Huyeng, die Beteiligten beim Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz zu melden. Nur so könne Fehlentwicklungen entgegengewirkt werden.