Stadt verlangt sichere Bremsen

Hagen. Was bewegte die Hagener in den Monaten vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs? Wir schauen abermals in den Mai 1914, Autor ist erneut Dr. Gerhard E. Sollbach:

Auch wenn unser Blick in die Kampstraße nur eine Kutsche zeigt: Im Mai 1914 mussten die Verkehrsvorschriften in Hagen verschärft werden. Außerdem gab’s die ersten Einbahnstraßen, so in der Kampstraße. (Foto: Heimatbund)
Auch wenn unser Blick in die Kampstraße nur eine Kutsche zeigt: Im Mai 1914 mussten die Verkehrsvorschriften in Hagen verschärft werden. Außerdem gab’s die ersten Einbahnstraßen, so in der Kampstraße. (Foto: Heimatbund)

Sichere Bremsen

Der wachsende Verkehr in der sich auf dem Weg zur Großstadt befindlichen Stadt Hagen erforderte bessere Regelungen. Dies geschah Anfang Mai durch eine neue Polizeiverordnung. Entsprechend dem bergigen Gelände in einem großen Teil des Stadtgebiets musste jedes Fuhrwerk in Zukunft mit einer „sicher wirkenden“ Bremsvorrichtung versehen sein. Verboten war jetzt die Benutzung von Hemmschuhen zum Bremsen sowie das Anschleifen der Räder am Bordstein. Sämtliche Fuhrwerke hatten auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen auf der rechten Seite dicht neben dem Bordstein zu fahren. Überholt werden durfte nur von links. Zweirädrige von Pferden gezogene Lastfuhrwerke durften nicht vom Fuhrwerk aus gelenkt werden. Vielmehr hatte der Führer neben dem Pferd zu gehen.

Bitte nüchtern!

Offenbar aus gegebenem Anlass enthielt die Polizeiverordnung auch die Vorschrift, dass alle Führer eines Fuhrwerks bei der Fahrt nüchtern zu sein hätten und auch nicht schlafen dürften. Erstmals wurden damals in Hagen auch Einbahnstraßen eingerichtet. Die Polizeiverordnung bestimmte, dass die kleine Kampstraße zwischen der Elberfelder Straße und der Körnerstraße nur in Richtung der Körnerstraße, die Böhmerstraße zwischen der Frankfurter Straße und der Hochstraße nur in Richtung der Hochstraße und die Kölner Straße zwischen Hauptbahnhof und Oststraße nur in Richtung der Bahnhofstraße befahren werden durften.

Gänzlich gesperrt für Pferdefuhrwerke aller Art sowie für Lastautomobile wurde eine Reihe besonders steiler Straßen, darunter auch das Wasserlose Tal. Wenn auch im Stadtbild immer noch von Pferden gezogene Fuhrwerke vorherrschten, nahm der Automobilverkehr doch zu und damit auch die Zahl der Autounfälle. So kam es z.B. am 5. Mai nachmittags gegen 5:00 Uhr auf der unteren Kampstraße zu einem Zusammenstoß zwischen einem Automobil und einer Straßenbahn. Zum Glück blieb’s bei einer zertrümmerten Lampe.

Moderne Straßenbahn

Eine Neuerung im öffentlichen Personennahverkehr gab es ebenfalls zu vermelden. Mitte Mai kamen die ersten neuen Straßenbahnwagen der Hagener Straßenbahn zum Einsatz. Sie unterschieden sich von den bisherigen Straßenbahnwagen, wie das „Westfälische Tageblatt“ in seiner Ausgabe vom 18. Mai schrieb, nicht nur durch ihre „elegante Bauform“, sondern auch durch eine Reihe zweckmäßiger Neuerungen.

So besaßen die neuen Straßenbahnwagen eine durchgängig gleiche Fußbodenhöhe. Somit führte keine Trittstufe mehr von den Perrons ins Wageninnere. Die Perrons waren zudem jetzt geräumiger und konnten bis zu zwölf Personen fassen. Auch gab es zwischen den Perrons und dem Wageninneren keine Tür mehr, sondern nur eine Trennwand. Außerdem besaßen diese Straßenbahnwagen moderne elektrische Schienenmagnetbremsen.

Die moderne Zeit kündigte sich im Mai 1914 aber auch in einem Beschluss der evangelischen Kirchengemeinde-Vertretung in Eppenhausen an, der in der Lokalpresse als eine „zeitgemäße kirchliche Änderung“ begrüßt wurde. Danach sollte sich das Sterbegeläut in Zukunft nicht mehr nach dem Stand und Vermögen, sondern lediglich nach dem Alter der Verstorbenen richten. Dementsprechend wurde am Beerdigungstag bei Erwachsenen vor dem Mittagsläuten eine Viertelstunde lang mit drei Glocken und während der Beerdigung mit zwei Glocken geläutet.

Forsetzung folgt.

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