Steineklopfen unter sengender Sonne

Steine klopfen im Urlaub: Im australischen Outback ging Burkhard Adam unter die Opal-Schürfer. (Foto: privat)

Hagen. (as) Manche lieben’s „all inclusive“, wenn’s um den Urlaub geht: Cocktails schlürfen an der Strandbar, futtern rund um die Uhr, Seele baumeln lassen auf der Luftmatratze im Pool. Burkhard Adam hatte es auch „all inclusive“, als er sich nach seinem 50. Geburtstag eine Auszeit gönnte. Ein „all inclusive“ der besonderen Art: Schweiß treibendes Steineklopfen unter sengender Sonne, spartanische Mahlzeiten auf wackeligen Campingstühlen, dicke, grüne Kröten unter der zehn Kilometer entfernten Wellblechdusche, Kangurus, die – blind für jede Gefahr – vor den Kühlergrill des Autos hüpfen…

Besitzerstolz: So sieht er aus, der erste von Burkhard Adam selbst gefundene Opal. (Foto: privat)

Und dennoch: „Es war grandios.“ Burkhard Adam schaut auf den Monitor, auf dem eine Dia-Schau läuft: „Das hier“, sagt der Hagener Goldschmiedemeister und zeigt auf ein Foto, auf dem es Blau und Grün schimmert. „Das ist mein erster selbst geschürfter Opal.“ Ob er den wohl auch bei der 9. Opal-Ausstellung, die von Donnerstag bis Samstag, 28. Februar bis 2. März 2013, in der Goldschmiede Adam, Sparkassen-Karree 5, zu erleben ist, zeigen wird?

Doch von vorn: Zum 50., das stand für Goldschmiedemeister Burkhard Adam fest, wollte er sich ein Abenteuer schenken. Sein Traum: Drei Monate zu den Orten der Welt, die er noch nicht kannte. Er schnappte sich einen Atlas und reiste schon einmal mit dem Finger über die Landkarten. Ins australische Outback beispielsweise, dorthin, wo im Tagebau nach Opalen gesucht wird. Träume eben. Manche werden wahr, manchmal muss man Kompromisse machen. Das galt auch für Burkhard Adam: Beim Abenteuer sollte es bleiben. Doch von drei Monaten ließ er sich von der Familie auf sechs Wochen Auszeit herunterhandeln. Im Frühjahr des vergangenen Jahres machte sich Burkhard Adam gemeinsam mit Andreas Müller, einem Freund aus Kindertagen, auf den Weg um den Globus – nach Phiphi-Island („Tauchen, wo der Film ’The Beach’ mit Leonardo DiCaprio gedreht wurde“), nach Hawaii, nach Sydney („Von dort im Jeep zum Ayers Rock“), nach Cairns („Dort gibt’s einen der ältesten Regenwälder der Welt“), zum Barrier Reef („Tauchen, was sonst?“) und schließlich ins australische Outback, ins Nirgendwo, dorthin, wo Opale geschürft werden.

Mit Diesel und Werkzeug ins Nichts

Schon zu Hause hatte Burkhard Adam einmal vorgetastet. Bei der 8. Opal-Ausstellung in den Geschäftsräumen fragte er Schürfer Karl-Heinz Höbelt, der die Ausstellung bestückt, ob sie einfach mal vorbeikommen dürfen im australischen Hinterland. Sie durften – und sie kamen. Von Brisbane aus ging’s etwa 1.000 Kilometer weit geradewegs ins Nichts – drei dicke Fässer Diesel, Werkzeuge für alle Zweifelsfälle und reichlich Lebensmittel auf der Ladefläche und im Innenraum des Wagens. Das Nichts entpuppte sich als Mondlandschaft. Mit einem Bagger trägt Karl-Heinz Höbelt im „Open Cut“, also im Tagebau, die Erde ab. Immer auf der Suche nach den Bouldern, den Steinen, die wie riesengroße Rosinen im Boden schlummern und in denen die wertvollen Opale schlummern. Kaum ist wieder eine Schaufel Erde abgetragen, ist Muskelkraft gefragt. Burkhard Adam kroch und kletterte gemeinsam mit Karl-Heinz Höbelt in der Mondlandschaft herum. Mit dem Hammer bearbeiteten sie jeden Boulder, immer in der Hoffnung auf Grün und Blau glitzernde Schichten.

Farben überall: Nicht nur die Opale schimmern in den schönsten Nuancen. Auch an die Sonnenuntergänge wird sich Burkhard Adam noch lange erinnern. (Foto: privat)

„Mit deutscher Gründlichkeit haben wir gearbeitet“, sagt Burkhard Adam. „Jeden Tag von morgens bis um 17 Uhr.“ Dann hat’s auch gereicht. Gegrillt von der Sonne, tropfnass geschwitzt und paniert vom Staub ging es zum Duschen. Die Wasserspender standen nicht mal eben um die Ecke. Zehn Kilometer mussten die Herren jeden Abend im Wagen durchs australische Outback bis zu einer Farm holpern und immer wieder irrlichternden Kängurus ausweichen, um das ersehnte Nass genießen zu können.

Kröten lieben Seifenschaum

Apropos Duschen: Burkhard Adam muss lachen. Stockdunkel war’s in den Duschen. „Natürlich hab ich ein Bild davon gemacht“, erzählt der Hagener Goldschmied. Als er sich das Foto anschließend anschaute, staunte er nicht schlecht. Das Blitzlicht zeigte, dass zig dicke, grüne Kröten im sanitären Dunkel hockten. „Die haben es offensichtlich genossen mitzuduschen – Seifenschaum inklusive“, sagt Burkhard Adam.

Opale hat der Hagener auch gefunden. Farbexplosionen in unscheinbaren Bouldern. „Wer sie sieht, weiß warum der Opal von den Aborigines ’Stein der tausend Lichter’ genannt wird“, erzählt Burkhard Adam. „Es war eine anstrengende und mühsame Arbeit, aber es war auch ein faszinierender Urlaub.“

Ein Urlaub, den andere gerne mit ihm geteilt hätten. „Da wäre ich gern dabei gewesen“, hat sein Vater Oskar Adam nach der Reise zu ihm gesagt. „Vielleicht das nächste Mal“, meint Burkhard Adam. Denn dies soll nicht der letzte Trip ins australische Outback gewesen sein.

Doch ganz schnell wird er sich nicht wieder auf den Weg machen. Obwohl: Am heutigen Samstag, 23. Februar, könnte er sich wieder ein Geschenk machen. Heute nämlich wird Burkhard Adam 51 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch!

Opale in der Goldschmiede

Zur 9. Opal-Ausstellung lädt die Goldschmiede Adam, Sparkassen-Karree 5, von Donnerstag bis Samstag, 28. Februar bis 2. März 2013, ein.

Präsentiert werden Boulder-Opale, geschürft von Karl-Heinz Höbelt, darunter auch der kostbarste Opal, den der Opal-Schürfer jemals gefunden hat. Der Ausnahmefund wird auf etwa 120.000 Euro geschätzt. Die Ausstellung ist Donnerstag und Freitag von 10 bis 19 Uhr und am Samstag von 10 bis 16 Uhr zu sehen.