Sternsinger: Für Kinder in Not

Volmetal. (ME/exc) „Die Sternsinger kommen!“ heißt es wieder in wenigen Tagen – so etwa am 7. und 8. Januar 2012 in der Pfarrgemeinde Herz Jesu Dahl. Mit dem Kreidezeichen „20+C+M+B+12“ bringen die Mädchen und Jungen aus der Gemeinde in den Gewändern der Heiligen Drei Könige den Segen „Christus segne dieses Haus“ zu den Menschen nach Dahl, Priorei und Rummenohl und sammeln für Not leidende Kinder in aller Welt.

„Die Sternsinger kommen!“ heißt es wieder in wenigen Tagen. Gold, Weihrauch und Myrrhe: Die Heiligen Drei Könige haben mit ihren Gaben zur Verehrung des Christuskindes Maßstäbe gesetzt. (Foto: Veranstalter)

„Klopft an Türen, pocht auf Rechte!“ heißt das Leitwort der 54. Aktion Dreikönigssingen, das aktuelle Beispielland ist Nicaragua. 1959 wurde die Aktion erstmals gestartet. Inzwischen ist das Dreikönigssingen die weltweit größte Solidaritätsaktion, bei der sich Kinder für Kinder in Not engagieren. Sie wird getragen vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Jährlich können mit den Mitteln aus der Aktion mehr als 2.100 Projekte für Not leidende Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt werden.

Auch in diesem Jahr unterstützen – nicht allein in Dahl – zahlreiche Pfadfinder die Sternsinger und hoffen auf viele offene Türen und nette Begegnungen, um neben dem Spenden sammeln auch wieder ein frohes neues Jahr wünschen zu können.

Maßstäbe gesetzt

Gold, Weihrauch und Myrrhe: Die Heiligen Drei Könige haben mit ihren kostbaren Gaben zur Verehrung des Christuskindes Wissenschaftlern zufolge Maßstäbe gesetzt. „Über Jahrhunderte scheuten die Menschen keine Kosten, um Gott und die Heiligen mit Gaben zu ehren“, erläutert Historiker Prof. Dr. Gerd Althoff („Religion und Politik“/ Universität Münster) vor dem Dreikönigstag am 6. Januar. „Als Gegenleistung für wertvolle irdische Gaben wie Kunstwerke, Kreuze und Kelche erhofften sich die Menschen des Mittelalters, dass Gott ihre Fegefeuer-Zeit verkürze.“

Jeder Mensch stiftete damals nach seinen Möglichkeiten, wie LWL-Expertin Dr. Petra Marx ausführt: „Adlige gaben Gold, Bauern spendeten Feldfrüchte. Alle vertrauten darauf, dass Gott die Gaben ins richtige Verhältnis setzte.“

Umrechnungstabellen für Sündenstrafen

„Die Vorstellung, dass sich das ewige Seelenheil durch irdische Leistungen verdienen lässt, führte im Mittelalter zu einem differenzierten Stiftungswesen“, so Historiker Gerd Althoff. Almosen-Spenden für Arme und Stiftungen sakraler Gegenstände galten als wirkungsvolle Mittel zur „Jenseitsvorsorge“, da sie mit Messfeiern und Gebeten für die Stifter belohnt wurden. Althoff: „Es hat im Mittelalter regelrechte Umrechnungstabellen gegeben, aus denen deutlich wurde, wie viele Sündenstrafen Gott für die Messfeiern und Gebete erlässt.“ Bildliche Darstellungen des Jüngsten Gerichts hätten den Gläubigen zudem vor Augen geführt, dass niemand vor Verdammnis sicher war. Selbst Könige, Päpste und Bischöfe ließ der Weltenrichter Christus von Teufeln in die Hölle abführen.

Zuweilen mischten sich religiöse Motive für Schenkungen auch mit weltlichen, wie Marx verdeutlicht: „Die Bürger der Stadt Soest etwa stifteten den berühmten Schrein für ihren Stadtpatron Patroklus nicht zuletzt aus Konkurrenz zum städtischen Kloster, dessen Stiftungen sie überbieten wollten.“ Als Stifter goldglänzender Kreuze, Schreine und Statuetten traten in Westfalen nach den Worten von Petra Marx zunächst Könige und Adlige in Erscheinung, im Spätmittelalter auch ein selbstbewusstes Bürgertum. „Aus Frömmigkeit spendeten sie hochwertige sakrale Kunst. Diese sollte auch die Würde des Gottesdienstes erhöhen.“