Stolpersteine im Eilper Wald

Holpriger Schotter statt Herbstlaub im Wald: Oberhalb des Struckenbergs werden die Wege neuerdings mit Mengen von grauen Steinen befestigt. Waldatmosphäre? Fehlanzeige! Spazieren gehen macht hier keinen Spaß mehr. Für Fahrräder und Kinderwagen sind die Wege jetzt gar nicht mehr zu befahren. (Foto: Anja Schade)

Eilpe. (AnS) Waldspaziergang: Die Herbstsonne gibt noch einmal ihr Bestes, das Laub an den Bäumen ist bunt gefärbt, die Eichhörnchen verstecken zwischen Fichten und Buchen ihren Wintervorrat, der Schotter knirscht beim Spaziergang unter den Füßen… – Moment: Schotter, im Wald? Ja, wirklich, zumindest auf einigen Wegen im Eilper Wald, direkt hinter dem Struckenberg, ist dieses Material neuerdings zu finden. Kein Laub, das beim Laufen so schön raschelt, keine Erde, die am Schuh hängen bleibt, keine Nadeln bevölkern den Waldboden, nein, es ist hellgrauer, grober Schotter, der hier überraschender Weise aufgebracht wird.

Schon seit Tagen beobachten die Anwohner die Lkw, die das Gesteinsmaterial in den Wald bringen. Am so genannten „Stern“ liegen Berge von Kies. Aber warum?

Was macht der RVR?

Der RVR Ruhr Grün ist Eigentümer des Waldstücks, der Regionalverband bewirtschaftet auf dem Gebiet der Stadt Hagen 450 Hektar Wald, kümmert sich unter anderem um die Pflege der Bäume, aber auch um den Ausbau und die Instandhaltung von Erholungseinrichtungen wie Wanderwegen und Wegweisern. Die größte zusammenhängende Waldfläche ist dabei das Areal rund um den Eilper Berg im Hagener Süden.

Tagelange wk-Bemühungen, eine Stellungnahme des Wald-Eigentümers zu bekommen, blieben ergebnislos. Der RVR Ruhr Grün hüllt sich in Schweigen.

Ziel: Stabile Wege

„Ziel ist es, den Weg stabil zu bekommen“, weiß hingegen Hagens Forstamtsleiter Horst Heicapell, der die Praktiken des Aufbringens von Schotter kennt. Gerade nach dem Sturm Kyrill, der ganze Waldflächen zerstörte, war Aufforstung ein wichtiges Thema auch in Hagen. Wo früher allerdings Mensch und Pferd die Flächen bewirtschafteten, sind es heute 40- und 50-Tonnen-Lkw, die das Holz wegschaffen. Und diese benötigen feste Wege, auf denen sie sicher fahren können. Denn im aufgeweichten, oft lehmigen Boden, wie er in der Volmestadt zu finden ist, bleiben die Reifen der Kolosse stecken. „Zudem müssen diese Wege belaufbar sein, deshalb wird aufgeschottert,“ weiß Heicapell. Die Stadt Hagen benutze dabei eine relativ kleine Körnung, früher wurde auch zusätzlich ein Dolosandgemisch aufgetragen. Darauf wird allerdings mittlerweile aus Kostengründen verzichtet. Das feine Gemisch wasche sich in der Regel zudem schnell aus. „Die Ausbauintensität in einem Naherholungsgebiet sieht natürlich anders aus als auf rein forstwirtschaftlich genutzten Flächen,“ weiß der Forstamtsleiter.

Zurück zum Eilper Wald. Zur Zeit wird der Schotterboden mit schweren Maschinen verdichtet, was ihn allerdings nicht begehbarer macht. Die Frage ist natürlich: Wie viel Instandsetzung braucht ein Waldweg? Und ist das Material nicht viel zu grob, das in Eilpe vom RVR aufgebracht wurde? Viele Spaziergänger stolpern über die dicken Steine, Mountainbiker, die den Wald gerne als Trainingsstrecke nutzen, müssen extrem langsam fahren, um nicht zu stürzen. Und der sonst so typische natürliche Waldcharakter mit Herbstlaub und erdigen Böden ist leider auch irgendwie verloren gegangen…