Streiter für den Frieden

Hagen. (ME) Er ist ein bedeutender Zeitzeuge, kannte Ulrike Meinhof (RAF) ebenso wie beispielsweise Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll. Ferner war er ein weithin bekannter Grafiker und unbeugsamer Kämpfer für den Frieden – dennoch ist Hermann Landefeld in seiner Heimatstadt Hagen bislang nahezu ungewürdigt geblieben. Doch erst jetzt – zu seinem 85. Geburtstag – wurde endlich ein kleines Büchlein über ihn geschrieben.

Der 85-jährige Hagener Hermann Landefeld ist ein bedeutender Zeitzeuge, kannte Ulrike Meinhof (RAF) ebenso wie beispielsweise Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll, war ein weithin bekannter Grafiker und blieb bis heute ein überzeugter Streiter für Frieden und Freiheit. (Foto: Ardenku-Verlag)

1958, im Kalten Krieg, nähern sich die Ost-West-Auseinandersetzungen einem neuen Höhepunkt. Vor allem in Deutschland kochen die Emotionen hoch. Wie soll man sich in Anbetracht des enormen Wettrüstens verhalten, wie sieht die richtige Politik aus? In der Bundeshauptstadt Bonn stehen sich zwei Lager anfänglich schier unversöhnlich gegenüber – auf der einen Seite die Regierung unter Kanzler Konrad Adenauer (CDU) und Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß (CSU), auf der anderen die SPD und die Gewerkschaften. Während Adenauer und Strauß die atomare Aufrüstung der Bundeswehr anstreben, setzen die Sozialdemokraten eher auf Diplomatie und plädieren zunächst inständig dafür, nicht weiter an der Rüstungsspirale zu drehen.

Der Riss, der durch den Bundestag geht, spaltet in ähnlicher Weise auch das Volk. Insbesondere zahlreiche Künstler – Schriftsteller und Maler – engagieren sich gegen weitere Aufrüstungspläne: „Kampf dem Atomtod!“ Bald kommt es zu einem Bündnis mit dem Ziel, aufrüttelnde Botschaften quer durch „Deutschland“ zu schicken und den Menschen klar zu machen, dass unser Land der hauptbetroffene Staat in einem neuen Weltkrieg sein würde und es hier höchstwahrscheinlich viele Millionen Atombomben-Tote zu beklagen gäbe.

Künstler-Protestszene

Mittendrin in der damaligen Künstler-Protestszene: ein junger Hagener, Hermann Landefeld, damals 32 Jahre alt. Ihn prägen schreckliche Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg und aus Gefangenenlagern. Nach dem Krieg war es vor allem die Zeichenkunst, die ihm half, das Erlebte zu verdrängen. Der große Emil Schumacher nahm den jungen Mann bald unter seine Fittiche, vermittelte ihn 1950 nach Wuppertal, wo Hermann Landefeld bis 1954 die Werkkunstschule besuchte und ihn der ehedem renommierte Kunstlehrer Jupp Ernst unterrichtete. Nach der Ausbildung in den Fächern „freie und angewandte Malerei und Graphik“ betätigte er sich zunehmend – vor allem seit 1961 zusammen mit seiner Frau – als selbstständiger Werbegrafiker.

Seine Grafiken und Holzschnitte sind stark von der Kunst der 1920er Jahre geprägt und außerdem von dem Bemühen, leicht verständliche und durchaus auch politische Botschaften zu präsentieren – womit er damals in den großen Museen und Ausstellungen kaum „landen“ konnte, weil hier fast ausschließlich die abstrakte Kunst ihre großen Erfolge feierte.

Auch die schon erwähnte, 1958 von diversen Künstlern zusammengestellte Wanderschau „Künstler gegen den Atomtod“ lässt sich kaum in Museen darbieten. Gewerkschaftshäuser und ähnliche Einrichtungen dienen stattdessen als Ausstellungsstätten. Landefeld ist gleich mit mehreren Werken vertreten – so mit einem Linolschnitt, der den „Frommen mit einer Rakete“ zeigt, die Bildunterschrift lehnt sich an einen Matthäus-Vers aus der Bibel an: „Sehet euch vor – vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“

Von Wehner bis „Konkret“

Für die seinerzeit stark beachtete politische Zeitschrift „Konkret“ hat Hermann Landefeld lange gearbeitet - dabei lernte er zum Beispiel Ulrike Meinhof kennen, die ab 1960 als Chefredakteurin amtierte. (Repro: Ardenku-Verlag)

Politiker – wie etwa der langjährige SPD-Vordenker Herbert Wehner – werden auf Landefeld aufmerksam, ebenso Zeitschriftenverleger. Beim damals berühmt-berüchtigten linken Polit-Magazin „Konkret“ gewinnt der Hagener 1958 den Graphik-Wettbewerb, mit der Folge, dass er fortan (bis 1962) für diese Zeitschrift als freier Mitarbeiter tätig werden kann (für Konkret arbeiteten auch zum Beispiel der Polit-Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger sowie später die nachmalige RAF-Terroristin Ulrike Meinhof).

Immer sich treu geblieben

Landefeld sagt zwar von sich selbst, er sei kein „Missionar“, ist aber bis heute ein überzeugter Streiter für Frieden und Freiheit. Dass er sich bis heute treu geblieben ist, sieht man auch seinen neuesten Arbeiten an: setzt er sich doch farbenfroh wie eh und je und so plakativ wie seit über einem halben Jahrhundert mit aktuellen Schauplätzen auseinander – so z.B. im Bild „Endlager“. Es entstand im Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen im japanischen Atomkraftwerk Fokushima. Es beweist, wie allgegenwärtig die Themen sind, die Hermann Landefeld heute noch als 85-Jähriger mit Hilfe seiner Kunst vermittelt.

Das Büchlein, das über ihn aktuell geschrieben worden ist, erscheint am Samstag, 24. September 2011, um 11 Uhr (Präsentation in der Buchhandlung Thalia) als Heft 7 in der Reihe Kunstdialoghagenwest des Hagener Ardenku-Verlags (Petra Holtmann), Preis: 9,90 Euro, die Autorin ist Elke Süggeler, ISBN: 978-3-942184-20-5.