Stress – Burnout – Depression: Meditation oder Medikamente?

Facharzt beim Gesundheitsforum: Dr. med. Philipp Görtz. (Foto: KKH)

Facharzt beim Gesundheitsforum: Dr. med. Philipp Görtz. (Foto: KKH)

Hagen. Im Rahmen des „Hagener Gesundheitsforums 2017“ am Mittwoch, 1. März ab 16 Uhr im Sparkassen-Karree spricht Dr. med. Philipp Görtz zum Thema: „Stress – Burnout – Depression: Meditation oder Medikamente?“

Sorgen, Kummer und Trauer sind ein normaler und wichtiger Bestandteil des seelischen Erlebens. Doch wieso können negative Gedanken und Gefühle meine Gesundheit beeinträchtigen? Wie kann ich mir helfen? Ein Wegweiser durch Diagnostik und Therapie seelischer Beeinträchtigungen.
Es gibt viele Möglichkeiten zur Stabilisierung des eigenen seelischen Gleichgewichts. Manch einer profitiert von Verhaltensweisen, die zur Entspannung führen, andere betätigen sich z.B. sportlich oder achten auf eine besondere Ernährung. Eine zurzeit gängige Bezeichnung dafür ist ­„Wellness“. Schwere seelische Belastungen können jedoch dazu führen, dass man nicht mehr in der Lage ist sein seelisches Gleichgewicht zu finden oder bewusst für sich zu Sorgen. Hier ist es dann hilfreich sich professionell beraten und unterstützen zu lassen.
Als nicht-medikamentöses Verfahren spielt dabei die Psychotherapie die wichtigste Rolle. Aber auch viele andere erlernbare Techniken wie Entspannungstraining und Meditation haben eine immer größere Bedeutung bei der Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen. So weisen neuere Erkenntnisse aus der Hirnforschung (Neurowissenschaft) nach, dass z.B. auch Meditationstechniken Einfluss auf die seelische Gesundheit haben. Durch die Meditation werden Gehirnareale angesprochen, die die Gefühlswelt des Patienten positiv beeinflussen. Wie diese im Verhältnis zu medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlungen bei den hier angesprochenen psychischen Beeinträchtigungen gesehen werden sollten, ist zentrales Thema des Vortrages.
Referent Dr. med. Philipp ­Görtz ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und leitet in der Kathaolischen Krankenhaus Hagen gem. GmbH die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Veranstalter ist die Stadt Hagen, Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz. Der Eintritt ist frei.

In einem Interview sprach Referent Dr. med. Philipp Görtz über psychische Erkrankungen.

Als Nachfolger von Dr. Grünherz leiten Sie seit November 2016 in Hagen die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Aktuell mussten Sie den Umzug nach Hagen- Elsey stemmen. Wie geht es Ihnen dabei?

Dr. Görtz: Dr. Grünherz hat mir mit seinem Team eine hervorragend arbeitende Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie übergeben. Wir können alle psychiatrischen Erkrankungsbilder von Depressionen bis hin zu Demenzen gut behandeln und haben eine eigene Institutsambulanz.

Durch den Umzug nach Elsey ergeben sich nun weitere Entwicklungsmöglichkeiten. Die Suchtklinik unter der Leitung von Dr. Lieb komplettiert unser therapeutisches Angebot nun in der ganzen Breite seelischer Beeinträchtigungen. Der Umzug wird uns bessere Räumlichkeiten als im Johannes-Krankenhaus bieten, so dass wir unser therapeutisches Angebot weiter ausbauen können. Es ist geplant, dass wir eine psychiatrisch und psychotherapeutische Ambulanz und eine Tagesklinik am Johannes-Krankenhaus erhalten. Für die Hagener wird sich somit die Erreichbarkeit zur Behandlung bei seelischen Störungen deutlich verbesseren. Die enge Kooperation mit den somatischen Fachabteilungen des Johannes- und Joseph-Krankenhauses sichert darüberhinaus die hohe Behandlungsqualität bei körperlichen Begleiterkrankungen.

In Ihrem Vortrag werden Sie darstellen, wieso negative Gedanken und Gefühle die Gesundheit beeinträchtigen können und welche Hilfen möglich sind. Ist die Meditation hier ein ernst zu nehmendes Thema?

Dr. Görtz: Negative Gedanken und Gefühle kennt jeder von uns. Sie können jedoch eine Eigendynamik entwickeln, sich zunehmend verstärken und zu einer Teufelsspirale werden, die schließlich auch unser Handeln und unseren Alltag massiv beeinträchtigt. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich diesem Sog zu entziehen. Wichtig ist es zu erkennen, wie sehr man betroffen ist und welche Methode wann hilfreich ist. Klassische wirksame Verfahren sind dabei psychotherapeutische und medikamentöse. Aber viele therapeutische Verfahren aus anderen Feldern finden berechtigten Eingang in die Behandlung, wie z.B. die Achtsamkeitsmeditation.

Nach den jährlichen Berichten der Krankenkassen sind bei den Fehltagen am Arbeitsplatz die psychischen Erkrankungen deutlich in der Zunahme. Sollte einer solchen Entwicklung auch durch meditative Verfahren begegnet werden?

Dr. Görtz: Die Fehltage durch psychische Erkrankungen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Das liegt sicher auch daran, dass heutzutage die Akzeptanz für und das Wissen um psychische Erkankungen deutlich angestiegen ist.

Die Erkrankungen werden besser diagnostiziert, denn wir wissen, das z.B. hinter vielen „Rückenleiden“ häufig eine behandlungsbedürftige depressive Störung steckt. Durch die bessere Diagnostik können wir natürlich auch viel früher behandeln. Eine depressive Erkrankung ist eine sehr gut zu behandlende Erkrankung, und fast alle Patienten werden wieder gesund. Insbesondere meditative Verfahren können sehr gut vor einem Rückfall schützen

Bei der Medikamentengabe spielt sicherlich die Akzeptanz durch die Betroffenen eine große Rolle. Wie sind da Ihre Erfahrungen?

Dr. Görtz: Es ist nicht notwendig, jede psychische Erkrankung sofort mit Medikamenten zu behandeln. Insbesondere für leichte und mittelgradige depressive Störungen stehen wirkungsvolle psychotherapeutische Verfahren zur Verfügung.

Es gibt auch nichtmedikamentöse Verfahren wie Lichttherapie und Schlafentzugstherapie, die bei schweren depressiven Störungen unterstützend sein können. Wir beziehen in unserer Klinik den Patienten immer mit in die Entscheidung ein, wenn eine medikamentöse Therapie empfehlenswert ist. Dieses kann bei schweren depressiven Phasen mit Selbstmordgedanken oder häufigen depressiven Episoden der Fall sein. Die Dauer der medikamentösen Behandlung oder die Möglichkeit des Absetzens der Medikation wird mit den Patienten immer besprochen. Grundlage auch der medikamentösen Therapie ist dabei ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Patienten und Therapeuten.

Eine abschließende Frage: Was sind Ihre eigenen Wünsche bezogen auf die Veranstaltung?

Dr. Görtz: Ich wünsche mir, dass ich viele interessierte Zuhörer mit diesem Thema erreiche und stehe auch im Anschluss für Fragen zur Verfügung. Bei weiterführenden Informationen können sich Bürger jederzeit an mich und mein Team am Johannes-Krankenhaus wenden.