Studentinnen erforschen uralten Adelssitz

Der ehemalige Adelssitz „Haus Busch“ im Lennetal nahe Boele-Helfe. (Foto: Veranstalter)

Hagen. (Red.) Dem Tag des offenen Denkmals in Hagen am Sonntag, 9. September 2012, fiebern zwei junge Damen besonders erwartungsvoll, aber auch etwas unruhig entgegen. An diesem Tag haben nämlich Viktoria Friese (20) und ihre Freundin Katharina Schulte (21) eine Premiere.

Die beiden Studentinnen der Technischen Universität Dortmund werden dann ihren ersten öffentlichen Vortrag halten. In einer mit historischen und aktuellen Bildern illustrierten PowerPoint-Präsentation stellen sie in dem Herrenhaus von „Haus Busch“ diesen ehemaligen Adelssitz vor – und das gleich zwei Mal, einmal von 13.15 Uhr bis 13.45 Uhr sowie ein zweites Mal von 15.15 Uhr bis 15.45 Uhr.

„Haus Busch“ gehört zusammen mit dem „Haus Harkorten“ zu den beiden Bau-Denkmälern, die – abgesehen von einer zusätzlichen Stadtrundfahrt – bei dem diesjährigen Tag des offenen Denkmals in Hagen im Mittelpunkt stehen.

Viktoria Friese (20) und Katharina Schulte (21) stellen am Tag des offenen Denkmals den ehemaligen Adelssitz „Haus Busch“ in einem Bild-Vortrag vor. (Foto: Veranstalter)

Herausforderung

Die beiden Referentinnen waren im vergangenen Sommersemester Teilnehmerinnen eines Seminars von Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach an der TU Dortmund. Als der auch in der Hagener Geschichtsforschung aktive Historiker die Studentinnen im Auftrag der Leiterin der Unteren Denkmalbehörde in Hagen, Ina Hanemann, fragte, ob sie den Vortrag über „Haus Busch“ am Tag des offenen Denkmals übernehmen wollten, waren die Beiden zunächst doch etwas erschrocken.

„Aber die Herausforderung, einmal etwas gänzlich Neues und Unbekanntes zu machen, hat uns gereizt und wir haben dann doch zugesagt“, erläuterte Viktoria Friese. Allerdings hatte weder sie noch ihre Freundin bis dahin etwas von „Haus Busch“ gehört und so mussten sich die Beiden in fast 700 Jahre Geschichte dieses Adelssitzes einarbeiten.

Ans Herz gewachsen

Rat und Hilfe erhielten sie dabei auch von Prof. Sollbach. „Je tiefer wir aber in die Geschichte von ’Haus Busch’ eingedrungen sind, umso mehr ist uns diese historische Besitzung ans Herz gewachsen“, versicherte Katharina Schulte. Es sei einfach faszinierend gewesen, sich einmal so intensiv und im Detail mit einem historischen Objekt zu beschäftigen, meinte sie im Rückblick.

Dabei hatte sie auch noch ein richtiges Déjà-vu-Erlebnis. In der Schule war sie in der 12. Klasse im Deutschunterricht mit dem Roman „Effi Briest“ von Theodor Fontane bekannt gemacht worden, in dem ein Duell eine Rolle spielt. Bei der Erforschung der Geschichte von „Haus Busch“ begegnete sie dann erneut einem Duell, und zudem noch einem ganz realen, das um ein Haar den Verlauf der deutschen Geschichte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verändert hätte, denn hierbei stand Bismarck im Mittelpunkt…

Über Hitler erschreckt

Viktoria Friese hat aber das Auftauchen der Person Adolf Hitlers im Zusammenhang mit der Geschichte von „Haus Busch“ erschreckt. Hinsichtlich der Erfahrung von Geschichte hinterließ diese direkte Begegnung mit einem örtlichen historischen Ereignis bei ihr doch auch einen nachhaltigen Eindruck. Tatsächlich hielt sich Hitler in den 1920er Jahren mehrmals und auch für längere Zeit auf „Haus Busch“ auf. „Natürlich haben wir in der Schule von Hitler gehört. Doch das war Geschichte, die sich irgendwo abgespielt hatte. Hier wurde historisches Geschehen aber auf einmal ganz konkret und spielte an einem realen Ort, den man sehen und sogar begehen kann. Das hat mich doch sehr bewegt und auch beunruhigt“, erläuterte Viktoria Friese.

Inzwischen haben die beiden jungen Damen ihr Vortragsmanuskript zur Übung schon so oft vorgelesen, dass sie den Text praktisch auswendig kennen. „Das Manuskript wird uns beim Vortrag eigentlich nur noch zur Beruhigung dienen“, versicherten sie. Jetzt hoffen sie nur noch auf gutes Wetter und guten Besuch am Sonntag – und dass es keine technischen Probleme mit der PowerPoint-Präsentation gibt. Doch dafür hat ihnen die Mitarbeiterin der Unteren Denkmalbehörde in Hagen, Elena Grell, die auch anwesend sein wird, schon Hilfe zugesagt. Auch Prof. Sollbach, der zu der Zeit in den USA ist, hat versprochen, ihnen am Sonntag aus der Ferne ganz fest die Daumen zu drücken.