Sucht am Arbeitsplatz: Stadt Hagen bietet Hilfe für Betroffene

Neben den Experten der Suchthilfe und des Gesundheitsamtes steht Jochen Figur als ehrenamtlicher Suchtkrankenhelfer allen Betroffenen und Angehörigen zur Seite. (Foto: Esther Schöttke/Stadt Hagen)

Hagen. „Ein, zwei Bierchen am Abend – das hilft mir beim Einschlafen.“ Sätze wie diese hat Jochen Figur, ehrenamtlicher Suchtkrankenhelfer der Stadt Hagen, häufig gehört. Seit rund zehn Jahren steht er den Mitarbeitern der Stadtverwaltung in Suchtfragen als Ansprechpartner zur Seite.

Sucht am Arbeitsplatz – das ist für viele Arbeitgeber ein Tabuthema. Für einen offeneren Umgang sorgt das umfassende Suchtpräventionsmanagement der Stadt Hagen.

Neben einer zeitgemäßen Dienstvereinbarung über den Umgang mit suchtkranken Mitarbeitern und der Expertise der Suchthilfe und des Gesundheitsamtes, ist Jochen Figur als ehrenamtlicher Suchtkrankenhelfer eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige.

Jeden Mittwochnachmittag steht seine Bürotür allen Mitarbeitern offen. „Ich kann informieren, unterstütze und höre zu, wenn jemand mit mir reden möchte“, sagt der gelernte Buchbinder. „Ich bin selbst betroffen und weiß, was es bedeutet, mit einer Sucht zu leben und zu arbeiten.“ Zudem geht er in Abteilungen und hält Vorträge, um Mitarbeiter und Vorgesetzte für einen eventuellen Missbrauch zu sensibilisieren. „Mir ist es besonders wichtig, dass keiner weg sieht“, betont Figur. „Einem Suchtkranken hilft man nur, indem man ihn mit seiner Sucht konfrontiert.“ Zusätzlich stehen für einen professionellen Umgang psychologisches Fachpersonal und ausgebildete Suchthelfer zur Verfügung.

„Der Alkoholkonsum schadet nicht nur dem Körper, sondern verändert im Gegensatz zum Rauchen auch die Psyche“, so Jochen Figur. Die Sucht verändere dadurch den Menschen und zerstöre das eigene Leben. „Durch meine eigenen Erfahrungen verstehe ich die Ängste der Betroffenen“, sagt der 58-Jährige. „Viele Arbeitskollegen sind auch Freunde, da ist es für mich selbstverständlich, zu helfen.“