„Taschen-Oma“ muss draußen bleiben

Hagen. (anna) Seit über zehn Jahren näht die 71-jährige Eva Spors aus der Uhlandstraße dekorative Einkaufstaschen in verschiedenen Größen. Alle sind farblich passend gefüttert und haben stabile Henkel. Nach dem Tod ihres Mannes vor über drei Jahren ist diese Beschäftigung für sie zum Lebensinhalt geworden. So sitzt Eva Spors einen Großteil des Tages an der Nähmaschine und freut sich an den schönen Dingen, die sie dabei zustande bringt.

Die 71-jährige Eva Spors aus der Uhlandstraße näht seit zehn Jahren Einkaufsbeutel, die sie auf Märkten und in Altenheimen verkauft. Jetzt ist sie völlig zerknirscht, weil sie am vorweihnachtlichen Hasper Kunstmarkt in der Gesamtschule nicht teilnehmen darf, angeblich weil ihre Produkte zu preiswert sind. (Foto: Anna Linne)

Immer auf der Suche nach preiswerten, attraktiven Stoffen, fertigte sie allein in diesem Jahr schon 400 Beutel. Häufig fährt sie bis nach Bochum, um an günstiges und dekoratives Material zu kommen. Manchmal sind es Auftragsarbeiten für unterschiedliche Altenheime. Auch Apotheken ordern schon mal hübsche kleine Stofftäschchen.

Nur Unikate

Am liebsten aber verkauft Eva Spors ihre Taschen auf bunten Märkten. Da jeder Beutel ein Unikat ist, finden die Taschen seit eh und je reißenden Absatz. Ob auf dem Basar im Allgemeinen Krankenhaus oder in der Friedenskirche in Halden…, überall ist die alte Dame gern gesehen. Seit sechs Jahren ist Eva Spors immer Anfang November auch mit einem kleinen Stand beim Hasper Kunstmarkt – veranstaltet von der „Interessengemeinschaft Hasper Kunstschaffende“ – in der Gesamtschule am Kirmesplatz zu finden. Hier verkauft sie am liebsten, weil ihr die vorweihnachtliche Atmosphäre bislang immer sehr gefallen hat. Doch damit scheint jetzt Schluss zu sein. Denn beim Künstlermarkt will man die „Taschen-Oma“ nicht mehr haben. Ihre Produkte seien zu billig, heißt es.

Weil Eva Spors in diesem Jahr keine Einladung zum Kunstmarkt bekam, rief sie bei der Organisatorin des Kunstmarktes, Angelika Prevoo, an und erfuhr, dass ihre Produkte generell zwar erwünscht, aber viel zu preiswert seien.

„Ich nehme für eine Tasche 2 Euro, damit komme ich gut hin“, berichtet Eva Spors, „Ich rechne mir vorher aus, was ich für den Stoff bezahlt habe und wie viel die Standgebühr kostet, dann berechne ich den Preis. Ich will doch nicht viel verdienen, das Nähen ist doch mein Hobby.“

Angelika Prevoo, die nach eigenem Bekunden lange mit Eva Spors gesprochen hat, erklärt, dass drei andere Verkäufer nicht zum Markt kommen, wenn Eva Spors dort weiterhin ihre Taschen feilbietet. „Sie macht anderen Anbietern die Preise kaputt“, erklärt Angelika Prevoo, die die Entscheidung sehr bedauert. „Ich habe Frau Spors gebeten, doch wenigstens 50 Cent teurer zu verkaufen, aber sie ist stur geblieben.“

Richtig verzweifelt

Eva Spors ist verzweifelt, richtig verzweifelt. Sie kann die Entscheidung nicht verstehen, fühlt sich ausgebootet: „Keiner hat so Taschen wie ich, ich konkurriere doch mit keinem“, meint sie, „die ansonsten angebotenen Taschen sind aus Patchwork, Filz oder Jeans, meine sind doch ganz anders. Das Nähen ist die einzige Beschäftigung, die ich noch habe. Ich muss doch etwas tun, um den Tag zu gestalten.“

Schon seit Monaten hat Eva Spors für diesen Markt genäht. Jetzt zerplatzt für sie ein Traum. Aber Gewinne will sie partout nicht machen.